Docusign Iris: KI erklärt Verträge in Klartext
14.01.2026 - 12:52:11Docusign stattet seine E-Signatur-Plattform mit einer KI aus, die komplexe Verträge in einfache Sprache übersetzt. Das soll das Risiko verringern, dass Nutzer etwas unterschreiben, was sie nicht verstehen.
San Francisco — Der E-Signatur-Pionier Docusign will das Vertragschaos beenden. Mit einer neuen KI-Funktion namens Iris übersetzt die Plattform ab sofort juristischen Fachjargon in verständliche Zusammenfassungen. Nutzer können zudem direkt im Dokument Fragen stellen – etwa zu versteckten Kosten oder Kündigungsfristen – und erhalten präzise Antworten, die aus dem Vertragstext abgeleitet werden.
Die Falle des blinden Unterschreibens
Hintergrund ist ein weit verbreitetes Problem: Viele Menschen unterschreiben Verträge, ohne sie vollständig zu durchschauen. Eine von Docusign in Auftrag gegebene Umfrage unter 1.000 US-Amerikanern bestätigt das. Fast 60 Prozent der Befragten gaben zu, schon einmal Bedingungen akzeptiert zu haben, die sie nicht ganz verstanden. Rund 75 Prozent sagten, sie würden mit einer KI-gestützten Zusammenfassung sicherer unterschreiben.
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„Unser Ziel ist es, Vertrauen in den Unterzeichnungsprozess zu bringen“, erklärt Mangesh Bhandarkar, Group Vice President of Product Management bei Docusign. Die neue KI soll die Angst und Reibung bei wichtigen Geschäften wie Miet- oder Arbeitsverträgen nehmen. Aus einem passiven Unterschrifts-Tool wird so ein aktiver Verständnis-Partner.
Spezial-KI vs. Allgemeinwissen
Der Clou liegt in der Spezialisierung. Iris ist keine allgemeine Sprach-KI wie ChatGPT, sondern wurde gezielt mit Vertragsdaten trainiert. Das soll „Halluzinationen“ – also das Erfinden von Fakten – verhindern. Die KI arbeitet mit einem „Retrieval-Augmented Generation“-Ansatz. Das bedeutet: Jede Antwort wird mit einem Zitat aus dem konkreten Dokument belegt. Fragt ein Nutzer nach der Garantiedauer, zeigt Iris nicht nur die Antwort, sondern markiert die entsprechende Klausel.
Für Geschäftskunden bringt das Update weitere Effizienzgewinne. Die KI erkennt automatisch, um welche Art von Vertrag es sich handelt – etwa einen Geheimhaltungsvertrag (NDA) – und platziert Signatur- und Datumsfelder selbstständig an der richtigen Stelle. Das spart Verwaltungsaufwand.
Wettlauf um die kluge Signatur
Das Timing ist strategisch. Der Markt für Legal Tech erlebt seit 2025 einen KI-Boom. Mit der Offensive verteidigt Docusign seine Führungsposition gegen Konkurrenten wie Adobe, dessen „Acrobat AI Assistant“ ähnliche Funktionen bietet. Doch Docusigns großer Vorteil ist sein einzigartiger Datenschatz aus Millionen historischer Verträge, mit dem Iris spezifisch trainiert werden kann.
Die Reaktion der Börse blieb verhalten. Die Docusign-Aktie (NASDAQ: DOCU) notierte nach der Ankündigung leicht im Minus. Analysten führen das auf allgemeine Skepsis gegenüber der Profitabilität von KI-Features zurück, nicht auf das Produkt selbst. Investoren warten auf Belege, dass die Neuerungen nicht nur Nutzer binden, sondern auch Premium-Abos verkaufen.
Der nächste Schritt: Verhandelnde KI
Die neuen Funktionen sind mehr als nur ein Upgrade. Experten sehen darin die Basis für den nächsten Trend: „Agentic AI“. Dabei handelt es sich nicht um reaktive Chatbots, sondern um proaktive Systeme, die Aufgaben eigenständig ausführen.
Bereits Ende 2025 testete Docusign angeblich autonome Agenten, die einfache Verträge innerhalb vordefinierter Grenzen aushandeln können. Die jetzige Veröffentlichung gewöhnt Nutzer an die Interaktion mit KI – und ebnet den Weg für die Zukunft. Die nächste logische Phase wäre eine KI, die nicht nur liest, sondern aktiv mitverhandelt: Sie könnte riskante Klauseln markieren und in Echtzeit alternative Formulierungen vorschlagen.
Die neuen Funktionen für Unterzeichner und die Vertragserkennung sind ab sofort für Kunden in den USA, Großbritannien und Australien verfügbar. Die automatische Feldplatzierung folgt in den kommenden Wochen für den US-Markt. Langfristig plant Docusign, Iris auch für das „Post-Signature“-Management einzusetzen. Die KI könnte dann an Verlängerungstermine erinnern, die Einhaltung von Bedingungen überwachen und bei Änderungen warnen. Aus einem statischen PDF würde so ein lebendiger, datengesteuerter Vertragspartner.
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