EU geht gegen Google wegen KI-Zugang und Suchdaten vor
27.01.2026 - 23:00:12Die EU-Kommission erhöht den Druck auf Google und leitet zwei formelle Verfahren zur Einhaltung des Digital Markets Act ein. Im Fokus stehen der Zugang zu Android für KI-Konkurrenten und die Weitergabe von Suchdaten.
Brüssel. Die Europäische Kommission schärft ihre Gangart gegenüber Google. Heute leitete sie zwei sogenannte Präzisierungsverfahren ein, um die Verpflichtungen des Tech-Riesen aus dem Digital Markets Act (DMA) in zwei Schlüsselbereichen zu konkretisieren. Es geht um fairen Wettbewerb bei KI-Diensten auf Android und den Zugang zu wertvollen Suchdaten für Konkurrenten. Dieser Schritt unterstreicht den entschlossenen Willen Brüssels, die Marktmacht der als „Gatekeeper“ eingestuften Plattformen wirksam zu begrenzen.
Die Verfahren zielen darauf ab, rechtliche Grauzonen zu beseitigen. Noch handelt es sich nicht um ein förmliches Verstoßverfahren, das zu Milliardenstrafen führen könnte. Doch die Botschaft ist klar: Die bisherigen Anpassungen Googles reichen der Kommission nicht aus.
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KI-Interoperabilität auf Android: Das erste Verfahren prüft, ob Google die Vorgaben aus Artikel 6(7) DMA vollständig erfüllt. Dieser verpflichtet Gatekeeper, Drittentwicklern den gleichen Zugang zu Hardware- und Softwarefunktionen ihres Betriebssystems zu gewähren wie den eigenen Diensten. Die Kommission untersucht konkret, ob KI-Anbieter wie europäische Start-ups denselben effektiven Zugriff auf Android-Funktionen erhalten wie Googles hauseigene KI Gemini. Die Frage lautet: Wird der Wettbewerb im boomenden KI-Sektor auf Smartphones von vornherein erstickt?
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Zugang zu Suchdaten: Das zweite Verfahren dreht sich um Artikel 6(11) DMA. Google muss konkurrierenden Suchmaschinen Zugang zu anonymisierten Daten aus seiner Suchmaschine gewähren – darunter Ranking-, Klick- und Suchanfragedaten. Brüssel prüft nun den genauen Umfang, die Anonymisierungsmethode und die Bedingungen für diesen Zugang. Eine Schlüsselfrage: Gelten auch Anbieter von KI-Chatbots als berechtigte Empfänger? Für kleinere Suchmaschinen sind diese Daten unverzichtbar, um ihre Algorithmen zu verbessern und Nutzern eine echte Alternative zu bieten.
Google unter wachsendem EU-Druck
Seit seiner Einstufung als Gatekeeper im September 2023 hat Google bereits Anpassungen vornehmen müssen, etwa die Einführung von Auswahlbildschirmen für Browser und Suchmaschinen in Europa. Die neuen Verfahren zeigen, dass die Kommission in den komplexen Bereichen KI und Datenzugang noch nicht zufrieden ist.
Google steht nun unter Beobachtung. Die Frist ist ambitioniert: Die Kommission will die Verfahren innerhalb von sechs Monaten abschließen. Sollte keine Einigung erzielt werden, droht dem Konzern ein förmliches Nichteinhaltungsverfahren. Die potenziellen Strafen sind enorm und können bis zu 10 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen.
Ein Präzedenzfall für die Tech-Branche
Die Entscheidung hat Signalwirkung für die gesamte Industrie. Die EU setzt mit dem DMA auf einen proaktiven Regulierungsansatz (ex-ante). Statt wie früher jahrelang unfaire Praktiken zu untersuchen, sollen klare Vorgaben diese von vornherein verhindern.
Die aktuelle Auseinandersetzung mit Google wird zum Lackmustest für dieses Modell. Wie weit darf Brüssel gehen, um die „walled gardens“ der Tech-Giganten zu öffnen? Die Antwort wird nicht nur Googles Geschäft in Europa prägen, sondern auch den Weg für künftige Verfahren gegen andere Gatekeeper ebnen. Die digitale Wirtschaft in Europa und weltweit schaut gespannt zu.
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