EU-Deforestierungsverordnung: Kontrollen um ein Jahr verschoben
05.01.2026 - 16:12:12Die EU hat die scharfen Kontrollen für entwaldungsfreie Lieferketten überraschend um zwölf Monate verschoben. Statt ab sofort müssen sich große und mittlere Unternehmen erst ab dem 30. Dezember 2026 auf verbindliche Prüfungen einstellen.
Grund ist eine letztminütige Gesetzesänderung vom Dezember 2025. Die eigentlich für heute geplanten verpflichtenden Kontrollzyklen für Hochrisiko-Lieferketten wurden ausgesetzt. Kleinst- und Kleinunternehmen erhalten sogar bis zum 30. Juni 2027 Zeit. Doch Branchenexperten warnen: 2026 wird kein “Verschnaufjahr”, sondern eine kritische Testphase.
Der Weg zur Umsetzung der EU-Deforestierungsverordnung (EUDR) gleicht einer Hürdenlauf. Nach einer ersten Verschiebung von 2024 auf 2025 folgt nun die zweite Verzögerung. Ursächlich sind technische Probleme mit dem EU-Informationssystem TRACES und politischer Stillstand bei der Risikobewertung von Herkunftsländern.
Die EU-Kommission räumte ein, dass die IT-Infrastruktur für Millionen von Sorgfaltspflicht-Erklärungen noch nicht ausreichend robust sei. Beta-Tests Ende 2025 offenbarten Schwierigkeiten bei der Verarbeitung großer Geodatenmengen aus komplexen Lieferketten.
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Rechtsexperten sehen in der Verzögerung eine doppelte Funktion: Sie verhindert einen logistischen Kollaps an den EU-Grenzen und gibt der Kommission Zeit, das umstrittene Länder-Benchmarking-System zu finalisieren. Ohne diese Liste wären alle Importländer automatisch als “Standardrisiko” eingestuft worden – was Kontrollen bei 3% aller Unternehmen bedeutet hätte. Viele nationale Zollbehörden waren darauf nicht vorbereitet.
Politischer Streit blockiert Risikobewertungen
Herzstück der EUDR ist ein abgestuftes Kontrollsystem: 9% Prüfungen bei Hochrisiko-Ländern, 3% bei Standardrisiko und 1% bei Niedrigrisiko. Doch genau diese Einordnung bleibt der größte Streitpunkt.
Im Mai 2025 legte die Kommission einen ersten Entwurf vor, der mehrere wichtige Produzentenländer als “Hochrisiko” einstufte. Das Europäische Parlament lehnte diese Liste im Juli 2025 jedoch ab – mit Verweis auf veraltete Daten und mangelnde Anerkennung regionaler Waldschutzbemühungen.
Bis heute existiert keine revidierte Methodik. Die für heute geplanten Hochrisiko-Kontrollzyklen können daher nicht starten. Beobachter erwarten einen neuen Vorschlag der Kommission bis April 2026. Unternehmen aus potenziellen Risikoregionen wie Teilen Südostasiens oder Südamerikas operieren derzeit in einer Grauzone, sollten aber freiwillig Hochrisiko-Standards einhalten.
2026 wird zum Jahr der “Schatten-Kontrollen”
Obwohl verbindliche Prüfungen pausieren, beginnt 2026 das, was Compliance-Experten “Schatten-Kontrollzyklen” nennen. Nationale Behörden in Deutschland, den Niederlanden und Frankreich verlagern ihren Fokus von der Durchsetzung auf Schulung und Systemtests.
In der verlängerten Übergangsphase stehen drei Aktivitäten im Mittelpunkt:
- Freiwillige Stresstests: Das EU-Informationssystem steht für Test-Einreichungen offen. Unternehmen sollten reale Lieferketten-Daten hochladen, um Lücken bei der Geodaten-Genauigkeit zu identifizieren.
- Lieferketten-Mapping: Die Verzögerung gibt nachgelagerten Unternehmen Zeit, ihre Datenabhängigkeiten von Zulieferern zu klären.
- Test-Audits: Große Prüfungsgesellschaften bieten “Mock-Inspektionen” an, die die Intensität eines 9%-Kontrollzyklus simulieren.
Marktanalysten warnen: Unternehmen, die dieses zusätzliche Jahr nicht zur Digitalisierung ihrer Lieferketten nutzen, stehen im Dezember 2026 vor einer “Compliance-Klippe”. Die Rückverfolgung von Produkten wie Kakao, Kaffee oder Kautschuk bis zum Anbaugebiet bleibt eine enorme Herausforderung, die manuelle Prozesse nicht lösen können.
Geteilte Reaktionen: Erleichterung trifft auf Kritik
Die Reaktionen auf die Verschiebung fallen gemischt aus. Handelsverbände wichtiger Rohstoffe wie Soja, Palmöl und Holz zeigen sich erleichtert. Die zusätzliche Zeit sei essenziell, um Kleinbauern in digitale Rückverfolgungssysteme zu integrieren. Ohne diese Fristverlängerung wären Millionen Landwirte vom EU-Markt ausgeschlossen worden.
Umweltverbände kritisieren die “zweite Verschiebung” scharf. Sie verlängere die Unsicherheit und ermögliche es, dass weitere zwölf Monate entwaldungsbelastete Produkte in die EU gelangen. Die nötige Technologie für Compliance existiere bereits – die Verzögerung sei politisches Entgegenkommen, kein technisches Erfordernis.
Aus wirtschaftlicher Perspektive hat die Verschiebung kurzfristig beruhigend gewirkt. Die Preise für zertifizierten “entwaldungsfreien” Kakao und Kaffee, die im vierten Quartal 2025 stark gestiegen waren, haben sich stabilisiert. Dennoch bleiben Einkaufsstrategien auf langfristige Compliance ausgerichtet. Der Dezember 2026 gilt in Fachkreisen als endgültige Deadline.
Ausblick: Der Weg bis Dezember 2026
Ein neues Schlüsseldatum rückt in den Fokus: 30. Juni 2026. Bis dahin soll die Kommission das Länder-Benchmarking-System finalisieren. Diese Liste wird das Startsignal für die risikobasierten Kontrollzyklen geben.
Zudem plant die Kommission aktualisierte Leitlinien für das zweite Quartal 2026. Diese sollen die “vereinfachten Sorgfaltspflichten” für KMU und Niedrigrisiko-Länder konkretisieren.
Der 5. Januar 2026 bedeutet also Atempause, nicht Entwarnung. Das regulatorische Uhrwerk läuft weiter – es wurde nur zurückgestellt. Die Kontrollzyklen mögen heute nicht begonnen haben, aber die Überwachung globaler Lieferketten hat unwiderruflich an Intensität gewonnen.
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