EU-Nachhaltigkeitsregeln, EU-Omnibus-Richtlinie

EU-Nachhaltigkeitsregeln: Weniger Unternehmen müssen ab kommender Woche berichten

12.03.2026 - 00:00:19 | boerse-global.de

Die neue EU-Omnibus-Richtlinie erhöht die Schwellenwerte für Nachhaltigkeitsberichte und Sorgfaltspflichten deutlich. Dies entlastet Tausende Firmen und erhöht den Druck auf das strengere deutsche Lieferkettengesetz.

EU-Nachhaltigkeitsregeln: Weniger Unternehmen müssen ab kommender Woche berichten - Foto: über boerse-global.de
EU-Nachhaltigkeitsregeln: Weniger Unternehmen müssen ab kommender Woche berichten - Foto: über boerse-global.de

Ab dem 18. März 2026 gelten in der EU verschlankte Pflichten für Nachhaltigkeitsberichte und Sorgfaltspflichten. Die sogenannte Omnibus-I-Richtlinie tritt in Kraft und entlastet Tausende Unternehmen von bürokratischen Auflagen. Gleichzeitig fordert die deutsche Industrie eine Anpassung des nationalen Lieferkettengesetzes.

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Fristen: Was wann umgesetzt werden muss

Die Richtlinie (EU) 2026/470 setzt einen straffen Zeitplan für die Mitgliedstaaten. Bis zum 19. März 2027 müssen die Änderungen an der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) in nationales Recht gegossen sein. Für die Umsetzung der Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD) haben die Länder sogar bis zum 26. Juli 2028 Zeit.

Die praktische Anwendung der neuen CSDDD-Regeln beginnt dann einheitlich am 26. Juli 2029. Die Pflicht zur Veröffentlichung einer jährlichen Erklärung zur Sorgfaltspflicht auf der Unternehmenswebsite gilt erst für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2030 beginnen.

Deutlich weniger Firmen in der Pflicht

Der Kern der Reform ist die massive Anhebung der Schwellenwerte. Künftig gilt die CSDDD nur noch für EU-Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und einem weltweiten Nettoumsatz von über 1,5 Milliarden Euro. Für Nicht-EU-Firmen gilt die gleiche Umsatzschwelle innerhalb des EU-Marktes.

Auch der Anwendungsbereich der CSRD wird eingeschränkt. Sie betrifft nun nur noch große Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von mehr als 450 Millionen Euro. Börsennotierte KMU sind komplett von der Berichtspflicht befreit. Zusätzlich schützt eine neue Wertschöpfungsketten-Klausel kleinere Zulieferer vor übermäßigen Informationsanfragen.

Druck auf deutsches Lieferkettengesetz wächst

Die europäische Lockerung stellt das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) auf den Prüfstand. Dieses gilt aktuell bereits für Firmen ab 1.000 Mitarbeitern. Deutsche Wirtschaftsverbände warnen nun vor einem massiven Wettbewerbsnachteil.

Das Deutsches Aktieninstitut und 16 weitere Verbände fordern die vollständige Aussetzung des LkSG. Sie verlangen, den nationalen Geltungsbereich sofort an die höheren EU-Schwellen anzupassen. Juristen mahnen jedoch: Eine Abschwächung könnte gegen internationale Menschenrechtsverpflichtungen verstoßen, die einen Rückschritt verbieten.

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Weniger Bürokratie, aber neue Risiken

Neben dem engeren Geltungsbereich ändert die Richtlinie auch inhaltliche Vorgaben. So wurde die Pflicht zur Erstellung eines Klima-Transformationsplans aus der CSDDD gestrichen. In der CSRD bleibt sie jedoch als Berichtspflicht erhalten, falls ein Plan existiert – was Greenwashing-Klagen provozieren könnte.

Die zivilrechtliche Haftung wird nicht EU-weit harmonisiert, kann aber weiter über nationale Deliktsrechte geltend gemacht werden. Bußgelder für Verstöße gegen die CSDDD sind auf 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes gedeckelt.

Ausblick: Vereinfachte Standards stehen bevor

Nach dem Inkrafttreten rückt die technische Umsetzung in den Fokus. Die EU-Kommission muss bis zum 18. September 2026 delegierte Rechtsakte vorlegen, um die bestehenden European Sustainability Reporting Standards (ESRS) zu vereinfachen. Entwürfe sehen eine drastische Reduzierung der erforderlichen Datenpunkte vor.

Unternehmen sollten die längeren Umsetzungsfristen nutzen, um ihre Compliance-Strukturen zu überprüfen. Für die größten Konzerne bleiben die Kernpflichten in puncto Menschenrechte und Umweltschutz anspruchsvoll. Firmen knapp unter den neuen Schwellen müssen wachsam bleiben: Der Druck von Kunden, Banken und Investoren für Transparenz in der Lieferkette wird wohl nicht nachlassen.

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