Totalverbot, Schiffsdienste

EU plant Totalverbot für Schiffsdienste an Russlands Ölflotte

05.02.2026 - 22:13:12

Das 20. EU-Sanktionspaket sieht ein Verbot europäischer Versicherungen und Finanzierungen für Schiffe mit russischem Öl vor, um die Schattenflotte auszutrocknen.

Die Europäische Union bereitet ihr 20. Sanktionspaket gegen Russland vor. Kernstück ist ein umfassendes Verbot europäischer Dienstleistungen für alle Schiffe mit russischem Öl. Damit will Brüssel die lukrativen Ölexporte Moskaus endgültig ersticken und die wachsende „Schattenflotte“ stoppen.

Vom Preisdeckel zum Totalausschluss

Die neuen Pläne markieren eine strategische Kehrtwende. Statt den bisherigen Preisdeckel für russisches Öl zu verschärfen, setzt die EU-Kommission nun auf einen kompletten Ausschluss vom europäischen Dienstleistungsmarkt. Konkret sollen EU-Versicherungen, Finanzierungen und Reedereien künftig kein Schiff mehr bedienen dürfen, das russisches Rohöl transportiert.

Hintergrund ist das klare Scheitern der bisherigen Taktik. Der seit Ende 2022 geltende Preisdeckel wurde von Russland systematisch unterlaufen. Moskau baute eine eigene Flotte alter Tanker auf – die berüchtigte „Schattenflotte“. Diese operiert oft mit undurchsichtigen Besitzverhältnissen und fragwürdiger Versicherung. Das neue Verbot soll diesen Tankern den Zugang zum dominanten europäischen Versicherungsmarkt abschneiden und ihnen sogar die Einfahrt in EU-Häfen verwehren.

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Gefährliche Schattenflotte im Visier

Die wachsende Schattenflotte ist längst nicht nur ein Sanktionsproblem. Sie stellt eine erhebliche Gefahr für Sicherheit und Umwelt dar. Kürzlich warnten 14 europäische Regierungen, darunter Deutschland, Schweden und Polen, in einem offenen Brief vor den Risiken. Die Schiffe manipulieren oft ihre Ortungssignale und fahren ohne ausreichende Versicherung.

Die Toleranz gegenüber diesen Praktiken schwindet. Erst im Januar stoppte die französische Marine im Mittelmeer den Tanker „Grinch“, der unter falscher Flagge verdächtigt wurde. Solche Aktionen zeigen: Europa ist bereit, die Sanktionen notfalls auch militärisch durchzusetzen.

Innereuropäische Zerreißprobe

Doch der Weg zu einem einheitlichen Vorgehen ist steinig. Die Einstimmigkeit unter den 27 Mitgliedstaaten bleibt die größte Hürde. Ungarn hat bereits Klage gegen die EU-Verordnung zum Ausstieg aus russischer Energie eingereicht. Budapest fürchtet um seine Energieversorgung.

Auch beim geplanten vollständigen LNG-Importverbot ab 2027 zeigen sich Risse. Die Importe russischen Flüssiggases nach Europa sind zuletzt sogar gestiegen – viele Länder hamstern Vorräte vor dem Stichtag. Das verdeutlicht die anhaltende Abhängigkeit und die wirtschaftlichen Interessenskonflikte.

Koordination mit G7 als Schlüssel

Damit das geplante Maritime-Dienste-Verbot wirkt, braucht es internationale Partner. Die EU-Kommission verhandelt intensiv mit den G7-Staaten, darunter USA und Großbritannien. Das Ziel ist eine geschlossene Front, die Russland weltweit den Zugang zu zuverlässiger Logistik und Finanzierung versperrt.

EU-Sanktionsbeauftragter David O’Sullivan sieht die bisherigen Maßnahmen bereits wirken. Die russische Kriegswirtschaft nähere sich 2026 einem „nicht nachhaltigen“ Punkt. Die Öleinnahmen seien gesunken, Inflation und Zinsen blieben hoch.

Der Entwurf für das 20. Paket soll den Mitgliedstaaten „sehr bald“ vorgelegt werden. Eine Einigung wird zum 24. Februar angestrebt – dem vierten Jahrestag der Invasion. Gelingt sie, könnte dieser Schlag Russlands Fähigkeit, den Krieg zu finanzieren, empfindlicher treffen als alle Sanktionen zuvor.

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