EU-Klimapolitik: Kommission plant längere Gratis-CO2-Zertifikate
04.02.2026 - 19:09:12Die EU-Kommission will die kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten an die Industrie wohl deutlich länger als geplant fortsetzen. Damit reagiert Brüssel auf massive Klagen über Wettbewerbsnachteile und drohende Deindustrialisierung. Ein formeller Vorschlag wird im Juli erwartet und dürfte heftige politische Debatten auslösen.
Industrie setzt sich mit Carbon-Leakage-Argument durch
Der Plan bedeutet eine Kehrtwende in der europäischen Klimapolitik. Eigentlich sollten die kostenlosen Emissionsrechte im Emissionshandelssystem (ETS) parallel zum neuen CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) bis 2034 auslaufen. Doch nach monatelanger intensiver Lobbyarbeit von Stahl-, Chemie- und Aluminiumkonzernen lenkt die Kommission nun ein.
Die energieintensive Industrie hatte eindringlich vor Produktionsverlagerungen in Regionen mit lascheren Klimavorschriften – dem sogenannten Carbon Leakage – gewarnt. Deutsche Politiker unterstützten diese Linie und betonten die Priorität des Industriestandorts. Die Kernforderung: Der CBAM müsse sich erst als wirksamer Schutzschild gegen unfairen Wettbewerb erweisen, bevor die etablierten Gratiszertifikate wegfallen.
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Ursprünglicher Fahrplan gerät ins Wanken
Das bisherige Regelwerk aus dem „Fit for 55“-Paket sah eine präzise Abfolge vor. Ab 2026 sollte der CBAM für Importe von Gütern wie Stahl oder Zement greifen, während die kostenlosen Zuteilungen für EU-Produzenten schrittweise reduziert werden. Bis 2034 wäre dieser Übergang vollzogen gewesen.
Der CBAM soll Importeure verpflichten, Zertifikate zu kaufen, die dem europäischen CO2-Preis entsprechen. So wollte man gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen und globale Klimaambitionen fördern. Die Gratiszertifikate waren als temporäre Stütze für die EU-Industrie während dieser Übergangsphase gedacht.
Balanceakt zwischen Klimazielen und Industriestandort
Die nun geplante Verlängerung stellt diesen Kompromiss fundamental in Frage. Kritiker sehen darin ein Aufweichen des Verursacherprinzips und eine Schwächung der Dekarbonisierungsanreize. Stehen die ehrgeizigen EU-Klimaziele plötzlich zur Disposition?
Befürworter kontern, dass wirtschaftliche Stabilität und der Erhalt von Arbeitsplätzen ebenso wichtig seien. Ein zu rascher Abbau des Schutzes, bevor der CBAM seine volle Wirksamkeit entfalte, wäre kontraproduktiv. Die Debatte offenbart den zentralen Zielkonflikt des European Green Deal: Wie transformiert man zur klimaneutralen Wirtschaft, ohne die industrielle Basis zu opfern?
Politisch heißer Sommer in Brüssel erwartet
Mit dem Vorschlag im Juli beginnt der eigentliche Verhandlungsmarathon zwischen Kommission, Mitgliedstaaten und Europaparlament. Im Fokus steht, wie stark der Ausstiegspfad verzögert wird und ob neue Bedingungen an die verlängerte Gratiszuteilung geknüpft werden.
Die ersten Erfahrungen aus der seit 2023 laufenden CBAM-Übergangsphase fließen in die Bewertung ein. Für die europäische Industrie und ihre globalen Wettbewerber geht es um Milliardenbeträge. Die finale Entscheidung wird nicht nur die CO2-Kosten für Jahre festlegen, sondern auch ein machtvolles Signal über die künftige Ausrichtung von EU-Klima- und Handelspolitik senden.
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