DIHK, Merz

DIHK drängt Merz zu pragmatischerem China-Kurs

22.02.2026 - 22:40:12 | boerse-global.de

Der DIHK mahnt zu mehr Kooperation mit China, um wirtschaftliche Interessen zu wahren und die wachsende Handelsbilanzlücke zu adressieren, während unfaire Praktiken benannt werden.

Vor Kanzler Friedrich Merz‘ China-Reise fordert die deutsche Wirtschaft eine klare Interessenpolitik. Der Außenhandelschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, mahnt zu mehr Pragmatismus im Umgang mit dem wichtigsten Handelspartner.

Wertekonfrontation bringt nichts

„Wir brauchen bessere Zusammenarbeit“, sagte Treier kurz vor Merz‘ Abreise nach Peking. Der DIHK macht deutlich, dass reine Wertekonfrontation ohne klare wirtschaftliche Interessen wenig hilfreich sei. Die deutsche Industrie setzt auf Engagement statt auf Abkopplung, um die De-Risking-Strategie der EU umzusetzen.

Diese Haltung spiegelt die Überzeugung wider, dass nur direkter Dialog hilft, kritische Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig Marktchancen zu nutzen. Für viele Unternehmen bedeutet das: Lieferketten diversifizieren, aber gleichzeitig Partnerschaften in China vertiefen.

Zwischen Partner und Rivale

Die Forderung nach mehr Kooperation bedeutet keine Naivität. Ein aktuelles Papier des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft (APA) listet massive Probleme auf: unfaire Konkurrenz durch industrielle Überkapazitäten, massive Staatshilfen und den Einsatz von Exportkontrollen als geopolitisches Druckmittel.

Dazu kommen Marktzugangsbarrieren und mangelnder Schutz geistigen Eigentums. Der DIHK sieht in Merz‘ Besuch genau das richtige Forum, diese Themen offen anzusprechen. Die Strategie: öffentlich Kooperation suchen, intern schwierige Punkte klar benennen.

Handelsbilanz sorgt für Alarmzeichen

Hinter dem Pragmatismus stehen handfeste Zahlen. China war 2025 mit einem Gesamthandelsvolumen von 251,8 Milliarden Euro erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner. Doch die Entwicklung bereitet Sorgen.

Die Importe aus China stiegen auf 170,6 Milliarden Euro, während die deutschen Exporte um fast 10 Prozent auf 81,3 Milliarden Euro einbrachen. Diese wachsende Lücke unterstreicht die Dringlichkeit, fairere Wettbewerbsbedingungen durchzusetzen – aus Sicht des DIHK am besten durch konstruktive Spitzengespräche.

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Globale Unsicherheit treibt Annäherung

Der Vorstoß des DIHK kommt in unruhigen Zeiten. Während die USA auf protektionistische Zölle setzen, sucht die deutsche Industrie Stabilität in anderen Partnerschaften. Kanzler Merz selbst sprach von „strategischen Partnerschaften“ mit China als Gegengewicht.

Unternehmen vor Ort bestätigen diesen Kurs: Eine Umfrage der Deutschen Handelskammer in China zeigt, dass 93 Prozent der Firmen bleiben und über die Hälfte ihre Investitionen sogar erhöhen will. Viele setzen auf stärkere Lokalisierung, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Merz reist mit einem klaren Auftrag der Wirtschaft nach Peking: deutsche Interessen verteidigen und unfaire Praktiken ansprechen, aber gleichzeitig die Zusammenarbeit verbessern. Dieser Balanceakt wird die Zukunft einer der wichtigsten Wirtschaftsbeziehungen der Welt prägen.

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