EU entlastet Wirtschaft massiv mit Omnibus-Paket
30.12.2025 - 06:30:12Die EU hat die Bürokratie für Unternehmen drastisch reduziert. Das Europäische Parlament hat das “Omnibus I”-Vereinfachungspaket beschlossen, das den Geltungsbereich der umstrittenen Lieferkettensorgfaltspflicht (CSDDD) radikal beschneidet. Rund 70 Prozent der ursprünglich betroffenen Firmen sind nun befreit.
Diese Kehrtwende kurz vor Jahresende 2025 markiert einen fundamentalen Kurswechsel in der EU-Regulierung. Wettbewerbsfähigkeit und Entlastung stehen nun im Vordergrund. Für Handels- und Compliance-Verantwortliche bedeutet dies eine Neuausrichtung ihrer Pflichten für das kommende Jahrzehnt.
Das Herzstück der Reform ist die extreme Anhebung der Schwellenwerte. Statt wie ursprünglich geplant bei 1.000 Mitarbeitern und 450 Millionen Euro Umsatz greift die Richtlinie jetzt erst bei 5.000 Beschäftigten und 1,5 Milliarden Euro Nettoumsatz weltweit.
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Diese Anpassung zieht die meisten europäischen Mittelständler aus der direkten Pflicht. Die Neuregelung soll verhindern, dass große Konzerne bürokratische Lasten an kleinere Zulieferer durchreichen. Die Informationsanforderungen an Geschäftspartner werden explizit begrenzt und auf das Niveau freiwilliger Standards für KMU gedeckelt.
Rechtsexperten betonen, dass es sich nicht um eine Verzögerung, sondern um eine strukturelle Transformation handelt. Der Fokus liegt nun ausschließlich auf sehr großen multinationalen Konzernen. Die administrative Last einer vollständigen Lieferkettenanalyse hatte sich für kleinere Unternehmen als prohibitiv erwiesen.
Klimapläne gestrichen, Haftung entschärft
Das Paket enthält weitere qualitative Änderungen, die das Haftungsrisiko grundlegend verändern. Zwei der umstrittensten Elemente der ursprünglichen CSDDD wurden gestrichen oder deutlich abgeschwächt.
Die Pflicht zu verbindlichen Klimaplänen entfällt komplett. Dies ist eine direkte Reaktion auf Überlappungen mit der Berichtspflicht zur Nachhaltigkeit (CSRD). Unternehmen müssen nun keinen separaten Plan mehr unter der CSDDD vorlegen.
Zudem wurde das harmonisierte EU-Haftungsregime gestrichen. Statt eines einheitlichen europäischen Standards, der Opfern von Menschenrechtsverletzungen Klagen vor EU-Gerichten ermöglicht hätte, gilt nun ausschließlich nationales Recht. Diese Fragmentierung gilt als großer Erfolg für Wirtschaftslobbyisten, die die ursprüchtlichen Haftungsrisiken als unkalkulierbar kritisierten. Die maximale Strafe bei Verstößen liegt bei 3 Prozent des weltweiten Nettoumsatzes.
Internationaler Druck und transatlantische Spannungen
Die Vereinfachungen sind nicht im luftleeren Raum entstanden. Analysen der letzten Tage zeigen massiven internationalen Druck auf die EU, insbesondere aus den USA.
US-Politiker und Wirtschaftsvertreter hatten die extraterritoriale Reichweite der EU-Regulierung scharf kritisiert. Sie warfen Brüssel vor, europäische Sozial- und Umweltstandards amerikanischen Unternehmen aufzuzwingen. Die Anhebung der Schwellenwerte befreit nun viele Nicht-EU-Firmen, die unter die ursprüngliche Grenze von 450 Millionen Euro gefallen wären.
Gleichzeitig vergrößert sich die Kluft zwischen EU und Großbritannien. Während die EU die Bürokratie zurückfährt, erwägt das Königreich ein strengeres Modell, das auch den Finanzsektor einbezieht – einen Bereich, der in der EU-CSDDD explizit ausgenommen ist. Multinationale Unternehmen stehen damit vor einer komplexen Compliance-Landschaft mit unterschiedlichen Standards.
Ausblick: Umsetzung erst ab 2029
Für die Wirtschaft bedeutet die Reform vor allem eines: Zeit. Die Umsetzungsfrist wurde auf den 26. Juli 2028 verschoben. Die ersten Unternehmen müssen die neuen Regeln somit erst ab dem 26. Juli 2029 einhalten. Das gibt einen vierjährigen Vorlauf zur Anpassung der Compliance-Strukturen.
Doch Experten warnen vor zu großer Sorglosigkeit. Auch wenn der direkte Geltungsbereich schrumpft, bleibt der indirekte Druck auf Lieferketten bestehen. Große Konzerne müssen ihre Zulieferer weiterhin überwachen, wenn auch mit eingeschränkten Datenanfragen.
Der nun vorgeschriebene risikobasierte Ansatz verpflichtet Unternehmen, ihre schwerwiegendsten Risiken zu priorisieren – statt sofort jede Ebene ihrer Lieferkette abbilden zu müssen. Eine pragmatische Lösung, die der betrieblichen Realität besser entspricht.
Im Januar soll der Rat der Europäischen Union den Text formell annehmen. Nach Veröffentlichung im Amtsblatt beginnt der Countdown zur Umsetzung. Das “Omnibus”-Paket steht als stärkste Deregulierungsmaßnahme des aktuellen Legislativzyklus für einen neuen EU-Kurs: Wettbewerbsfähigkeit geht vor Regulierungswut.
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