Digitalpakt, Forscher

Digitalpakt 2.0: Forscher fordert sofortigen Stopp vor Start

30.01.2026 - 08:39:12

Ein Bildungsforscher fordert den Stopp des Fünf-Milliarden-Programms, da die bisherige Digitalisierung Lernleistungen sinken ließ. Die Politik steht vor einer grundsätzlichen Weichenstellung.

Ein renommierter Bildungsforscher stellt sich gegen das milliardenschwere Nachfolgeprogramm zur Digitalisierung der Schulen. Er warnt vor einem gefährlichen „Tablet-Wahn“ und einer bildungspolitischen Sackgasse.

Augsburg – Während Bund und Länder die letzten Details für den Start des Digitalpakts 2.0 klären, kommt ein massiver Gegenwind aus der Wissenschaft. Professor Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik an der Universität Augsburg, fordert ein sofortiges Aussetzen des Fünf-Milliarden-Euro-Programms. Seine Begründung ist scharf: Die bisherige Digitalisierung habe die Lernleistungen sinken und psychosomatische Erkrankungen steigen lassen. Ein Weiter-so wäre reine Geldverschwendung.

Die „Concorde-Falle“ der Bildungspolitik

Im Zentrum von Zierers Kritik steht ein grundsätzlicher Denkfehler, den er als „Concorde-Falle“ bezeichnet. Analog zum gescheiterten Überschallflugzeug halte die Politik an einem Projekt fest, nur weil bereits viel investiert wurde – obwohl ein Stopp die rational bessere Entscheidung wäre. „Die bloße Ausstattung mit Tablets und Laptops ist kein Garant für besseren Unterricht“, so der Forscher. Er fordert eine umfassende Auswertung der bisherigen Erfahrungen, bevor weitere Milliarden in Hardware fließen. Seine radikale Forderung: Smartphones sollten komplett aus den Schulen verbannt werden.

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Fünf Milliarden Euro auf der Kippe

Der Vorstoß trifft das bildungspolitische Prestigeprojekt der Ampelkoalition und der Länder direkt. Der Digitalpakt 2.0 war erst im Dezember 2025 beschlossen worden und soll von 2026 bis 2030 laufen. Mit einem Volumen von fünf Milliarden Euro – je zur Hälfte finanziert von Bund und Ländern – zielt das Programm auf mehr als nur Technik. Es soll auch die Lehrerqualifizierung, die Prüfungskultur und eine umfassende „Kultur der Digitalität“ fördern. Ein Stopp würde diesen gesamten Fahrplan infrage stellen.

Internationaler Rückenwind für die Kritiker

Zierer steht mit seiner Haltung nicht allein da. Seine Kritik ist Teil einer globalen Gegenbewegung. Besonders verweist er auf Skandinavien, einst Vorreiter der digitalen Schule. Schweden rudert aktuell zurück und will in Grundschulen wieder stärker auf gedruckte Bücher setzen. Angetrieben wird dieser Kurswechsel durch Warnungen von Instituten wie dem Karolinska-Institut vor negativen Auswirkungen auf Sprachentwicklung und Konzentration. Auch die UNESCO mahnt, dass bei Digitalisierungsprojekten oft wirtschaftliche Interessen über pädagogischen Nutzen stünden.

Grabenkampf: Zukunftsfähigkeit vs. Pädagogik

Die Debatte offenbart einen tiefen Riss. Auf der einen Seite steht das Argument der Zukunftsfähigkeit: Eine digitale Schule sei unverzichtbar, um junge Menschen auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Ein Investitionsstopp würde Deutschland international weiter abhängen.

Die andere Seite, angeführt von Forschern wie Zierer, warnt vor der Unterordnung der Pädagogik unter die Technik. Sie berufen sich auf Studien wie die Hattie-Metaanalyse, die zeigt: Der motivierende Effekt von Tablets verpufft oft schnell. Stattdessen nehmen Ablenkung und oberflächliches Lernen zu. Die Kernfrage lautet also: Wie kann Digitalisierung sinnvoll integriert werden – und muss diese Frage nicht vor weiteren Milliarden-Investitionen geklärt werden?

Ungewisse Zukunft für Schulen

Zierers Intervention wird die Debatte neu anheizen. Ein kompletter Stopp des Pakts gilt als politisch unwahrscheinlich. Doch der Druck auf die Kultusministerien wächst, die Mittel gezielter und evidenzbasiert einzusetzen. Für die Schulen bedeutet das weiterhin Unsicherheit. Sollten sie planen, bestellen, umrüsten – oder erst auf fundierte pädagogische Konzepte warten? Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Politik an ihrem Kurs festhält oder die warnenden Stimmen aus der Wissenschaft eine spürbare Kurskorrektur erzwingen.

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