Effizienzlohn, Schlüssel

Effizienzlohn wird zum Schlüssel in TV-L-Verhandlungen

11.02.2026 - 20:04:12

Die Tarifverhandlungen für Landesbeschäftigte könnten die Lohnpolitik neu definieren. Höhere Gehälter werden als strategisches Instrument gegen den Fachkräftemangel diskutiert.

In Potsdam verhandeln Gewerkschaften und Länder über höhere Löhne für den öffentlichen Dienst. Die fast hundert Jahre alte Effizienzlohntheorie könnte die Debatte grundlegend verändern – weg von reinen Kostenfragen, hin zu einer strategischen Investition.

Die dritte und möglicherweise entscheidende Verhandlungsrunde läuft vom 11. bis 13. Februar. Ver.di und der dbb fordern sieben Prozent mehr Gehalt oder mindestens 300 Euro mehr bei zwölf Monaten Laufzeit. Die Arbeitgeberseite der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) hält sich mit einem konkreten Angebot noch bedeckt. Sie deutete lediglich eine lange Laufzeit von 29 Monaten und eine Erhöhung knapp über der Inflationserwartung an.

Was ist ein Effizienzlohn?

Die Theorie beschreibt ein Gehaltsniveau, das Arbeitgeber freiwillig über dem marktüblichen Satz zahlen. Dahinter steckt keine Großzügigkeit, sondern kalkulierter Nutzen. Ein höherer Lohn soll vier zentrale Vorteile bringen:

  • Bessere Bewerber: Er lockt einen größeren und qualifizierteren Pool an Fachkräften an.
  • Weniger Kündigungen: Gut bezahlte Mitarbeiter wechseln seltener den Job. Das spart teure Neueinstellungen.
  • Höhere Motivation: Als fair empfundene Bezahlung steigert die Arbeitsmoral und Leistung.
  • Weniger „Dienst nach Vorschrift“: Wer viel verdient, will seinen lukrativen Posten nicht durch Faulheit riskieren.

Im Kern ist der Lohn damit kein reiner Kostenfaktor mehr, sondern ein aktives Instrument zur Steigerung der Produktivität.

Warum die Theorie jetzt passt

Die aktuelle Tarifrunde für rund 925.000 Landesbeschäftigte ist ein Paradebeispiel. Der öffentliche Dienst kämpft im „War for Talents“ mit der Privatwirtschaft um IT-Spezialisten, Ingenieure und Verwaltungsexperten. Ein Inflationsausgleich allein reicht oft nicht mehr, um diese Fachkräfte zu halten oder zu gewinnen.

Die Gewerkschaftsforderung kann auch als Versuch gelesen werden, einen solchen Effizienzlohn-Effekt zu erzielen. Ein spürbares Plus würde die Attraktivität des Staates als Arbeitgeber erhöhen. Die höheren Personalkosten könnten sich durch geringere Fluktuation und eine produktivere Verwaltung langfristig auszahlen.

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Doch die Länder zögern. Ihre Haushalte sind angespannt. Ihr Vorschlag einer 29-monatigen Laufzeit stieß bei den Gewerkschaften auf scharfe Kritik – sie halten ihn für völlig unzureichend.

Lohnpolitik wird zur Überlebensfrage

Die Verhandlungen finden an einem wirtschaftlichen Wendepunkt statt. Prognosen sagen für 2026 zwar leichtes Wachstum voraus, warnen aber vor strukturellen Problemen. Der Fachkräftemangel bleibt der bestimmende Faktor über alle Branchen hinweg.

Vor diesem Hintergrund wird die Bezahlung zur strategischen Notwendigkeit. Eine Lohnpolitik, die sich an den Prinzipien des Effizienzlohns orientiert, könnte zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden – auch für den Staat.

Die Ergebnisse dieser Woche haben daher Signalwirkung. Sie beeinflussen die Lohnentwicklung in ganz Deutschland. Sollten die Gespräche scheitern, droht eine vierte Runde unter noch höherem Druck. Eines zeigt die Debatte schon jetzt: Im Jahr 2026 geht es bei Löhnen um mehr als Verteilung. Es geht um Investitionen in das wichtigste Kapital.

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