Eterna, Traditionsmarke

Eterna: Traditionsmarke schließt nach 163 Jahren

10.03.2026 - 00:00:24 | boerse-global.de

Der Hemdenhersteller Eterna schließt nach 163 Jahren seinen Stammsitz in Passau. Rund 400 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, während nur die Markenrechte verkauft werden.

Eterna: Traditionsmarke schließt nach 163 Jahren - Foto: über boerse-global.de
Eterna: Traditionsmarke schließt nach 163 Jahren - Foto: über boerse-global.de

Der Traditionshersteller Eterna stellt seinen Betrieb nach gescheiterter Insolvenz-Rettung ein. Rund 400 Mitarbeiter in Passau verlieren ihre Jobs, nur die Markenrechte werden verkauft.

Die deutsche Textilindustrie erleidet einen herben Verlust: Der Hemden- und Blusenhersteller Eterna gibt auf. Das Unternehmen aus Passau teilte am 3. März 2026 mit, den Geschäftsbetrieb bis zum Sommer einzustellen. Nach 163 Jahren am Markt fand sich in den Insolvenzverfahren kein Käufer für den kompletten Betrieb. Damit bestätigen sich Befürchtungen – korrigiert werden aber frühere Gerüchte über deutlich höhere Jobverluste. Nicht 600, sondern etwa 400 Beschäftigte am Stammsitz sind betroffen.

Anzeige

Wenn betriebsbedingte Kündigungen wie bei Eterna bevorstehen, müssen Arbeitnehmervertreter die Interessen der Belegschaft sichern. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Betriebsräte mit Muster-Punkteschemata und Strategien für faire Sozialplan-Verhandlungen. Kostenlose Anleitung für Sozialplan und Interessenausgleich sichern

Das Aus markiert das Ende eines langen finanziellen Kampfes, der im Dezember 2025 in der Insolvenzantragstellung gipfelte. Während der operative Betrieb und das dazugehörige Logistiknetz abgewickelt werden, soll der Markenname selbst an neue Investoren verkauft werden. Branchenbeobachter sehen in dieser Entwicklung ein Symptom für die strukturellen Probleme der europäischen Modeindustrie. Der Druck auf etablierte Einzelhandelsmarken im aktuellen Wirtschaftsklima ist enorm.

Gescheiterte Rettung: Kein Investor für den Gesamtbetrieb

Nach der Insolvenzantragstellung in Eigenverwaltung im Dezember 2025 startete die Eterna-Führung einen umfangreichen M&A-Prozess. Ziel war ein Investor, der den gesamten Betrieb mit Stammsitz und Belegschaft übernimmt. Anfangs schien die Rettung möglich: Über 20 Interessenten prüften zu Jahresbeginn die Unterlagen.

Doch Anfang März 2026 zogen alle potenziellen Käufer ihre Angebote zurück. Ohne Übernahme des Gesamtunternehmens stimmte der Gläubigerausschuss der schrittweisen Schließung des Passauer Standorts zu. Offizielle Stellungnahmen betonen, dass eine Fortführung des Betriebs wirtschaftlich nicht mehr tragbar sei.

Statt einer Übernahme konzentrieren sich die Insolvenzverwalter nun ausschließlich auf den Verkauf der Markenrechte „Eterna“. Diese strategische Wende bedeutet: Die historische Marke könnte unter neuer Führung überleben, aber völlig losgelöst von ihrer aktuellen Belegschaft, Produktion und etablierten Lieferkette. Das physische Erbe des 1863 in Wien gegründeten und 1927 nach Passau umgezogenen Unternehmens wird damit ausgelöscht.

Immobilien-Streit und gescheiterte Logistik-Offensive

Der unmittelbare Auslöser für den endgültigen Zusammenbruch liegt im Spätjahr 2025. Eterna beantragte die Insolvenz, nachdem gesicherte Finanzgläubiger eine entscheidende Sale-and-Leaseback-Vereinbarung für den Passauer Firmensitz blockiert hatten. Diese Immobilientransaktion sollte dringend benötigte Liquidität für die letzte Phase der Unternehmensumstellung generieren.

Ein zentraler Pfeiler dieser gescheiterten Strategie war die komplette Auslagerung der Eterna-Logistik. Das Management wollte die Lieferkette umbauen, indem Lagerhaltung, Distribution und Auftragsabwicklung an externe Drittanbieter vergeben werden. Die Insolvenzantragstellung wurde zunächst als rechtliches Mittel gesehen, um diese Restrukturierung zu erzwingen und bestehende Verträge zu kündigen.

Durch den Weggang von der eigenen Logistik hoffte das Unternehmen, eine flexiblere und kostengünstigere Lieferkette zu schaffen. Angesichts der nun bestätigten Gesamtschließung wurden diese Pläne zugunsten einer vollständigen Liquidation der Sachwerte verworfen.

Anzeige

In Phasen der betrieblichen Umstrukturierung ist eine fundierte Mitbestimmung entscheidend, um die Rechte der Mitarbeiter wirksam zu vertreten. Erfahren Sie in diesem Gratis-Leitfaden, wie Betriebsräte ihre Kontrollfunktion durch den Wirtschaftsausschuss optimal nutzen und wichtige Informationen der Geschäftsleitung prüfen. Fragenkatalog und Checklisten für den Wirtschaftsausschuss jetzt kostenlos herunterladen

Lieferkettengesetz und veränderter Markt

Die aktuelle Insolvenz ist nicht Eternas erste schwere Krise. Das Unternehmen durchlief bereits 2021 eine umfassende Restrukturierung nach dem Stabilisierungs- und Restrukturierungsgesetz (StaRUG). Damas wurde ein Schuldenschnitt bei einer 25-Millionen-Euro-Anleihe durchgeführt. Doch trotz dieser früheren Bemühungen gelang die Anpassung an den Wandel nicht.

Textilhersteller in Deutschland stehen unter wachsendem operativem Druck, insbesondere durch Vorgaben zur Lieferkettensorgfalt. Mittelständische Unternehmen sind zunehmend mit den administrativen und finanziellen Kosten des deutschen Lieferkettengesetzes belastet. Die Einhaltung der Vorschriften in internationalen Beschaffungsnetzwerken erfordert erhebliche Investitionen in Audit-Software – ein enormer Druck auf die Gewinnmargen.

Hinzu kommt ein grundlegender Wandel bei der Kundschaft: Die Hauptzielgruppe für Eternas Geschäftshemden – Büroangestellte und Führungskräfte – hat ihre Kaufgewohnheiten verändert. Der dauerhafte Anstieg der Remote-Arbeit und die Akzeptanz lässiger Bürokleidung haben die Nachfrage nach formeller Business-Kleidung drastisch reduziert. Die Kombination aus sinkender Nachfrage, hohen Inlandskosten und komplexen Compliance-Anforderungen machte das traditionelle Geschäftsmodell schließlich unhaltbar.

Ausblick: Marke ohne Betrieb

Die operative Abwicklung von Eterna zieht sich über die kommenden Monate hin, die endgültige Schließung ist für den Sommer 2026 geplant. In dieser Übergangsphase wird die Restbestände über bestehende Handelskanäle und E-Commerce-Plattformen veräußert, um die Rückflüsse für die Gläubiger zu maximieren. Die Auflösung des Passauer Stammsitzes wird den Verlust von etwa 400 Arbeitsplätzen in der Region Niederbayern bedeuten.

Die erfolgreiche Veräußerung der Eterna-Marke könnte das Label unter einem völlig neuen Firmendach wieder auf den Markt bringen. Jede zukünftige Version von Eterna müsste jedoch eine komplett neue Lieferkette und Logistik aufbauen. Branchenexperten sehen im Ende des physischen Betriebs einen anhaltenden Trend: Traditionsmarken werden zunehmend auf reine Lizenznamen reduziert, entkoppelt von ihrer historischen Produktion. Der moderne Einzelhandel bevorzugt asset-leichte Geschäftsmodelle gegenüber traditionellen, vertikal integrierten Betrieben. Eterna ist das jüngste Opfer dieser Entwicklung.

Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.

 <b>Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.</b>

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt anmelden.
Für immer kostenlos

boerse | 68653613 |