Dissoziative Identitätsstörung: Zwischen Trauma, Kontroverse und Therapie
16.02.2026 - 08:39:12Die dissoziative Identitätsstörung (DIS) polarisiert die Fachwelt wie kaum eine andere Diagnose. Während sie in den offiziellen Handbüchern als schwere Traumafolgestörung anerkannt ist, stellen Kritiker ihre Existenz infrage. Die Debatte ist neu entfacht – nicht zuletzt durch die zunehmende Sichtbarkeit des Themas in sozialen Medien.
Ein echtes Leiden oder therapeutische Suggestion?
Im Kern geht es um eine Frage: Was verursacht die DIS? Das vorherrschende posttraumatische Modell sieht die Störung als Überlebensmechanismus. Extreme, wiederholte Traumata in der Kindheit – wie Missbrauch – führen demnach zur Abspaltung verschiedener Persönlichkeitsanteile.
Das konkurrierende soziokognitive Modell hält dagegen: Symptome könnten durch therapeutische Suggestion oder Medieneinflüsse geformt werden. Kritiker verweisen auf schwankende Diagnosezahlen und darauf, dass die Anzahl der „Anteile“ in Therapien oft wächst.
Trotz der Kontroverse stützen aktuelle Diagnosemanuale wie DSM-5-TR und ICD-11 das Traumamodell. Die DIS ist dort als eigenständige Störung verankert.
Die schwierige Suche nach der richtigen Diagnose
Eine DIS zu erkennen, ist komplex. Die Kriterien sind streng:
* Vorhandensein von zwei oder mehr unterscheidbaren Persönlichkeitszuständen
* Wiederkehrende, ausgeprägte Gedächtnislücken
* Klinisch bedeutsames Leiden oder Alltagsbeeinträchtigungen
Die Symptome überlappen sich stark mit anderen Störungen wie Borderline-Persönlichkeitsstörung oder komplexer PTBS. Fehldiagnosen sind daher häufig und verzögern oft eine angemessene Behandlung.
Viele Betroffene berichten vor allem von Gedächtnislücken und Konzentrationsschwächen – einfache, alltagstaugliche Übungen können hier oft unterstützend wirken. Der kostenlose Report „Gehirntraining leicht gemacht“ bietet 11 Übungen, 7 Praxis‑Tipps und einen Selbsttest, mit dem Sie Konzentration und Gedächtnis gezielt stärken können. Als ergänzende Maßnahme zur Therapie hilfreich, ohne teure Programme. Gratis-Report „Gehirntraining leicht gemacht“ herunterladen
Therapie: Ein langer Weg zur Stabilisierung
Die Behandlung folgt meist einem dreiphasigen Modell, das die Internationale Gesellschaft für Trauma und Dissoziation (ISSTD) empfiehlt.
Phase 1: Sicherheit schaffen
Hier geht es um Krisenbewältigung und Stabilisierung. Betroffene lernen, mit dissoziativen Symptomen umzugehen und eine sichere therapeutische Beziehung aufzubauen.
Phase 2: Das Trauma behutsam bearbeiten
Erst bei ausreichender Stabilität werden traumatische Erinnerungen integriert – stets im tempo des Patienten, um Retraumatisierung zu vermeiden.
Phase 3: Integration und Neuanfang
Das Ziel ist nicht zwingend die Verschmelzung aller Anteile, sondern ihre kooperative Zusammenarbeit. Im Fokus stehen ein kohärenteres Selbstbild und die Gestaltung eines erfüllten Lebens.
Medikamente können begleitend bei Depressionen oder Ängsten helfen, bekämpfen aber nicht die DIS selbst.
Social Media: Fluch und Segen zugleich
Die öffentliche Wahrnehmung ist von reißerischen Film- und Seriendarstellungen geprägt. Soziale Medien haben nun eine neue Dynamik gebracht: Betroffene tauschen sich aus, was Entstigmatisierung fördern kann.
Doch die Gefahr ist groß. Fehlinformationen verbreiten sich rasend schnell, und Laien neigen zu voreiligen Selbstdiagnosen. Experten fordern daher eine faktenbasierte, verantwortungsvolle Aufklärung.
Wohin führt die Forschung?
Die Zukunft liegt in der Integration verschiedener Wissensgebiete. Neurobiologische Studien mit bildgebenden Verfahren sollen die Gehirnmechanismen der Dissoziation entschlüsseln. Längsschnittstudien müssen klären, welche Therapien langfristig wirken.
Neue Diagnosekriterien, wie im ICD-11, zeigen bereits einen Trend zu differenzierteren Betrachtungsweisen. Das übergeordnete Ziel bleibt klar: die Versorgung der Betroffenen zu verbessern und ihnen ein stabiles Leben zu ermöglichen.
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