EU-Kommission überarbeitet umstrittene Entwaldungs-Risikoliste
17.01.2026 - 01:00:12Die EU-Kommission startet die Revision ihres Länder-Benchmarkings für die Entwaldungsverordnung – ein wichtiger Schritt nach massiver Kritik an der ersten Fassung. Für Unternehmen bedeutet das neue Unsicherheit, aber auch Hoffnung auf ein praxistauglicheres System.
Die nun eingeleitete Überprüfung stellt die bestehende Klassifizierung von Handelspartnerländern in die Kategorien “niedriges”, “standard” und “hohes” Risiko auf den Prüfstand. Diese Einstufung ist das Herzstück der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR), da sie direkt bestimmt, wie aufwendig und kostspielig die Sorgfaltspflichten für europäische Importeure werden. Betroffen sind Schlüsselrohstoffe wie Kaffee, Kakao, Holz, Soja und Rindfleisch.
Die im Mai 2025 veröffentlichte Erstfassung hatte für erheblichen Wirbel gesorgt. Während alle EU-Staaten als “niedriges Risiko” eingestuft wurden und nur sanktionierte Länder wie Belarus oder Russland in die Hochrisiko-Kategorie fielen, landeten alle anderen automatisch im “Standardrisiko”. Darunter wichtige Agrarexporteure wie Brasilien, Indonesien und Malaysia.
Kritiker bemängelten, diese pauschale Einstufung werde der komplexen Realität globaler Lieferketten nicht gerecht. Das Europäische Parlament forderte im Juli 2025 mit großer Mehrheit einen grundlegenden Rückzug und eine Überarbeitung der Liste. Die Abgeordneten kritisierten die Datenqualität und Methodik und regten sogar eine neue Kategorie für “vernachlässigbares Risiko” an.
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Direkte Folgen für die Wirtschaft
Für Unternehmen hat die Einstufung ihres Herkunftslandes handfeste Konsequenzen. Eine Hochstufung von “Standard” auf “hoch” würde die Kontrolldichte durch Behörden von 3 auf 9 Prozent aller Importe verdreifachen und die Sorgfaltspflichten massiv verschärfen. Eine Abstufung auf “niedrig” brächte hingegen spürbare Erleichterungen.
Die nun beginnende Revision ist daher mehr als eine Routineaktualisierung. Die Kommission muss die Methodik selbst überdenken, um den Bedenken von Parlament und Wirtschaftsverbänden Rechnung zu tragen. Die kürzlich beschlossene Verschiebung des EUDR-Starts auf Ende 2026 verschafft dabei wertvolle Zeit für eine sorgfältige Überarbeitung.
Chance für ein faires und wirksames System
Der Start der Revisionsphase markiert einen Wendepunkt. Die EU-Kommission steht vor der schwierigen Aufgabe, ihre ambitionierten Umweltziele mit den Realitäten des Welthandels in Einklang zu bringen. Die Überarbeitung bietet die Chance, ein System zu schaffen, das tatsächliche Fortschritte im Waldschutz vor Ort honoriert und als glaubwürdig sowie wissenschaftlich fundiert wahrgenommen wird.
In den kommenden Monaten wird die Kommission neue Daten auswerten und Konsultationen führen. Ein überarbeiteter Entwurf wird deutlich vor dem neuen Stichtag Ende 2026 erwartet. Die zentrale Frage bleibt: Wird nur an einzelnen Ländereinstufungen gefeilt – oder folgt die Kommission der Forderung des Parlaments nach einer grundlegenden Methodik-Überholung? Die Antwort wird die globalen Handelsströme für Agrarrohstoffe in den kommenden Jahren prägen.
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