EU-Entwaldungsverordnung, Letzte

EU-Entwaldungsverordnung: Letzte Hürden vor dem Start

04.04.2026 - 20:40:42 | boerse-global.de

Die EU-Kommission erarbeitet bis Ende April 2026 Vereinfachungen für die umstrittene Verordnung. Große Unternehmen müssen die Regeln zur entwaldungsfreien Lieferkette ab Dezember 2026 einhalten.

EU-Entwaldungsverordnung: Letzte Hürden vor dem Start - Foto: über boerse-global.de

Die EU-Kommission steht vor dem entscheidenden Feinschliff ihrer umstrittenen Entwaldungsverordnung. Bis zum 30. April 2026 soll ein Bericht zur Vereinfachung der Regeln vorliegen – die letzte große Hürde vor dem Start des Gesetzes, das den europäischen Markt entwaldungsfrei machen soll.

Ein Gesetz mit Verspätung

Der Weg zu einem entwaldungsfreien EU-Markt war holprig. Ursprünglich sollte die Verordnung bereits Ende 2024 in Kraft treten. Doch auf Druck von Handelspartnern wie den USA, Brasilien und Indonesien sowie europäischen Wirtschaftsverbänden verschob die Kommission den Start zunächst um ein Jahr. Die Kritik: mangelnde technische Vorbereitung und unklare Vorgaben.

Anzeige

Die neue Entwaldungsverordnung betrifft weit mehr Unternehmen und Rohstoffe, als viele Marktteilnehmer aktuell vermuten. Dieser kostenlose Leitfaden klärt auf, welche Produkte seit 2023 betroffen sind und wie Sie Ihr Unternehmen absichern. Jetzt informieren und Risiken vermeiden

Kurz vor dem neuen Termin 2025 folgte die nächste Verzögerung. Probleme mit dem geplanten EUDR-Informationssystem und komplexe Geolokations-Anforderungen für Kleinbauern machten einen Aufschub unumgänglich. Seit Dezember 2025 gilt nun der aktuelle Zeitplan: Große und mittlere Unternehmen müssen die Regeln ab dem 30. Dezember 2026 einhalten. Für Kleinst- und Kleinunternehmen (KMU) gilt eine Schonfrist bis zum 30. Juni 2027.

Bürokratieabbau als zentrale Aufgabe

Die aktuelle Überprüfung konzentriert sich auf einen zentralen Kritikpunkt: den bürokratischen Aufwand. Ein mögliches Modell sieht vor, die Hauptverantwortung für die Sorgfaltspflicht beim „First Placer“ zu bündeln – also beim Unternehmen, das ein Produkt erstmals auf den EU-Markt bringt. Das würde Händler weiter unten in der Lieferkette deutlich entlasten.

Geprüft wird auch die Einführung von Einmal-Erklärungen für Regionen mit geringem Entwaldungsrisiko. Für Betriebe in Gebieten mit stabilem Waldbestand und strenger lokaler Kontrolle könnte das den Verwaltungsaufwand erheblich reduzieren. Die Ergebnisse dieser Prüfung werden noch im April dem Europäischen Parlament und dem Rat vorgelegt und könnten zu weiteren Gesetzesanpassungen führen.

Industrie fordert „Grüne Spuren“ und Klarheit

Wirtschaftsverbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) nutzten die Konsultationsphase intensiv. Ihre zentrale Forderung: „Grüne Spuren“ für Waren aus Ländern, die als „geringes Risiko“ eingestuft sind. Für diese Regionen sollen die Anforderungen an Geodaten vereinfacht werden – etwa durch die Angabe von Postleitzahlen statt präziser fieldkoordinaten.

Aus der Land- und Holzwirtschaft kommt Zustimmung für das Ziel, aber Kritik an der Umsetzung. Die mangelnde Rechtsklarheit habe die Verzögerung unvermeidlich gemacht, so die einhellige Meinung. Der Erfolg des Starts 2026 hänge nun vollständig vom Ergebnis des laufenden Vereinfachungsverfahrens ab.

Spagat zwischen Umweltschutz und Handel

Die wiederholten Verschiebungen sind nicht unumstritten. Umweltverbände befürchten eine Aufweichung des Gesetzes. Die Entscheidung, das Gesetz zu überarbeiten, bevor es überhaupt in Kraft getreten sei, gebe Lobbyisten zu viel Einfluss, kritisieren sie.

Die Kommission verteidigt den Kurs. Die Verzögerungen seien nötig gewesen, um internationale Kooperation zu sichern. Mit der „Benchmarking“-Verordnung von Mai 2025 hat die EU bereits begonnen, Partnerländer in Risikokategorien einzuteilen. Dies ist ein zentrales Element der Strategie, um Handelskonflikte bei Schlüsselrohstoffen wie Kaffee, Kakao, Soja und Palmöl zu vermeiden.

Anzeige

Um empfindliche Sanktionen zu vermeiden, müssen Unternehmen ihre Sorgfaltspflichten entlang der Lieferkette präzise dokumentieren. Ein kostenloser Download inklusive Checkliste zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die EU-Vorgaben rechtssicher erfüllen. Gratis-Checkliste zur EU-Entwaldungsverordnung sichern

Der Aufschub hatte auch eine positive Seite: Unternehmen gewannen Zeit, ihre Lieferketten zu kartieren. Investitionen in Satellitenüberwachung und Blockchain-Technologie zur Rückverfolgung sind in den letzten 18 Monaten stark gestiegen. Doch die anhaltenden regulatorischen Unsicherheiten bleiben eine Belastung für die Wirtschaft.

Countdown bis Dezember 2026

Mit dem Vereinfachungsbericht Ende April rückt der Starttermin im Dezember nun endgültig in greifbare Nähe. Sollte die Kommission weitere Gesetzesänderungen vorschlagen, müssen Parlament und Rat zügig handeln.

Parallel startet im Sommer 2026 der Live-Betrieb des EUDR-Informationssystems. Diese zentrale Plattform für Sorgfaltspflicht-Erklärungen wird mit den nationalen Zollbehörden vernetzt. Die Kommission plant abschließende Schulungen und Pilotversuche, um den reibungslosen Start zu gewährleisten.

Die Bewährungsprobe steht bevor. Gelingt der Spagat? Die Verordnung soll jährlich über 70.000 Hektar Wald retten – ohne den globalen Handel auszubremsen. Die Antwort gibt der Praxistest ab Dezember.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
boerse | 69074356 |