Ausstieg, Gas

EU beschließt historischen Ausstieg aus russischem Gas

26.01.2026 - 14:52:12

Die Europäische Union beendet ihre Energieabhängigkeit von Russland durch ein permanentes Gesetz. Norwegen und die USA ersetzen russisches Gas, während Ungarn und die Slowakei Widerstand leisten.

Die Europäische Union beendet ihre jahrzehntelange Energieabhängigkeit von Russland. Die Energieminister beschlossen heute in Brüssel ein vollständiges Importverbot für russisches Pipeline-Gas bis November 2027.

Ein strategischer Befreiungsschlag

Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt. Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 hat die EU ihre Versorgung radikal umgebaut. Damals sicherte günstiges Gas aus Russland noch die Energieversorgung vieler Staaten, darunter auch Deutschlands. Die nun verabschiedete Verordnung schafft dauerhafte Rechtssicherheit – sie ist ein permanentes EU-Gesetz und muss nicht wie Sanktionen alle sechs Monate verlängert werden. 24 der 27 Mitgliedstaaten stimmten zu.

Neue Lieferanten sichern die Versorgung

Die Kommission sieht kein unkalkulierbares Risiko mehr für die Versorgungssicherheit. Russland als dominanter Lieferant wurde ersetzt: Norwegen liefert an seiner Kapazitätsgrenze, und Flüssigerdgas (LNG) aus den USA und Algerien füllt die Lücke. Die USA decken mittlerweile rund die Hälfte des europäischen LNG-Bedarfs. Trotz volatiler Märkte sieht Brüssel keine Gefahr explodierender Preise für Verbraucher, da genügend alternative Anbieter am Weltmarkt verfügbar sind.

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Widerstand und Sicherheitsklausel

Der Beschluss ist nicht unumstritten. Ungarn und die Slowakei stimmten dagegen und verwiesen auf ihre hohe Abhängigkeit. Ungarn kündigte sogar eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof an. Als Kompromiss enthält die Verordnung eine Sicherheitsklausel: Bei ernsthaften Versorgungsengpässen kann die Kommission das Verbot für ein Land vorübergehend aussetzen. Besonders betroffene Binnenländer erhalten zudem leicht verlängerte Übergangsfristen.

Geopolitisches Signal und grüne Zukunft

Der Ausstieg ist ein starkes geopolitisches Signal. Die Ära, in der Moskau Gas als Druckmittel nutzen konnte, ist endgültig vorbei. Analysten sehen darin eine Stärkung der strategischen Souveränität Europas. Die neue Abhängigkeit von LNG, vor allem aus den USA, muss jedoch sorgfältig gemanagt werden. Langfristig soll der Importstopp als Katalysator für die grüne Transformation wirken. Der Druck wächst, heimische Energie aus Wind, Sonne und Wasserstoff auszubauen, um die Verwundbarkeit weiter zu reduzieren. Die EU hat einen unumkehrbaren neuen Kurs eingeschlagen.

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