Ethereum: Buterin plant Lean Ethereum
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 21:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ethereum notiert bei 1.795 US-Dollar und hat sich in den vergangenen sieben Handelstagen um mehr als 11 Prozent erholt. Der Auslöser: Mitgründer Vitalik Buterin hat am Wochenende einen mehrjährigen Umbauplan für das Netzwerk vorgestellt. Parallel kaufen institutionelle Anleger weiter kräftig zu.
Buterin skizziert "Lean Ethereum"
Buterin veröffentlichte ein aktualisiertes Konzept namens "Lean Ethereum". Der Plan soll fast jeden zentralen Baustein des Netzwerks umbauen, ohne bestehende Anwendungen zu stören. Die Umsetzung soll drei bis vier Jahre dauern.
Vorausgegangen war ein Treffen von Ethereum-Forschern in Berlin vor zwei Wochen. Dieses knüpfte an Gespräche mit Client-Teams an, die im April auf Spitzbergen stattfanden. Buterin bezeichnete Lean Ethereum als "die dritte große Iteration" des Netzwerks – auf einer Stufe mit dem Merge-Update von 2022.
Quantensicherheit steht dabei im Zentrum. Ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer könnte künftig die Kryptografie hinter Blockchains knacken. Ethereum will deshalb jede quantenanfällige Komponente ersetzen, darunter auch den günstigen Datenspeicher, auf den Rollups angewiesen sind.
Auch Privatsphäre rückt hoch auf die Prioritätenliste. "Privacy ist kein Nachgedanke mehr, sondern ein Ziel erster Klasse", schrieb Buterin. Entwickler prüfen neue Protokollbausteine nun danach, ob sie quantensichere Privatsphäre ohne Zwischenhändler unterstützen können.
Der einschneidendste Punkt betrifft die Speicherarchitektur. Buterin skizzierte eine mögliche Version für 2030: Ethereum könnte dann rund 2 Terabyte des heutigen dynamischen Zustands verwalten. Hinzu kämen bis zu 100 Terabyte eines neuen, skalierbaren Speichertyps für Anwendungen wie ERC-20-Token, NFTs und viele DeFi-Produkte.
Nächste Upgrades stehen noch aus
Der Fahrplan baut auf bereits geplanten Upgrades auf. Das nächste große Update heißt Glamsterdam und soll die Layer-1-Skalierung verbessern. Ursprünglich für die erste Jahreshälfte 2026 angesetzt, ist es bislang nicht aktiviert.
Danach folgt Hegota, das zweite Upgrade des Jahres 2026. Buterin nannte es vermutlich den letzten Fork, der noch der "Vor-Lean"-Ära zuzurechnen ist. Nicht alle in der Forschungs-Community sind mit dem Tempo zufrieden: Dankrad Feist, Ethereum-Foundation-Forscher und Namensgeber des Danksharding-Konzepts, lobte die Vision, nannte drei bis vier Jahre aber deutlich zu langsam.
Bitmine kauft weiter, ETF-Abflüsse stoppen
Während der Roadmap-Debatte läuft, bauen Firmen ihre Ether-Bestände weiter aus. Bitmine Immersion kaufte vergangene Woche 42.197 ETH im Wert von rund 74 Millionen US-Dollar. Damit hält das Unternehmen mittlerweile 4,8 Prozent des gesamten Ether-Angebots – nah am selbstgesteckten Ziel von 5 Prozent.
Von den Gesamtbeständen sind 4.879.157 ETH im Wert von etwa 8,8 Milliarden US-Dollar aktiv gestakt und erwirtschaften Erträge. Bitmine-Chairman Tom Lee brachte die Käufe mit regulatorischen Erwartungen in Verbindung. Prognosemärkte räumen dem geplanten Clarity Act inzwischen rund 50 Prozent Erfolgschance ein – der höchste Wert seit zwei Wochen.
Auch bei den Spot-ETFs zeichnet sich eine Wende ab. Die Ethereum-ETFs beendeten Anfang des Monats eine neuntägige Serie von Netto-Abflüssen. Seit ihrem Start 2024 haben alle US-Ethereum-ETFs zusammen die Marke von 10 Milliarden US-Dollar an Netto-Zuflüssen überschritten, allein der BlackRock-Fonds kommt auf mehr als 11 Milliarden US-Dollar.
Charttechnik bleibt angespannt
Der Kurs bewegt sich derzeit knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt bei 1.801,54 US-Dollar. Deutlich weiter entfernt liegt der 200-Tage-Durchschnitt bei 2.257,62 US-Dollar – ein Abstand von gut 20 Prozent. Zum Jahreshoch bei 4.946,05 US-Dollar vom August 2025 fehlen weiterhin über 63 Prozent.
Die jüngste Erholung fällt trotzdem ins Auge: Seit dem Jahrestief von 1.512,07 US-Dollar Anfang Juni steht ein Plus von knapp 19 Prozent zu Buche. Der RSI von 58,6 signalisiert dabei noch keine Überhitzung. Ob die Kombination aus Roadmap-Nachrichten, Firmenkäufen und ETF-Zuflüssen reicht, um den Widerstand um 1.806 bis 1.807 US-Dollar nachhaltig zu durchbrechen, entscheidet sich in den kommenden Handelstagen.
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