Energiekrise, Berlin

Energiekrise: Berlin berät mit Luftfahrt über Kerosin-Engpässe

20.04.2026 - 05:09:55 | boerse-global.de

Die Bundesregierung berät mit Luftfahrt- und Logistikbranche über akute Treibstoffknappheit und Preistreiber. Neue Transparenzregeln und steigende Raffineriemargen belasten den Markt.

Energiekrise: Berlin berät mit Luftfahrt über Kerosin-Engpässe - Foto: über boerse-global.de
Energiekrise: Berlin berät mit Luftfahrt über Kerosin-Engpässe - Foto: über boerse-global.de

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche traf sich heute in Berlin mit Vertretern von Fluggesellschaften, Flughafenbetreibern und Kraftstofflieferanten. Der Gipfel soll kritische Engpässe bei der Kerosinversorgung angehen und die Umsetzung neuer Preis-Transparenzregeln besprechen. Auslöser der Krise sind regionale Konflikte im Nahen Osten, die seit dem Frühjahr traditionelle Lieferrouten unterbrechen und den europäischen Logistiksektor unter nie dagewesenen Druck setzen.

Neue Preistreiber: Raffinerien und Logistik

Der Gipfel findet vor dem Hintergrund der ersten großen Bewährungsprobe für die neue Kraftstoffpreis-Regelung statt. Seit dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich, um 12:00 Uhr mittags, anheben. Preissenkungen bleiben jederzeit möglich. Die Maßnahme soll extreme Schwankungen eindämmen – Ende Februar gab es an manchen Stationen noch über 20 Preisanpassungen pro Tag.

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Verstöße gegen die Mittags-Regel können Bußgelder von bis zu 100.000 Euro nach sich ziehen. Das Bundeskartellamt überwacht die Einhaltung in Echtzeit. Ein Quartalsbericht vom 27. März offenbart besorgniserregende Entwicklungen: Während die Rohölkosten im März um etwa 16,3 Cent pro Liter stiegen, schnellten die Dieselpreise an der Tankstelle um mehr als 50 Cent in die Höhe. Das zeigt: Raffineriemargen und Logistik-Zuschläge sind zu den dominierenden Preistreibern geworden.

Drohende Kerosin-Lücke zwingt zum Handeln

Die Verfügbarkeit von Flugbenzin ist zur größten Sorge der Bundesregierung avanciert. Ministerin Reiche betonte zwar, dass physische Engpässe in Deutschland noch nicht kritisch seien, mahnte aber zur Vorbereitung auf weitere Störungen. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt: Mehrere europäische Länder könnten binnen der nächsten sechs Wochen ein akutes Kerosin-Defizit erleben. Grund ist die Abhängigkeit von Lieferungen aus der Golfregion, die etwa 50 Prozent des EU-Bedarfs decken.

Die Versorgungsketten für Jet Fuel stehen laut dem Deutschen Flughafenverband (ADV) unter enormem Druck. Begrenzte Raffineriekapazitäten und eine spezialisierte Produktstruktur verschärfen die Lage. Die Regierung hat bereits Teilmengen aus den nationalen Ölreserven freigegeben. Die wirtschaftlichen Folgen für die Airlines sind bereits sichtbar: Die Lufthansa gab am 16. April die Schließung ihrer Regionaltochter Cityline bekannt. Seit Ende Februar seien die Kerosinpreise um mehr als 35 Prozent gestiegen.

Zwang zum Öko-Sprit trotz Krise

Trotz der akuten Energiekrise hält die Bundesregierung an den ReFuelEU Aviation-Zielen fest. Seit dem 1. Januar 2025 gilt für alle Abflüge aus EU-Flughäfen eine verpflichtende Beimischquote von zwei Prozent nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF). Für 2026 kommt eine spezielle Unterquote für synthetisches Power-to-Liquid (PtL)-Kerosin von 0,5 Prozent hinzu.

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Auf dem Gipfel wiesen Branchenvertreter auf die enorme Preisschere zwischen konventionellem und nachhaltigem Treibstoff hin. Synthetisches E-Kerosin ist derzeit noch deutlich teurer. Um die regulatorischen Kosten zu stemmen, hat die Lufthansa Group ihre Umweltzuschläge ausgeweitet. Sie liegen je nach Strecke zwischen 1 und 72 Euro pro Ticket. Zusätzlichen finanziellen Druck erzeugt der Wegfall der kostenlosen CO2-Zertifikate im EU-Emissionshandel 2026.

Logistik-Branche schlägt Alarm

Die gesamte Logistikbranche fordert nun weitere staatliche Hilfen, um eine Systemkrise abzuwenden. Der Bundesverband Güterkraftverkehr (BGL) meldet: Die Dieselkosten für den Straßentransport stiegen allein im März um etwa 28 Prozent. Pro Fahrzeug entstehen so monatlich geschätzte 1.200 Euro Mehrkosten. Die Branche verlangt temporäre Entlastungen durch Mautsenkungen und ein Aussetzen der jüngsten CO2-Abgabenerhöhung, die zu Jahresbeginn 6 bis 8 Cent pro Liter ausmachte.

Das Wirtschaftsministerium prüft ein „Industriestrompreis“-Modell für energieintensive Sektoren wie Raffinerien. Finanzminister Lars Klingbeill dämpfte jedoch Erwartungen an weitere Steuersenkungen für Kraftstoffe. Der Staat habe im März bereits 500 Millionen Euro zusätzliche Mehrwertsteuer durch die Preisrally eingenommen.

Was kommt nach dem Gipfel?

Mit Blick auf die beginnende Reisesaison will die EU-Kommission am 22. April ein Konzept zur koordinierten Raffinerienutzung in der EU vorlegen. Ziel ist ein transparenteres Überwachungssystem für Kerosin-Bestände, um Engpässe an Drehkreuzen wie Frankfurt und München zu verhindern.

Ministerin Reiche schloss den Gipfel mit dem Hinweis, der Fokus liege auf marktbasierten Lösungen. Die Beweislast für Preiserhöhungen bleibe bei den Mineralölkonzernen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die „Mittagspreis-Regel“ und schärfere Kartellaufsicht den Markt stabilisieren können – oder ob direktere Preis-Eingriffe nötig werden, um das deutsche Transportnetz am Laufen zu halten.

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