EU-Aluminiumschrott, Exportstopp

EU-Aluminiumschrott: Exportstopp droht, Industrie gespalten

16.01.2026 - 16:10:12

Die EU-Kommission erwägt Exportbeschränkungen für Aluminiumschrott, um die heimische Versorgung zu sichern. Die Pläne spalten Hersteller und Recycler und könnten einen handelspolitischen Paradigmenwechsel einleiten.

Die EU prüft Ausfuhrbeschränkungen für Aluminiumschrott – und spaltet damit ihre eigene Industrie. Während Brüssel die Versorgung für heimische Hütten und Klimaziele sichern will, warnt die Recyclingbranche vor Marktverzerrung und einer bereits getroffenen Vorentscheidung.

Die EU-Kommission steht vor einem handelspolitischen Drahtseilakt. Bis zum 31. Januar läuft eine Konsultation zu möglichen Exportzöllen oder -kontingenten für Aluminiumschrott. Hintergrund sind Rekordexporte: 2024 verließen 1,26 Millionen Tonnen die EU, 50 Prozent mehr als vor fünf Jahren. Der Großteil geht nach Asien, wo höhere Preise gezahlt werden.

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Strategischer Rohstoff für die grüne Wende

Für Brüssel ist der Schrott mehr als nur Altmetall. Sein Recycling verbraucht bis zu 95 Prozent weniger Energie als die Primärproduktion. Er ist damit ein Schlüsselrohstoff für die Dekarbonisierung der Industrie und die Ziele des European Green Deal. Die Kommission und Verbände wie European Aluminium fürchten, der massive Abfluss gefährde die Versorgung europäischer Hütten, führe zu Engpässen und bremse Investitionen.

Ein Treiber des Exports sind auch US-Zölle: Sie liegen auf Primäraluminium bei 50 Prozent, auf Schrott aber nur bei 15 Prozent. Das lenkt asiatische Nachfrage verstärkt auf den europäischen Markt.

Tiefe Gräben zwischen Herstellern und Recyclern

Die Pläne spalten die Branche in zwei Lager. Die Aluminiumhersteller fordern Schutz. Sie sind auf sicheren, bezahlbaren Schrott angewiesen, um wettbewerbsfähig zu bleiben und ihre Klimaziele zu erreichen.

Die Recycling- und Handelsverbände laufen dagegen Sturm. Sie argumentieren, die hohen Exporte seien Folge mangelnder heimischer Nachfrage und fehlender Kapazitäten für komplexe Schrottsorten. Ein Exportstopp verzerre den Markt und schade den Recyclern, ohne das Grundproblem zu lösen.

Vorwurf der „gelenkten“ Konsultation

In dieser Woche eskalierte der Streit. Führende deutsche Verbände – darunter der Verband Deutscher Metallhändler und Recycler (VDM) und der bvse – kritisierten das EU-Vorgehen scharf. In einer gemeinsamen Stellungnahme werfen sie der Kommission vor, die laufende Konsultation sei so angelegt, dass sie ein verzerrtes Bild der Marktrealität liefere.

Dies nährt den Verdacht, Brüssel habe sich bereits für Exportbeschränkungen entschieden. Die Konsultation diene nur noch der Legitimation dieses Kurses. Die Verbände fordern einen evidenzbasierten Ansatz, der globale Materialströme berücksichtigt.

Entscheidung mit Signalwirkung

Nach Auswertung der Konsultation will die Kommission im zweiten Quartal 2026 einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Die Entscheidung könnte einen Paradigmenwechsel markieren: weg von reiner Importkontrolle hin zum strategischen Schutz heimischer Rohstoffkreisläufe durch Exportbeschränkungen.

Die Herausforderung für Brüssel ist gewaltig. Eine Lösung muss die Versorgung der Industrie sichern, die Kreislaufwirtschaft fördern – und gleichzeitig die Recyclingbranche nicht erdrosseln oder internationale Handelsbeziehungen belasten. Der Ausgang wird die Zukunft der europäischen Aluminiumindustrie maßgeblich prägen.

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