EU geht gegen Shein und TikTok vor, Australien kämpft mit Social-Media-Verbot
19.02.2026 - 05:52:12 | boerse-global.deDie Europäische Union erhöht den Druck auf Tech-Giganten, während Australien mit seinem radikalen Social-Media-Verbot für Jugendliche kämpft. In dieser Woche erreicht die globale Debatte um die psychische Gesundheit junger Menschen eine neue Phase.
Am Dienstag leitete die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den Online-Händler Shein ein. Der Vorwurf: Die Plattform setze suchterzeugendes Design ein, das exzessives Nutzungsverhalten bei Minderjährigen fördere. Nur wenige Tage zuvor hatte die Kommission bereits vorläufige Feststellungen gegen TikTok wegen Verstößen gegen den Digital Services Act (DSA) getroffen.
Beide Verfahren konzentrieren sich auf das sogenannte „Addictive Design“. Die EU wirft den Plattformen vor, mit Algorithmen und Benutzeroberflächen das Belohnungssystem junger Gehirne zu manipulieren – ein Faktor, der laut Experten maßgeblich zu Angstzuständen und Depressionen beiträgt. Den Unternehmen drohen bei einer Bestätigung der Vorwürfe Geldbußen von bis zu sechs Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes.
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Australiens Verbot zeigt erste Risse
Während Europa die Systeme regulieren will, setzt Australien auf eine radikale Lösung: ein Totalverbot für unter 16-Jährige. Seit Dezember 2025 müssen Plattformen Minderjährigen den Zugang verwehren.
Nach zwei Monaten zeigt die Bilanz ein gemischtes Bild. Die Regierung meldet über 4,7 Millionen deaktivierte Konten. Allein Snapchat sperrte mehr als 415.000 Accounts. Doch die technische Umsetzung erweist sich als schwierig.
Jugendliche umgehen die Sperren massenhaft mit einfachen Mitteln:
* Nutzung von VPNs, um einen Standort außerhalb Australiens vorzutäuschen
* Erstellung von Konten mit gefälschten Geburtsdaten
Kritiker sehen sich bestätigt: Das Verbot dränge Jugendliche in weniger überwachte Ecken des Internets, anstatt Medienkompetenz zu vermitteln. Die australische Aufsichtsbehörde betont jedoch, die Verantwortung liege weiterhin bei den Plattformen, wirksame Alterskontrollen zu entwickeln.
Großbritannien und USA hinken hinterher
Andere westliche Nationen zeigen sich weniger entschlossen. In Großbritannien verzögert sich die volle Umsetzung des Online Safety Act. Die Regulierungsbehörde Ofcom hat die Einführung eines zentralen Plattform-Registers auf Juli 2026 verschoben – ein herber Rückschlag für den Jugendschutz.
In den USA steckt der Kids Online Safety Act (KOSA) weiterhin im politischen Gerangel fest. Das Gesetz, das Plattformen eine „Sorgfaltspflicht“ zum Schutz Minderjähriger auferlegen soll, muss im neuen Kongresszyklus neu verhandelt werden. Selbst der Vorschlag für Warnhinweise nach Tabak-Vorbild hat noch keine Gesetzeskraft erlangt.
Zwei Wege, ein Ziel: Wer hat die bessere Strategie?
Die aktuellen Entwicklungen offenbaren zwei grundverschiedene Ansätze im globalen Kampf für die mentale Gesundheit der Jugend:
- Der strukturelle EU-Ansatz: Regulierung der suchterzeugenden Funktionen wie Infinite Scroll und Autoplay. Das Ziel ist ein sichereres Produkt, nicht der Ausschluss der Nutzer.
- Der restriktive australische Ansatz: Pauschale Zugangsverbote durch harte Altersgrenzen.
Experten halten den europäischen Weg für nachhaltiger. Eine transparente Gestaltung der Algorithmen und verpflichtende Risikobewertungen könnten langfristig allen Nutzern zugutekommen. Das australische Experiment hingegen zeigt die Grenzen nationaler Alleingänge im grenzenlosen Internet.
Die Verfahren gegen TikTok und Shein könnten in den kommenden Monaten zu Präzedenzfällen werden. Sie stellen das Geschäftsmodell der „Attention Economy“ fundamental in Frage. Gleichzeitig wird die Welt weiter auf Australien blicken: Gelingt die Durchsetzung des Verbots nicht, dürfte in anderen Ländern die Bereitschaft für ähnliche radikale Schritte schwinden.
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