DORA, Kampf

DORA: 13 Jahre Kampf gegen Publish or Perish

16.04.2026 - 11:01:55 | boerse-global.de

Die Forschungsbewertung steht vor einem Wandel: Neue Initiativen wie CoARA und Narrative CVs sollen die Qualität vor Quantität stellen und gegen Burnout und Massenproduktion ankämpfen.

DORA: 13 Jahre Kampf gegen Publish or Perish - Foto: über boerse-global.de
DORA: 13 Jahre Kampf gegen "Publish or Perish" - Foto: über boerse-global.de

Was 2012 als Initiative von Zellbiologen begann, ist heute eine globale Bewegung gegen die Vorherrschaft reiner Zahlen in der Forschung. Doch trotz breiter Unterstützung bleibt der Publikationsdruck ein zentrales Problem. Aktuell steht das System an einem Wendepunkt.

Wenn Metriken die Wissenschaft gefährden

Die negativen Auswüchse einer rein zahlenbasierten Bewertung werden immer deutlicher. Eine Studie vom April 2025 in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" kam zu einem klaren Schluss: Das aktuelle System fördert Karrieren oft auf Kosten der wissenschaftlichen Qualität. Forscher achten demnach mehr auf Masse als auf Tiefe oder Replizierbarkeit.

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Die Folgen sind messbar. Retraction Watch verzeichnete 2023 einen Rekord von über 10.000 zurückgezogenen Artikeln. Dieser Trend setzte sich 2025 fort. Damals verloren allein 20 Fachzeitschriften ihren Impact-Faktor wegen Unregelmäßigkeiten im Zitierwesen. Experten warnen vor einer "Retract-and-Perish"-Kultur, die Karrieren beendet.

Gleichzeitig verschärft Künstliche Intelligenz den Druck. Studien deuten darauf hin, dass KI-Tools die Flut an minderwertiger Forschung weiter erhöhen können. Die Herausforderung für Institutionen: Ethische Standards für KI zu definieren, ohne hilfreiche Technologie zu blockieren.

Burnout und die Flucht der Talente

Der systemische Druck hat massive menschliche Kosten. Eine Untersuchung der Dublin City University vom Herbst 2025 lieferte alarmierende Zahlen: 86 Prozent der befragten Akademiker berichteten von Burnout. Noch besorgniserregender: 42 Prozent planten den Ausstieg aus der Wissenschaft.

In Deutschland prägte die Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes die Betatte. Nach Protesten unter #IchbinHanna verabschiedete das Kabinett 2024 einen Entwurf mit verbesserter Planbarkeit. Doch die Kritik blieb. Die strukturelle Unsicherheit durch Befristungen treibt den Publikationsdruck weiter an.

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Analysen bestätigen: Die Sorge um die nächste Vertragsverlängerung zwingt Forscher zu kurzfristigen, "sicheren" Projekten. Risikoreichere Langzeitforschung bleibt auf der Strecke. Das Ergebnis? Ein Verlust an Originalität und eine Abwanderung von Talenten in die Privatwirtschaft.

CoARA und der Aufstieg des "Narrative CV"

Als Gegenbewegung gewinnt die Coalition for Advancing Research Assessment (CoARA) massiv an Bedeutung. Bis Ende 2025 traten über 700 Organisationen der Allianz bei. Sie verpflichten sich, die Forschungsbewertung grundlegend zu reformieren und Kennzahlen wie den Journal Impact Factor nicht mehr für Personalentscheidungen zu nutzen.

Ein zentrales Werkzeug dieser Reform ist der "Narrative CV". Statt langer Publikationslisten stehen hier kurze Darstellungen der wichtigsten Forschungsbeiträge im Vordergrund. Organisationen wie der Schweizerische Nationalfonds haben bereits Aktionspläne vorgelegt. Ziel ist es, die Vielfalt wissenschaftlicher Arbeit – von Datensätzen bis zum Gesellschaftstransfer – endlich angemessen zu würdigen.

Die Fortschrittsberichte von CoARA zeigen: Dieser Kulturwandel braucht Zeit. Der Erfolg hängt stark von der Umsetzung in den Berufungskommissionen vor Ort ab. Doch die Richtung ist klar: Eine qualitative Bewertung wird zum neuen Standard, um exzellente Forschung von Massenproduktion zu unterscheiden.

Wohin steuert die Reputationsökonomie?

Die Abkehr von "Publish or Perish" ist mehr als ein neues Formular. Sie transformiert die akademische Reputationsökonomie fundamental. Jahrzehntelang waren renommierte Journale die Gatekeeper für Karrieren. Jetzt verlagert sich die Macht.

Durch Open Science und alternative Metriken gewinnen die wissenschaftlichen Communities selbst an Einfluss. Die Qualitätssicherung kann sich nicht mehr allein auf den Markennamen eines Journals verlassen. Angesichts von "Paper Mills" und manipuliertem Peer-Review müssen Universitäten eigene Integritätsmechanismen stärken.

Der Fokus auf Sinn und Menschen wird zum Wettbewerbsvorteil. Wer im globalen "War for Talents" bestehen will, muss Forschenden eine nachhaltige Perspektive bieten. Die Zukunft der Bewertung liegt in transparenten, fachspezifischen Expertenurteilen – nicht in algorithmischer Automatisierung. Der Weg führt zu einer Kultur, in der Neugier und gesellschaftlicher Nutzen wieder zählen.

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