EFRAG startet freiwillige Nachhaltigkeitsberichte nach EU-Regulierungsbruch
03.04.2026 - 00:21:40 | boerse-global.de
Die EU hat die Pflicht zur Nachhaltigkeitsberichterstattung für Tausende Unternehmen gestrichen. Jetzt schafft der europäische Berater EFRAG ein freiwilliges Ersatzsystem für die betroffenen Firmen.
Seit Mitte März gilt die neue Omnibus-I-Richtlinie. Sie hat die Schwellenwerte für die Pflichtberichterstattung massiv erhöht. Nur noch Großunternehmen mit über 1.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 450 Millionen Euro müssen verbindlich nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichten. Analysten schätzen, dass rund 90 Prozent der bisher betroffenen Firmen damit aus der Pflicht fallen.
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Freiwilliger Standard für die „regulatorische Grauzone“
Doch der Markt verlangt weiterhin ESG-Daten von Banken und Investoren. Als Antwort entwickelt EFRAG jetzt einen freiwilligen Berichtsstandard (VS). Ein erster Aufruf zur Interessensbekundung läuft seit Anfang April. Zielgruppe sind jene Unternehmen, die zwar keine KMU sind, aber unter der neuen 1.000-Mitarbeiter-Schwelle liegen.
„Wir befinden uns in einer regulatorischen Grauzone“, kommentiert eine Marktbeobachterin. „Viele Firmen wollen aus Wettbewerbsgründen weiter berichten, brauchen aber einen einfacheren Rahmen.“ Der neue Standard soll auf den vereinfachten ESRS für KMU aufbauen. Die EU-Kommission will die endgültige Fassung bis zum 19. Juli 2026 verabschieden.
Prüferkrise und digitale Integration
Während sich für viele der Druck verringert, stehen die verbleibenden Großkonzerne vor einer neuen Herausforderung: der Integration von Nachhaltigkeitsdaten in den Jahresabschluss. Die sogenannte „Verification Body Crisis“ belastet Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Der Sprung von der reinen Treibhausgasprüfung zur umfassenden ESG-Berichtsprüfung überfordert viele.
EFRAG setzt auf digitale Lösungen. Die XBRL-Taxonomie soll Nachhaltigkeitsinformationen maschinenlesbar machen – ähnlich wie Finanzkennzahlen. Technische Treffen Ende März betonten diese Interoperabilität. Als Atempause für viele Firmen dienen „Stop-the-Clock“-Regelungen, die die Pflicht für bestimmte Gruppen um zwei Jahre verschieben.
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Globales Durcheinander trotz EU-Entspannung
Während die EU den regulatorischen Zug lockert, ziehen andere große Märkte an. In den USA sind die SEC-Klimaregeln derzeit ausgesetzt. Ganz anders Kalifornien: Der Climate Corporate Data Accountability Act (SB 253) schreitet voran. Ab August 2026 müssen große Unternehmen, die im Staat Geschäfte machen, ihre Emissionen offenlegen – unabhängig von der Bundesebene.
Für europäische Unternehmen heißt das: Sie müssen die nationale Umsetzung der Omnibus-Richtlinie genau beobachten. Die Mitgliedstaaten haben bis zum 19. März 2027 Zeit. Der Erfolg der freiwilligen Standards wird letztlich davon abhängen, ob die Kapitalmärkte sie als vertrauenswürdigen Ersatz für die strengen ESRS akzeptieren. Die Bewährungsprobe für die neue Ära der Unternehmensberichterstattung hat gerade erst begonnen.
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