EU-Krisenpaket, Heizungsreform

EU-Krisenpaket und deutsche Heizungsreform: Das ändert sich 2026

27.04.2026 - 17:40:17 | boerse-global.de

Deutschland ersetzt das Heizungsgesetz durch das flexible GModG, während die EU mit AccelerateEU auf die Energiekrise reagiert.

EU-Krisenpaket und deutsche Heizungsreform: Das ändert sich 2026 - Foto: über boerse-global.de
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Die EU-Kommission hat mit dem „AccelerateEU“-Paket auf die erneute Energiekrise reagiert, während Deutschland das umstrittene Heizungsgesetz durch das flexible Modernisierungsgesetz für Gebäude (GModG) ersetzen will. Der Gebäudesektor bleibt damit auch Ende April 2026 der zentrale Schauplatz der Klimapolitik. Die neuen EU-Maßnahmen sollen Haushalte und Industrie angesichts steigender Preise entlasten. In Berlin steht am 13. Mai die entscheidende Kabinettsentscheidung zur GEG-Reform an – ein Wendepunkt für Heizungs- und Sanierungsförderung. Bis zum 29. Mai muss Deutschland zudem die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) in nationales Recht umsetzen, was eine Neuausrichtung der Förderstrukturen erzwingt.

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Vom Heizungsgesetz zum GModG: Die Kehrtwende

Die Bundesregierung bereitet den Abschied vom Gebäudeenergiegesetz vor – jenem Gesetz, das im Volksmund nur noch „Heizungsgesetz“ heißt. An seine Stelle tritt das Modernisierungsgesetz für Gebäude (GModG). CDU/CSU und SPD hatten sich Ende Februar auf die Kernpunkte geeinigt. Ziel: Das neue Gesetz soll am 1. Juli 2026 in Kraft treten.

Der Knackpunkt: Die strenge 65-Prozent-Regel für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen fällt weg. Stattdessen setzt die Regierung auf „Technologieoffenheit“. Hausbesitzer bekommen mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Heizung – solange sie die Klimaziele einhalten. Klingt gut, oder?

Doch der Teufel steckt im Detail. Noch Ende April laufen die Abstimmungen zwischen den Ministerien. Besonders heikel: der Spagat zwischen Mieterschutz und Modernisierungsanreizen für Vermieter. Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass neue Öl- und Gasheizungen zwar eingebaut werden dürfen, aber einer „Bio-Treppe“ folgen müssen. Konkret: Ab 2029 müssen sie mindestens zehn Prozent klimaneutrale Brennstoffe nutzen – mit steigenden Quoten bis 2040.

Die Kabinettsklausur am 13. Mai soll die letzten Details klären. Branchenexperten sehen den Kurswechsel positiv: Weg von starren Technologievorgaben, hin zu mehr Flexibilität. Das entlaste Hausbesitzer und kleine Betriebe. Allerdings drohen neue langfristige Kosten – etwa für zertifizierte Biokraftstoffe und wasserstofffähige Infrastruktur.

Förderdschungel 2026: Was läuft noch?

Bis das GModG kommt, bleibt die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) die wichtigste Anlaufstelle für Zuschüsse. Und die können sich sehen lassen: Bis zu 70 Prozent Zuschuss sind beim Heizungstausch drin – für alle, die die Kriterien erfüllen.

Wie setzt sich das zusammen? 30 Prozent Basisförderung, plus 30 Prozent Einkommensbonus für Haushalte mit bis zu 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. Dazu kommen 20 Prozent Klima-Geschwindigkeitsbonus, wer seine fossile Heizung vor 2028 austauscht.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat am 8. April die Zinskonditionen für mehrere Modernisierungsprogramme verbessert. Und das KfW-455-B-Programm für Barrierereduzierung wurde nach einer Durststrecke wieder geöffnet.

Für Gewerbeimmobilien läuft das BEG-NWG-Programm weiter: bis zu 15 Prozent Förderung für Hüllmaßnahmen und technische Aufwertungen, gedeckelt bei 500 Euro pro Quadratmeter Nettogrundfläche. Seit dem 15. April gibt es zudem einen neuen Zuschuss für Ladeinfrastruktur in Mehrfamilienhäusern – ein klares Signal Richtung Elektrifizierung.

Wer für Ende 2026 Sanierungen plant, sollte noch schnell die aktuellen BEG-Zuschüsse sichern. Denn wie die Förderung unter dem GModG genau aussieht, ist politisch noch offen. Die Regierung verspricht: Förderung bis mindestens 2029. Aber ob die 70-Prozent-Spitze bleibt, ist fraglich – das entscheidet der Klima- und Transformationsfonds (KTF).

EU schaltet in den Krisenmodus

Das „AccelerateEU“-Paket vom 22. April ist die europäische Antwort auf die Energiekrise, ausgelöst durch die Spannungen im Nahen Osten. Die Botschaft: Mitgliedsstaaten sollen die Stromsteuer senken dürfen und mehr Spielraum bei staatlichen Beihilfen bekommen. Bis zum Sommer will die Kommission einen konkreten Elektrifizierungs-Aktionsplan vorlegen – mit Fokus auf Wärmepumpen und E-Auto-Ladeinfrastruktur.

Am 15. April gab es zudem grünes Licht für ein 3,8 Milliarden Euro schweres deutsches Beihilfeprogramm unter dem Clean Industrial Deal State Aid Framework (CISAF). Das Geld ist für stromintensive Unternehmen gedacht – von Januar 2026 bis Dezember 2028. Die Bedingung: Die Firmen müssen mindestens die Hälfte der Unterstützung in Klimaschutzmaßnahmen stecken, etwa in Industriewärmepumpen oder Effizienz-Upgrades.

Die EU-Strategie ist klar: Kurzfristige Preisentlastung ja, aber die Lösung liegt langfristig in der Unabhängigkeit von volatilen fossilen Märkten. Das sehen auch die Forscher des staatlich geförderten Ariadne-Projekts so. Sie warnen Mitte April: Subventionen sollten saubere Energie fördern, nicht breite Steuersenkungen für fossile Brennstoffe – sonst drohe der Anreiz für private Investitionen in Wärmepumpen und Dämmung zu verpuffen.

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Fristen, die unter Druck setzen

Für kleine und mittlere Unternehmen sowie private Hausbesitzer tickt die Uhr: Bis zum 29. Mai muss Deutschland die aktualisierte EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) umsetzen. Die Vorgabe: Die ineffizientesten Nichtwohngebäude müssen saniert werden. Konkret: Die unteren 16 Prozent des Gebäudebestands müssen bis 2030 auf Vordermann gebracht werden, bis 2033 steigt die Schwelle auf die unteren 26 Prozent.

Für Wohngebäude gibt es keine direkte Sanierungspflicht für einzelne Eigentümer. Aber die Bundesregierung muss einen nationalen Plan vorlegen, wie der durchschnittliche Energieverbrauch des gesamten Wohnbestands sinken soll. Dieser Fahrplan wird die künftige Förderung prägen – hin zu „serieller Sanierung“ und Komplettmodernisierungen, die Effizienzstandards wie EH 40 oder EH 55 erreichen.

Die Folge: Viele Investoren verharren in einer „Abwarten-und-Tee-trinken“-Haltung. Das GModG verspricht zwar mehr Flexibilität, aber die Ungewissheit über die genauen Fördersätze nach der Reform könnte zu einem vorübergehenden Rückgang der Projektstarts führen. Ein Lichtblick: Der neue „Gebäudetyp E“ – ein Konzept für vereinfachtes und kostengünstigeres Bauen und Sanieren – soll im Laufe des Jahres an Fahrt gewinnen und technische Hürden senken.

Bis zum Sommer schaut die Branche gespannt auf den Elektrifizierungs-Aktionsplan. Entscheidend ist, wie die EU das Verhältnis von Strom- zu fossilen Brennstoffpreisen verändern will. Denn das wäre der Gamechanger für Wärmepumpen im Vergleich zu Gas- oder Ölheizungen. Bis dahin bleiben die hohen Förderquoten und die verbesserten KfW-Konditionen der stärkste Anreiz für alle, die jetzt mit der Sanierung durchstarten wollen.

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