E-Rezept, Digitalisierung

E-Rezept: Digitalisierung schreitet voran, Apotheker protestieren

08.03.2026 - 00:00:04 | boerse-global.de

Die Gematik treibt die Verzahnung von E-Rezept und digitaler Patientenakte voran, während Apotheken mit einem bundesweiten Protesttag auf finanzielle Belastungen reagieren.

E-Rezept: Digitalisierung schreitet voran, Apotheker protestieren - Foto: über boerse-global.de
E-Rezept: Digitalisierung schreitet voran, Apotheker protestieren - Foto: über boerse-global.de

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens bleibt ein Spannungsfeld zwischen technischem Fortschritt und praktischen Problemen. Während die Behörden den Weg für eine tiefere Vernetzung ebnen, kündigt sich massiver Widerstand von Apotheken an.

Gematik-Roadmap: E-Rezept und digitale Patientenakte rücken zusammen

Die nationale Digitalagentur Gematik hat ihren aktualisierten Fahrplan für die Telematikinfrastruktur veröffentlicht. Ein zentrales Ziel für 2026 ist die engere Verzahnung des E-Rezepts mit der elektronischen Patientenakte (ePA). Im ersten Halbjahr soll der vollständig digitalisierte Medikationsprozess starten. Dabei werden Daten ausgestellter E-Rezepte automatisch in den digitalen Medikationsplan innerhalb der ePA übertragen. Das soll Ärzten einen lückenlosen Überblick über die Arzneimittelgeschichte ihrer Patienten geben und Wechselwirkungen vermeiden.

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Bis Ende 2026 will Gematik zudem weitere Heilberufe an das System anschließen. Physio- und Ergotherapeuten sowie Pflegeeinrichtungen sollen dann ebenfalls digitale Verordnungen nutzen können.

Atempause für Apotheken: CardLink-Verfahren bis 2027 verlängert

Eine wichtige Entscheidung betrifft das Übergangsverfahren CardLink. Es erlaubt Patienten, E-Rezepte per Smartphone und NFC-fähiger Gesundheitskarte einzulösen. Die Lizenz für dieses Verfahren wurde nun offiziell bis zum 31. Januar 2027 verlängert. Das verschafft vor allem Online-Apotheken Planungssicherheit.

CardLink überbrückt die Zeit bis zur Einführung des Nachfolgesystems Proof of Patient Presence (PoPP). Dieses Modul soll die aktuelle SMS-PIN-Verifizierung durch eine nahtlosere Authentifizierung via HealthID ersetzen. Der Rollout von PoPP ist für Ende 2026 geplant.

ABDA ruft zum Protest: Apotheken schlagen Alarm

Trotz dieser Schritte formiert sich massiver Widerstand. Die ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, hat für Montag, den 23. März 2026, einen bundesweiten Protesttag ausgerufen. Der Grund: Die Apotheken fühlen sich mit den Kosten und dem Aufwand der Digitalisierung im Stich gelassen.

Sie klagen über systembedingte Ausfälle, hohe Investitionen in Hardware und eine seit Jahren stagnierende Festvergütung von 8,35 Euro pro Rezeptpackung. Die ABDA pocht auf die Einhaltung des Koalitionsvertrags, der eine Anhebung auf 9,50 Euro vorsieht. An dem Protesttag bleiben zahlreiche Apotheken geschlossen. Die Notdienstversorgung ist sichergestellt. Zentrale Kundgebungen sind in Berlin, München, Hannover und Düsseldorf geplant.

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Marktturbulenzen: Hersteller unter Druck

Die unsichere Rollout-Planung trifft auch die Hersteller von TI-Hardware. Das zeigt das Beispiel des Anbieters Cherry SE. Das Unternehmen meldete für 2025 einen Umsatzrückgang auf 94,3 Millionen Euro. Als Grund nannte die Führung unter anderem verschobene TI-Einführungsphasen, die zu verzögerten Terminal-Bestellungen führten.

Cherry reagiert nun mit einer strategischen Neuausrichtung. Der Konzern prüft den Verkauf seiner Sparte Digital Health & Solutions oder des Peripherie-Geschäfts. Ein Zeichen für die Volatilität eines Marktes, der stark von staatlichen Vorgaben abhängt.

Europäischer Kontext: Deutschland muss Anschluss halten

Während Deutschland seine Systeme optimiert, schreitet die europäische Vernetzung voran. Österreich hat Ende Februar 2026 erfolgreich seinen grenzüberschreitenden E-Rezept-Service unter der EU-Initiative MyHealth@EU gestartet. Deutsche Experten sehen in den nationalen Optimierungen wie der ePA-Integration und PoPP notwendige Voraussetzungen, um diesem Netzwerk beizutreten.

Bis 2029 soll die grenzüberschreitende Rezept-Einlösung in der gesamten EU verpflichtend werden. Die deutschen Reformen dienen also nicht nur der heimischen Effizienz, sondern auch dem Anschluss an einen europäischen Digitalstandard.

Die weitere Entwicklung hängt nun maßgeblich vom Dialog mit den Apotheken ab. Gelingt es, die technologischen Ziele mit einer tragfähigen Wirtschaftlichkeit für die Leistungserbringer zu verbinden, könnte das E-Rezept langfristig die Patientenversorgung verbessern. Der Protesttag am 23. März wird ein erster Stresstest für diesen Balanceakt.

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