EU-Kunststoffstrategie, Importkontrollen

EU-Kunststoffstrategie 2026 startet mit scharfen Importkontrollen

02.01.2026 - 23:53:12

Die EU verschärft ab sofort die Kontrollen für Kunststoffimporte und bereitet das Verbot nicht konformer Verpackungen ab August 2026 vor. Unternehmen müssen ihre Lieferketten und Compliance prüfen.

Die EU verschärft den Kampf gegen Etikettenschwindel bei Kunststoffimporten und bereitet das Verbot nicht konformer Verpackungen ab August vor. Für deutsche Unternehmen beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Brüssel/Berlin – Mit dem neuen Jahr tritt ein umfassendes EU-Maßnahmenpaket in Kraft, das den europäischen Kunststoffmarkt auf einen strengeren Kurs zwingt. Die sogenannte Kunststoffstrategie 2026 reagiert auf eine Krise der heimischen Recyclingbranche und soll unlauteren Wettbewerb durch betrügerisch deklarierte Importe stoppen. Ab sofort gelten verschärfte Dokumentationspflichten, während die finale Vorbereitungsphase für die verbindliche Verpackungsverordnung (PPWR) beginnt.

Neue Zollcodes und Task Force gegen Greenwashing

Herzstück der Strategie ist ein gezielter Schlag gegen „Greenwashing“ bei Kunststoffimporten. Europäische Recycler klagen seit Jahren, dass billiges Neuwaren-Plastik – vor allem aus Asien – als „recycelt“ deklariert wird, um Steuern zu umgehen und Quoten zu erfüllen. Damit unterbieten diese Importe die Preise lokaler, ordnungsgemäß arbeitender Unternehmen.

Die EU-Kommission reagiert nun mit getrennten Zolltarifnummern für Neu- und Rezyklatkunststoffe. Importeure müssen für als recycelt deklariertes Material nun nachweislich die Herkunft belegen. Zudem richtet Brüssel eine spezielle EU-Importüberwachungs-Taskforce ein, die für das gesamte Jahr 2026 ermächtigt ist, Recyclinganlagen außerhalb der EU zu prüfen.

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Für deutsche Einkaufsabteilungen bedeutet das sofortige Sorgfaltspflichten. Lieferanten von außerhalb der EU müssen „auditsichere“ Nachweise für ihre Recyclingprozesse vorhalten. Fehlen diese Zertifikate, drohen an der Grenze gestoppte Lieferungen oder die Umdeklaration zu Neuware – verbunden mit höheren Abgaben und möglichen Strafen.

Countdown zur Verpackungsverordnung PPWR läuft

Während die Importkontrollen sofort wirken, dient die Strategie auch als letzte Warnung vor der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Deren Kernvorschriften werden für alle Mitgliedstaaten am 12. August 2026 verbindlich.

Die Übergangsfrist ist damit praktisch beendet. Ab August müssen Unternehmen für in Verkehr gebrachte Verpackungen neue Konformitätserklärungen abgeben. Artikel 39 der PPWR schreibt strikte Grenzwerte und Dokumentationspflichten für besorgniserregende Stoffe wie PFAS und Schwermetalle in Verpackungsmaterialien vor.

Branchenberichte zeigen, dass viele Unternehmen auf die Tiefe der geforderten Daten nicht vorbereitet sind. Die nationale Marktüberwachung wird im dritten Quartal 2026 deutlich intensiviert. Die Devise lautet: Das gesamte Verpackungsportfolio muss bis August auditiert sein. Verpackungen, die die Recyclingfähigkeits- und Chemikalienkriterien nicht erfüllen, sind dann faktisch vom EU-Markt verbannt.

Deutschland: Erweiterte Abgaben und verschärfte Kontrollen

Auf nationaler Ebene treffen die EU-Regeln auf die nächste Stufe des Einwegkunststofffondsgesetzes (EWKFondsG). Seit dem 1. Januar 2026 wird die Abgabepflicht auf Feuerwerkskörper mit Kunststoffanteilen ausgeweitet.

Das Umweltbundesamt kündigt für 2026 den ersten vollständigen Auszahlungszyklus an Kommunen an, basierend auf den 2025 gemeldeten Daten. Für Unternehmen werden die Meldepflichten damit finanziell konkret: Abweichungen zwischen gemeldeten und tatsächlich in Verkehr gebrachten Mengen können zu erheblichen Nachzahlungen führen.

Die neuen EU-Importregeln werden zudem direkt mit dem deutschen EWKFondsG verzahnt. Will ein Importeur mit recyceltem Inhalt seine Kunststoffabgabe mindern, dient die EU-Zollverifikation künftig als primärer Nachweis. Inkonsistenzen zwischen Meldungen im deutschen DIVID-Register und den EU-Zollerklärungen lösen automatische Compliance-Warnungen aus.

Rettungsanker für die Recyclingbranche

Marktbeobachter sehen in der Strategie weniger eine reine Regulierungsaktualisierung, sondern einen Rettungsanker für die heimische Recyclingindustrie. 2025 erlebte Europa eine Welle von Insolvenzen bei Recyclern, die mit den künstlich niedrigen Preisen importierter „Fake“-Rezyklate nicht konkurrieren konnten.

Durch die Durchsetzung fairer Wettbewerbsbedingungen via strenger Dokumentation will Brüssel den Marktpreis für echte Sekundärrohstoffe stabilisieren. „Die Ära der Selbstdeklaration ist vorbei“, heißt es in einer Branchenanalyse. „2026 markiert den Wechsel zum nachweisbasierten Compliance.“ Unternehmen mit transparenten, lokalen Lieferketten könnten im Vorteil sein, während solche mit undurchsichtigen globalen Bezugsquellen hohe Risiken tragen.

Was Unternehmen jetzt erwarten müssen

Die kommenden sechs Monate werden entscheidend. Die Kommission will im ersten Quartal 2026 weitere technische Details zu Verifikationsmethoden für Rezyklatanteile veröffentlichen.

  1. Verschärfte Grenzkontrollen: Die Zollbehörden werden im ersten Quartal gezielt Hochrisiko-Eingangspunkte für Kunststoffgranulat überprüfen.
  2. Lieferantenaudits: Die Nachfrage nach Audits in asiatischen und türkischen Recyclinganlagen wird sprunghaft ansteigen.
  3. Digitale Produktpässe: Pilotprojekte für digitale Compliance-Nachverfolgung dürften beschleunigt werden.

Compliance-Verantwortliche sollten ihre Risikobewertungen umgehend aktualisieren und alle Rezyklat-Zertifikate von Nicht-EU-Quellen anhand der neuen Zollvorgaben prüfen. Der Aufschub ist vorbei.

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