EU greift TikTok an – Deutschland debattiert „Digitalen Erwachsenschutz“
07.02.2026 - 10:00:11Die EU-Kommission stellt TikTok wegen süchtig machender Algorithmen an den Pranger. In Deutschland entbrennt eine Grundsatzdebatte: Muss der Staat auch Erwachsene vor den manipulativen Designs der Tech-Giganten schützen?
Am Freitag, dem 6. Februar, schlug die Brüsseler Behörde hart zu. Sie teilte mit, die Videoplattform TikTok verstoße vorläufig gegen den Digital Services Act (DSA). Der Vorwurf: Das Plattform-Design mit endlosem Scrollen, Autoplay und aggressiven Push-Benachrichtigungen nutze bewusst Schwächen aus, um Verhaltenssucht zu fördern. „Diese Mechanismen der algorithmischen Abhängigkeit sind so mächtig, dass der Staat eingreifen muss“, so die implizite Botschaft. Es ist die erste große DSA-Klage, die das Geschäftsmodell der Aufmerksamkeitsökonomie selbst angreift – nicht nur illegale Inhalte.
Paradigmenwechsel: Von Jugendschutz zu Erwachsenschutz
Die Entscheidung aus Brüssel befeuert in Berlin eine hitzige Debatte. Bisher stand der Jugendschutz im Fokus. Doch nun gewinnt ein neues Konzept an Boden: der „Digitale Erwachsenschutz“. Konservative Medien wie die FAZ argumentieren, der Schutz Minderjähriger reiche nicht mehr aus. Wenn Algorithmen die rationale Selbstkontrolle aller User unterlaufen, habe der Staat eine Schutzpflicht – auch für Erwachsene.
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Teile der CDU fordern bereits schärfere Regeln. Sie verweisen auf Australien, wo ein Mindestalter von 16 Jahren für Social Media gilt. Doch die Diskussion geht weit darüber hinaus. Juristen fragen: Sollten die Prinzipien des Verbraucherschutzes, wie bei Glücksspiel oder Tabak, auch für den digitalen Aufmerksamkeitsmarkt gelten?
Tech-Branche unter Druck – Zivilgesellschaft fordert Handeln
Für TikTok und andere Plattformen wird der Druck konkret. Bei einem endgültigen Schuldspruch drohen Strafen von bis zu sechs Prozent des globalen Jahresumsatzes. Ein Präzedenzfall existiert bereits: Die Plattform X (ehemals Twitter) musste im Dezember 2025 eine Strafe von 120 Millionen Euro zahlen.
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International begrüßen den Fokus auf das Design. „Die Anerkennung des suchterzeugenden Designs ist überfällig“, sagt Researcherin Lisa Dittmer. Statt Zugangsverbote zu verhängen, müssten die toxischen Design-Muster entschärft werden. Kritiker des „Erwachsenschutzes“ warnen hingegen vor einem paternalistischen Überwachungsstaat, der Bürgern ihre Online-Entscheidungen abnehme.
Ausblick: Das Ende der „Endlos-Scroll“-Ära?
Die kommenden Monate werden richtungsweisend. TikTok wird eine Stellungnahme abgeben und möglicherweise technische Anpassungen für den EU‑Markt vorschlagen. In Deutschland will die Expertenkommission zum Kinder- und Jugendschutz ihre finalen Empfehlungen im Herbst 2026 vorlegen – der aktuelle Erwachsenschutz‑Diskurs wird darin einfließen.
Experten sagen für 2026 den Durchbruch der „metrikgetriebenen Regulierung“ voraus. Plattformen müssten dann nachweisen, dass ihre Systeme keine klinische Sucht erzeugen. Sollte sich das Prinzip des digitalen Erwachsenschutzes durchsetzen, könnte dies das globale Ende des „Infinite Scroll“ einläuten – und den Beginn einer Ära der „algorithmischen Nüchternheit“.
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