EU-Sanktionen, Tägliche

EU-Sanktionen: Tägliche Kontrollen werden für Unternehmen zur Pflicht

07.01.2026 - 04:13:12

Die EU verschärft die Sanktionsdurchsetzung mit neuen Paketen und Importverboten, was für Unternehmen komplexe tägliche Screening-Pflichten und lückenlose Herkunftsnachweise bedeutet.

Die EU verschärft die Sanktionsdurchsetzung massiv. Für Unternehmen bedeutet das: Tägliche Screening-Pflichten werden komplexer und dringlicher denn je.

Brüssel setzt ein klares Signal an die Wirtschaft. Fast genau ein Jahr nach Einführung der täglichen Screening-Pflicht durch die Instant-Zahlungen-Verordnung (IPR) werden die Anforderungen erneut ausgeweitet. Grund sind zwei entscheidende Termine: Die EU-Kommission bereitet ihr 20. Sanktionspaket gegen Russland vor. Zugleich tritt am 21. Januar 2026 ein striktes Importverbot für russische Ölprodukte in Kraft. Für Compliance-Abteilungen heißt das: Aus einer Empfehlung wird ein operativer Zwang.

20. Sanktionspaket zielt auf Schattenflotten und Umgehungen

Aus Brüsseler Diplomatenkreisen sickerte diese Woche durch: Die Kommission finalisiert den Entwurf für das nächste Sanktionspaket. Eine Vorstellung noch im Januar gilt als sicher. Der Fokus liegt diesmal auf der Energiewirtschaft. Das Paket soll verbliebene Schlupflöcher schließen und gezielt die sogenannte „Schattenflotte“ ins Visier nehmen. Diese Schiffe umgehen den Ölpreisdeckel der G7-Staaten.

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Für die Praxis bedeutet das eine erhebliche Ausweitung der Kontrollen. Statt wie bisher vor allem Einzelpersonen zu listen, wird das 20. Paket voraussichtlich dynamische Listen von Schiffen und Briefkastenfirmen enthalten. „Die Zeit, in der man einmal im Monat eine Liste abgeglichen hat, ist endgültig vorbei“, kommentiert ein Compliance-Experte in einem aktuellen Bericht. Statt statischem Abgleich sei nun kontinuierliche Überwachung maritimer Lieferketten gefordert – im Idealfall stündlich.

21. Januar: Strikte „Rückverfolgbarkeit“ für Ölprodukte

Während das 20. Paket noch in Arbeit ist, steht ein anderer Stichtag unmittelbar bevor. Ab dem 21. Januar 2026 gilt eine Schlüsselregel aus dem 18. Sanktionspaket von 2025 vollumfänglich. Sie verbietet den Import jeglicher Raffinerieprodukte, die auf russischem Rohöl basieren – unabhängig vom Verarbeitungsort.

Diese „Rückverfolgbarkeit“-Regel stellt Importeure und Banken vor enorme Herausforderungen. Sie müssen die Herkunft des verwendeten Rohöls bis zur Quelle lückenlos nachweisen. Die Compliance-Frist begann faktisch bereits im November 2025. Für Ladungen, die nach dem 21. Januar eintreffen, gilt: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.

Maritime Geheimdienstberichte vom vergangenen Wochenende unterstreichen die Dringlichkeit. Die Aktivitäten der russischen „Dark Fleet“ haben sich demnach deutlich intensiviert. Komplexe Schiff-zu-Schiff-Übertragungen sollen die Herkunft der Ladung verschleiern. Für EU-Unternehmen wird die tägliche Überprüfung von Schiffsbewegungen damit zur Grundvoraussetzung für jeden Energie-Import.

Ein Jahr IPR: Der Alltag mit täglichen Kontrollen

Parallel jährt sich diese Woche ein anderer Meilenstein: Die Frist für Euro-Zahlungsdienstleister zur Umsetzung der Instant-Zahlungen-Verordnung (IPR) trat am 9. Januar 2025 in Kraft. Die IPR ersetzte die transaktionsbezogene Überprüfung durch eine verpflichtende tägliche Prüfung der gesamten Kundendatenbank.

Nach einem Jahr zeigt sich ein gemischtes Bild. Während Großbanken ihre automatisierten Batch-Prozesse im Griff haben, stehen kleinere Zahlungsinstitute und E-Geld-Institute unter Druck. Ihre Fristen laufen teilweise erst 2027 aus, doch der Anpassungsbedarf ist schon jetzt akut.

Eine zentrale Herausforderung im Jahr 2026 ist die Meldepflicht. Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) hatte die strikte Durchsetzung von Meldungen über abgelehnte Transaktionen zwar auf April 2026 verschoben. Diese Gnadenfrist läuft nun ab. Finanzinstitute müssen detaillierte Daten liefern, wie viele Transaktionen aufgrund von Sanktionsprüfungen blockiert wurden. Schlechte Datenqualität wird sofort sichtbar. „Wenn Ihr tägliches Screening zu viele falsch-positive Treffer erzeugt, fällt das sofort bei der Aufsicht auf“, warnt ein Regulierungsexperte.

KI-Lösungen und der Trend zum „entscheidungsgesteuerten“ Screening

Um diesen sich überlagernden Pflichten gerecht zu werden, setzen Unternehmen zunehmend auf KI-gestützte Lösungen. Neue „entscheidungsgesteuerte“ Screening-Modelle gewinnen an Bedeutung. Im Gegensatz zu traditionellen Systemen, die jeden Namensmatch zur manuellen Prüfung weiterleiten, können diese KI-Agenten:
* Falsch-Positiv-Meldungen automatisch aussortieren, basierend auf sekundären Identifikatoren wie Geburtsdatum oder Ort.
* Kontextualisiert prüfen und etwa die Route eines Schiffes analysieren, nicht nur seinen Namen.
* Kontinuierlich überwachen und den täglichen Batch durch Echtzeit-API-Abfragen ersetzen.

Dieser technologische Wandel wird durch den neuen EU-Rahmen zur Geldwäschebekämpfung (AMLR) gestützt. Die neue Anti-Geldwäsche-Behörde (AMLA) in Frankfurt wird bis Juli 2026 Leitlinien zu Risikovariablen veröffentlichen. Die Erwartung ist klar: Automatisiertes, intelligentes Screening wird zum regulatorischen Standard.

Ausblick: Das steht im ersten Quartal 2026 an

Compliance-Verantwortliche sollten in den kommenden Wochen drei Prioritäten setzen:
1. Auf das 20. Paket vorbereiten: Die Exposition gegenüber maritimer Logistik und Energiehandel überprüfen. Mit der Listung neuer Schiffe und Drittstaaten-Unternehmen rechnen.
2. Verfahren für den 21. Januar finalisieren: Sicherstellen, dass für alle Energieimporte nach diesem Datum ein lückenloser Nachweis nicht-russischer Herkunft vorliegt – gestützt auf Schiffsverfolgungsdaten.
3. IPR-Prozesse auditieren: Angesichts der nahenden Meldepflicht im April 2026 die täglichen Screening-Systeme einem Stresstest unterziehen, um falsche Ablehnungsquoten zu minimieren.

Die Botschaft aus Brüssel ist eindeutig: Das Sanktionsregime wird dynamischer, datenintensiver und ungeduldiger. Für EU-Unternehmen ist das „tägliche Screening“ kein einfacher Haken mehr auf einer Checkliste. Es ist eine anspruchsvolle, rund um die Uhr laufende Geheimdienstoperation.

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