EU-Klimazoll, CBAM

EU-Klimazoll CBAM: Erste Bewährungsprobe für Europas grünen Handel

28.02.2026 - 00:00:17 | boerse-global.de

Der europäische CO?-Grenzausgleich tritt in die entscheidende Phase ein, Importeure müssen ab März zahlen. Landwirtschaft protestiert gegen Düngemittel-Regeln, während Analysten steigende Kohlenstoffpreise prognostizieren.

Der europäische CO?-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) steht wenige Wochen nach seinem offiziellen Start vor seiner ersten großen Bewährungsprobe. Während Importeure sich mit neuen Fristen und finanziellen Verpflichtungen arrangieren müssen, formiert sich Widerstand – besonders aus der Landwirtschaft. Gleichzeitig warnen Finanzinstitute vor strukturellen Verwerfungen auf dem globalen Kohlenstoffmarkt.

Vom Berichten zum Bezahlen: Die neue Realität für Importeure

Seit dem 1. Januar 2026 gilt der CBAM nicht mehr nur auf dem Papier. Die Übergangsphase ist beendet, jetzt wird es ernst. Unternehmen, die mehr als 50 Tonnen der erfassten Güter wie Stahl, Aluminium, Zement oder Düngemittel in die EU einführen, müssen den Status eines „Autorisierten CBAM-Erklärenden“ beantragen. Die entscheidende Frist: der 31. März 2026.

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Der größte Unterschied zur Probephase ist die finanzielle Haftung. Importeure müssen nun für die eingebetteten Emissionen ihrer Waren bezahlen. Die gemeldeten Emissionsdaten müssen zudem von einer akkreditierten dritten Stelle verifiziert werden. Wer sich mit pauschalen Standardwerten begnügt, wird bestraft: Diese wurden pauschal um 10 Prozent angehoben, um die Erfassung realer Daten zu erzwingen.

Landwirtschaft in Aufruhr: Frankreich und Italien fordern Aussetzung

Doch der Start verläuft nicht rasant. Eine am 24. Februar veröffentlichte Analyse des Brüsseler Think-Tanks Bruegel zeigt wachsenden politischen Druck. Vor allem Frankreich und Italien drängen auf eine vorübergehende Aussetzung der CBAM-Regeln für stickstoffhaltige Düngemittel.

Der Hintergrund: massive Proteste der Landwirte und Sorgen um die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Lobbyverbände warnen, der CO?-Grenzausgleich könne die Düngerpreise um 10 bis 30 Prozent in die Höhe treiben. Ein enormer Schlag für einen Sektor, in dem die Düngerpreise im Januar 2026 bereits 91 Prozent über dem Niveau von 2021 lagen.

Ökonomen raten jedoch dringend von Ausnahmen ab. Eine Suspendierung für die Landwirtschaft, so die Befürchtung, würde die Glaubwürdigkeit des gesamten Instruments untergraben. Es bestünde die Gefahr eines Dominoeffekts, bei dem auch Stahl-, Aluminium- und Zementindustrie um Sonderregelungen bitten.

Finanzielle Erdbeben: Globale Kohlenstoffpreise steigen

Die finanziellen Implikationen des CBAM sind weitreichend. Eine Marktanalyse von EFG International vom 23. Februar beschreibt die Einführung als strukturelle Wende für die globale Bepreisung von CO?. Der Mechanismus ist eng mit dem schrittweisen Auslaufen der kostenlosen CO?-Zertifikate für europäische Industrien im EU-Emissionshandel (ETS) zwischen 2026 und 2034 verknüpft.

Finanzanalysten prognostizieren, dass diese doppelte Belastung die Knappheit an Verschmutzungsrechten erhöht und die Kohlenstoffpreise in den nächsten fünf Jahren um bis zu 50 Prozent steigen lassen könnte. Der Preis für CBAM-Zertifikate orientiert sich am Quartalsdurchschnitt der ETS-Zertifikate. Der erste Verkauf findet im Februar 2027 statt.

Diese Dynamik birgt erhebliche Risiken für emissionsintensive Industrien und Schwellenländer, während sie Hersteller mit niedrigem CO?-Fußabdruck begünstigt. International sorgt der Mechanismus bereits für Spannungen. Handelspartner kritisieren ihn als handelsverzerrend, und Russland hat ein WTO-Streitbeilegungsverfahren eingeleitet.

Ausweitung auf dem Prüfstand: Mehr Produkte, strengere Regeln

Noch kämpfen Unternehmen mit den aktuellen Regeln, doch die nächste Ausbaustufe steht bereits in den Startlöchern. Die EU-Kommission plant laut einer Veröffentlichung von Accountancy Europe Mitte Februar, den Geltungsbereich des CBAM deutlich zu erweitern.

Künftig sollen nicht nur Grundstoffe, sondern auch komplexere weiterverarbeitete Produkte erfasst werden, die viel Stahl oder Aluminium enthalten. Zudem sollen Anti-Umgehungsmaßnahmen verschärft werden, um Schlupflöcher durch leichte Produktmodifikationen oder Umladungen zu schließen.

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Weltweit ziehen andere Regionen nach. Das Vereinigte Königreich hat am 10. Februar seinen eigenen Entwurf für einen nationalen CO?-Grenzausgleich veröffentlicht, der 2027 starten soll. Die Konsultation dazu läuft bis Ende März 2026. Es entsteht ein komplexes globales Flickenteppich an Kohlenstoffvorschriften.

Die große strategische Herausforderung für Unternehmen

Die Entwicklungen zeigen die immense operative Herausforderung für globale Lieferketten. Die Umstellung von der Berichterstattung zur finanziellen Haftung zwingt Unternehmen, robuste CO?-Buchhaltungssysteme einzuführen, Verifizierungen zu sichern und ihre Beschaffungsstrategien grundlegend zu überdenken.

Der unmittelbare Fokus liegt auf der Frist Ende März. Wer den Antrag auf Autorisierung verpasst, riskiert erhebliche Lieferkettenunterbrechungen, da die Zollbehörden die Freigabe der Waren von einer gültigen CBAM-Erklärung abhängig machen. Bis September 2027 müssen die ersten Zertifikate basierend auf den 2026 erfassten Emissionsdaten abgegeben werden.

Für Unternehmen wird das Kohlenstoffmanagement damit nicht länger nur eine Compliance-Übung sein, sondern ein zentraler Bestandteil ihrer langfristigen finanziellen und operativen Planung. Der Erfolg oder Misserfolg des CBAM wird ein entscheidender Indikator dafür sein, ob Europa seine klimapolitischen Ziele auch gegen wirtschaftliche und politische Widerstände durchsetzen kann.

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