EMFV: Neue Alleinherrschaft für Elektrosmog-Schutz am Arbeitsplatz
08.01.2026 - 19:53:12Deutsche Unternehmen müssen ihre Gefährdungsbeurteilungen für elektromagnetische Felder (EMF) jetzt ausschließlich nach staatlicher Verordnung vornehmen. Die alte Doppelregelung ist Geschichte.
Seit Jahresbeginn 2026 gilt in deutschen Betrieben ein vereinheitlichtes, aber verschärftes Regelwerk zum Schutz vor elektromagnetischen Feldern. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat ihre Handlungsempfehlungen aktualisiert und macht damit den Weg frei für die alleinige Geltung der Arbeitsschutzverordnung zu elektromagnetischen Feldern (EMFV). Die jahrzehntealte DGUV Vorschrift 15 (ehemals BGV B11) der Berufsgenossenschaften wurde Ende 2025 formell aufgehoben. Für Unternehmen bedeutet das: Alte Dokumente sind obsolet, neue Risikobewertungen nach dem EMFV-Rahmen sind Pflicht.
Ende einer Doppelregelung: DGUV Vorschrift 15 außer Kraft
Die Deregulierung markiert einen Systemwechsel. Bisher existierten mit der staatlichen EMFV und der berufsgenossenschaftlichen DGUV Vorschrift 15 zwei parallele Regelwerke – eine Quelle für Unsicherheit. Das „Gremium für Arbeitsschutzgrundsätze“ der DGUV beschloss die Aufhebung, um diese Duplizierung zu beenden.
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Für die meisten Branchen, etwa im Bereich der BG Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI), trat die Außerkraftsetzung am 1. Dezember 2025 in Kraft. Andere Bereiche folgten bereits im September 2025. Der Januar 2026 ist somit der erste volle Monat, in dem die EMFV der einzig verbindliche rechtliche Standard ist. Die BAuA betont in ihrer aktuellen Online-Leitlinie: Bestehende Gefährdungsbeurteilungen müssen überprüft und angepasst werden. Die frühere „Vermutungswirkung“ der Unfallverhütungsvorschrift gilt nicht mehr.
TREMF wird zum alleinigen technischen Maßstab
Mit dem Auslaufen der Genossenschaftsregel rücken die Technischen Regeln zur EMFV (TREMF) in den alleinigen Fokus. Sie konkretisieren die Verordnung und gliedern sich in drei spezifische Teile:
- TREMF NF: Für statische und niederfrequente Felder (0 Hz bis 10 MHz), relevant in Energieversorgung und Industrie.
- TREMF HF: Für hochfrequente Felder (100 kHz bis 300 GHz), wichtig für Telekommunikation und industrielle Erwärmung.
- TREMF MR: Enthält Sonderregeln für Magnetresonanztomographie (MRT) in der Medizin.
Experten weisen darauf hin: Zwar sind die Grenzwerte in den TREMF oft ähnlich den alten DGUV-Vorgaben, die Methodik der Risikobewertung hat sich geändert. Die EMFV legt stärkeres Gewicht auf die „Auslöseschwellen“ und verlangt einen detaillierteren Nachweis der Fachkunde der verantwortlichen Personen.
Dringender Handlungsbedarf für Arbeitgeber
Die BAuA fordert Arbeitgeber zu konkreten Schritten im ersten Quartal 2026 auf. Kernstück ist die aktualisierte Gefährdungsbeurteilung.
Diese Checkpunkte sind jetzt entscheidend:
1. Dokumenten-Check: Verweisen bestehende Unterlagen explizit auf EMFV und TREMF? Dokumente, die nur „BGV B11“ oder „DGUV Vorschrift 15“ nennen, sind veraltet und bei Betriebsprüfungen womöglich ungültig.
2. Implantat-Träger: Die EMFV verlangt spezifische Beurteilungen für Beschäftigte mit aktiven (z.B. Herzschrittmacher) oder passiven Implantaten. Die TREMF definiert hier eigene, oft strengere Schwellenwerte.
3. Fachkunde-Nachweis: Die Gefährdungsbeurteilung muss von einer „fachkundigen Person“ durchgeführt werden. Diese muss nun aktuelles Wissen zu den TREMF nachweisen, nicht nur allgemeine EMF-Erfahrung.
Harmonisiert, aber verschärft: Der neue Rechtsrahmen
Der Übergang stellt eine Harmonisierung mit der europäischen Richtlinie 2013/35/EU dar. „Die Aufhebung der DGUV Vorschrift 15 beseitigt Rechtsunsicherheit“, so Branchenbeobachter. „Bisher mussten Unternehmen oft zwei Grenzwertsätze prüfen. Jetzt ist die EMFV die einzige Quelle. Das heißt aber auch, dass staatliche Aufsichtsbehörden – nicht nur Technische Aufsichtsbeamte der BG – ein stärkeres Auge auf die EMF-Dokumentation werfen könnten.“
Für viele Standard-Büroumgebungen bleibt die Bewertung vereinfacht. In Industriebetrieben mit Schweißanlagen, Induktionserwärmung oder Elektrolyse ist die präzise Messung und Berechnung nach TREMF jedoch jetzt zwingend.
Ausblick 2026: Schulungen und Vereinfachungen
Branchenverbände werden im Laufe des Jahres neue Schulungsmodule anbieten, um die Lücke durch die weggefallene DGUV-Vorschrift zu schließen. Der Fokus liegt auf der praktischen Anwendung der vereinfachten Bewertungsmethoden in den TREMF, um den Verwaltungsaufwand besonders für KMU zu reduzieren.
Arbeitgebern wird dringend geraten, ihre Gefährdungsbeurteilungen für physikalische Einwirkungen zu überprüfen. Wurde eine Beurteilung seit 2023 oder früher nicht aktualisiert, ist eine Anpassung an die alleinige Geltung der EMFV essenziell – für rechtliche Sicherheit bei Unfällen oder Kontrollen.
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