EU-Kommission prüft Social-Media-Verbot für Jugendliche
20.02.2026 - 03:51:11Die EU-Kommission erwägt ein radikales Verbot sozialer Medien für Nutzer unter 16 Jahren. Parallel verschärft Brüssel die Kontrollen gegen Tech-Giganten.
Brüssel/Berlin – Europas Kampf für mehr Kinderschutz im Netz erreicht eine neue Eskalationsstufe. Während die EU-Kommission am Freitag, 20. Februar 2026, die Bilanz des seit zwei Jahren voll anwendbaren Digital Services Act (DSA) zog, kündigte sie gleichzeitig eine Prüfung für ein mögliches Social-Media-Verbot für Minderjährige an. Die Debatte über radikale Altersgrenzen spaltet auch die deutsche Politik.
DSA: Die Gnadenfrist ist vorbei
Genau zwei Jahre nach der vollständigen Anwendung des DSA hat die EU-Kommission ihre Rolle als scharfes Schwert gegen die größten Online-Plattformen bekräftigt. Die Phase der Umsetzung sei vorbei, nun stehe die aktive Durchsetzung im Fokus, so die Behörde. Konkret laufen derzeit mehrere hochkarätige Untersuchungen.
Plattform X (ehemals Twitter) muss sich wegen seiner Empfehlungsalgorithmen und der KI „Grok“ verantworten. Gegen den Modehändler Shein wird wegen möglicher suchtfördernder Design-Elemente und des Verkaufs illegaler Produkte ermittelt. Auch TikTok bleibt wegen seiner als riskant eingestuften Nutzerführung im Visier der Aufseher. Bei Verstößen drohen den Konzernen Strafen von bis zu sechs Prozent ihres globalen Jahresumsatzes.
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Die große Verbotsdebatte entbrannt
Parallel schürt ein Vorstoß aus Brüssel eine hitzige Debatte: Sollten Jugendliche unter 16 Jahren komplett von sozialen Medien ausgeschlossen werden? Die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission, Henna Virkkunen, kündigte an, Daten und Expertengutachten für eine mögliche EU-weite Regelung zu sammeln. Eine Entscheidung soll bis Sommer 2026 fallen.
In Deutschland prallen die Positionen hart aufeinander. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) drängt auf strengere Alterskontrollen und sieht hier Gemeinsamkeiten mit der SPD. Befürworter argumentieren mit der psychischen Gesundheit der Jugend und fordern ähnlich strikte Regeln wie bei Alkohol oder Glücksspiel.
Die Digitalbranche stemmt sich vehement gegen pauschale Verbote. „Statt Ausgrenzung brauchen wir altersgerechte Voreinstellungen und verpflichtende Medienkompetenz in den Schulen“, kontert Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom. Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) warnt: Ein Totalverbot verhindere den Erwerb digitaler Souveränität. Stattdessen seien geschützte, begleitete Räume nötig.
Neuer EU-Aktionsplan gegen Cybermobbing
Hintergrund der Verschärfungen ist der neue EU-Aktionsplan gegen Cybermobbing, der am 10. Februar vorgestellt wurde. Er basiert auf drei Säulen: einer einheitlichen EU-Meldeinfrastruktur, besser abgestimmten nationalen Strategien und verstärkten Präventionsprogrammen.
Kernstück ist eine Blaupause für eine EU-weite Melde-App. Mitgliedstaaten sollen diese Technologie nutzen können, um nationale Apps zu starten. Opfer könnten so Belästigungen einfach melden und Beweise sicher an Hilfsstellen übermitteln. Zudem müssen alle Länder nationale Strategien auf Basis einer gemeinsamen EU-Definition von Cybermobbing entwickeln.
Die Gretchenfrage: Wie soll das Alter verifiziert werden?
Die technische Umsetzung bleibt die größte Hürde – sowohl für die DSA-Durchsetzung als auch für ein mögliches Verbot. Die Kommission hat kürzlich einen aktualisierten Entwurf für eine EU-Altersverifikationslösung vorgelegt. Denkbar sind digitale Identitäts-Wallets, Reisepässe oder Personalausweise als Nachweismethoden.
Experten betonen: Die Wirksamkeit jedweder Altersbeschränkung stehe und falle mit der Robustheit dieser Systeme. Die seit Ende 2025 laufenden Untersuchungen gegen Apple und Google wegen ihrer Altersfreigabesysteme in App-Stores zeigen, wie schwer es ist, Schlupflöcher zu schließen.
Was kommt jetzt auf die Tech-Giganten zu?
Die kommenden Monate werden entscheidend. Die Branche wartet mit Spannung auf die Kommissionsentscheidung zum Verbot im Sommer 2026. Eine solche Regelung würde die Geschäftsmodelle von TikTok, Instagram und Snapchat fundamental verändern. Zudem werden die Ergebnisse der laufenden DSA-Untersuchungen gegen X und Shein wegweisende rechtliche Präzedenzfälle schaffen – etwa zur Frage, was unter „suchtförderndem Design“ zu verstehen ist.
2026 könnte so zum Schicksalsjahr für die Internet-Governance in Europa werden. Die Gretchenfrage bleibt: Lässt sich der Schutz Minderjähriger mit ihrem Recht auf Information und digitale Teilhabe in Einklang bringen? Die Suche nach der Antwort hat Fahrt aufgenommen.
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