EU lockert ESG-Berichtspflichten – Deutsche Wirtschaft atmet auf
24.01.2026 - 08:00:12Die EU vereinfacht die umstrittenen Nachhaltigkeitsberichte. Eine aktuelle Umfrage zeigt breite Zustimmung in der deutschen Wirtschaft, vor allem beim Mittelstand.
Die sogenannte Omnibus-Initiative der Europäischen Union stößt auf überwältigende Zustimmung in deutschen Unternehmen. Das geht aus dem jüngsten Bericht des German Business Panel (GBP) hervor, für den fast 2.000 Firmen befragt wurden. Die Reform soll den bürokratischen Aufwand für Umwelt-, Sozial- und Governance-Berichte (ESG) deutlich reduzieren. Für viele Mittelständler bedeutet das eine spürbare Entlastung.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Eine deutliche Mehrheit der betroffenen Unternehmen bewertet die Lockerungen positiv. Die Zustimmungsrate lag 2025 konstant über 50 Prozent. Besonders erleichtert sind jene Firmen, die nun ganz von der Pflicht befreit werden. In dieser Gruppe begrüßen 78,1 Prozent den Schritt.
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Der Grund für die breite Erleichterung ist offensichtlich. Zwei Drittel der Unternehmen, die auch unter den neuen Regeln berichten müssen, empfanden die ursprünglichen Vorgaben als Belastung. Viele sahen in ihnen vor allem bürokratischen Aufwand, nicht aber eine strategische Chance. Dieser massive Druck aus der Wirtschaft führte schließlich zum politischen Kurswechsel in Brüssel.
Das steckt im neuen „Omnibus-Paket“
Im Dezember 2025 erzielten Europaparlament und Mitgliedstaaten eine Einigung über das erste Entlastungspaket. Die Kernpunkte sind eindeutig:
- Höhere Schwellenwerte: Künftig sind nur noch Unternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und einem Nettoumsatz von mehr als 450 Millionen Euro berichtspflichtig. Die ursprünglichen Pläne sahen eine Pflicht schon ab 250 Beschäftigten vor – ein großer Unterschied für den Mittelstand.
- Spätere Fristen: Viele Unternehmen erhalten mehr Zeit, um sich auf die erstmalige Berichterstattung vorzubereiten.
- Einfachere Standards: Die Berichtsstandards (ESRS) werden vereinfacht und die Anzahl der geforderten Datenpunkte reduziert.
Ziel ist es, den sogenannten „Trickle-Down-Effekt“ einzudämmen. Dabei geben große Konzerne die umfangreichen Datenerfassungen an ihre kleineren Zulieferer weiter, obwohl diese eigentlich nicht direkt berichtspflichtig sind.
Deutschland: Entlastung zum richtigen Zeitpunkt
Die EU-Reformen kommen für Deutschland genau zum richtigen Moment. Die Bundesregierung hatte die Frist zur Umsetzung der ursprünglichen Richtlinie (CSRD) verstreichen lassen. Die Folge war ein Vertragsverletzungsverfahren durch die EU-Kommission.
Seit Ende 2024 setzte sich Berlin in Brüssel für genau solche Erleichterungen ein, um den Mittelstand zu schützen. Der im September 2025 vorgelegte deutsche Gesetzentwurf zur CSRD-Umsetzung nahm die EU-Lockerungen bereits vorweg. Eine nationale Verschärfung („Gold Plating“) ist nicht geplant.
Balanceakt zwischen Transparenz und Bürokratie
Die Kurskorrektur ist ein schwieriger Spagat. Wirtschaftsverbände hatten lange gewarnt: Zu strikte Regeln würden vor allem Familienunternehmen belasten und ihre Wettbewerbsfähigkeit gefährden. Die Angst vor einem reinen Bürokratiemonster war groß.
Kritiker der Lockerungen sehen das anders. Umweltorganisationen und nachhaltigkeitsorientierte Investoren befürchten eine Verwässerung der Standards. Weniger Transparenz erschwere die Vergleichbarkeit von Unternehmen und untergrabe möglicherweise die Ziele des European Green Deal. Die Politik muss also einen Rahmen finden, der aussagekräftige Daten liefert, ohne die Unternehmen zu erdrücken.
Was kommt jetzt auf die Unternehmen zu?
Die politische Einigung ist da, die formale Verabschiedung und nationale Umsetzung stehen jedoch noch aus. Experten rechnen damit, dass die neuen Regeln 2026 vollständig in Kraft treten.
Unternehmen, die nun Luft bekommen, sollten die gewonnene Zeit klug nutzen. Der Rat von Experten ist eindeutig: Die strategische Beschäftigung mit ESG-Themen sollte nicht eingestellt werden. Die Nachfrage nach Nachhaltigkeitsdaten von Banken, Investoren und Großkunden bleibt bestehen – unabhängig vom Gesetz.
Die gewonnene Zeit sollte für den Aufbau robuster Nachhaltigkeitsprozesse genutzt werden. Der Trend zu mehr Transparenz ist unumkehrbar, auch wenn das Tempo nun etwas gedrosselt wurde. Die Vorbereitung auf die schlankeren, aber kommenden Regeln hat bereits begonnen.
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