Digitaler Gesundheitsausweis soll in EU-Wallet aufgehen
23.01.2026 - 18:52:11Deutschland treibt die Verschmelzung seiner digitalen Gesundheitsidentität mit dem europäischen EUDI Wallet voran. Diese Woche brachten politische Signale und ein neues Gesetzesvorhaben Bewegung in die digitale Transformation des Gesundheitswesens.
Gematik bekommt stärkere Rolle im Digitalgesetz
Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte am Donnerstag, die strategische Ausrichtung von gematik in einem neuen, umfassenden Digitalgesetz zu verankern. Die für die Telematikinfrastruktur (TI) zuständige Agentur soll damit ein klares Mandat für die technische Integration zukünftiger Dienste erhalten. Dieser Schritt folgt auf ein Positionspapier großer Krankenkassen wie der Techniker und der BARMER vom 20. Januar. Sie forderten, gematik solle sich auf Infrastruktur und Standards konzentrieren – nicht auf eigene Konkurrenz-Apps.
EU-Wallet wird zum universellen digitalen Schlüsselbund
Die Debatte ist eng mit dem europäischen EUDI Wallet verknüpft, das bis Ende 2026 in allen Mitgliedstaaten verfügbar sein muss. Die Smartphone-Anwendung soll als digitaler Amtsschlüssel für Ausweise, Führerscheine und sogar elektronische Rezepte dienen. Politiker sehen sie zunehmend als logischen Nachfolger nationaler Insellösungen. „Der Wallet bietet klare Vorteile für Apotheken vor Ort“, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Markus Reichel diese Woche. Deutschlands Sonderweg mit der eigenen GesundheitsID müsse letztlich im europäischen System aufgehen.
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Übergang soll schrittweise und inklusiv verlaufen
Der Weg von der chipbasierten Gesundheitskarte (eGK) zum digitalen Wallet ist als evolutionärer Prozess angelegt. Die bereits gesetzlich vorgeschriebene GesundheitsID der Krankenkassen soll bald rechtlich der physischen Karte gleichgestellt werden – etwa für den Versicherungsnachweis in Praxen. Doch die Plastikkarte wird nicht abrupt abgeschafft. Dieser parallele Betrieb soll sicherstellen, dass alle Bürger – unabhängig von technischer Affinität oder Smartphone-Besitz – weiterhin Zugang zur Gesundheitsversorgung haben.
Deutschland sucht Anschluss an europäische Digitalisierung
Die Ankündigungen markieren einen strategischen Kurswechsel für ein Land, das im öffentlichen Sektor oft als digitalisierungsmüde gilt. Durch die klare Verankerung von gematik im Bundesrecht schafft die Regierung eine schlagkräftigere Steuerungsstruktur. Die gleichzeitige Hinwendung zum EU-Wallet zeigt den Willen, sich europäischen Standards anzuschließen. Für Bürger und Unternehmen verspricht das weniger Bürokratie und mehr souveräne Kontrolle über persönliche Daten.
Enge Timeline bis zur Umsetzung 2026
Die kommenden Monate sind entscheidend. Das neue Digitalgesetz muss die Rolle von gematik präzisieren und die rechtliche Grundlage für die EUDI-Integration schaffen. Die technische Umsetzung der Wallet-Lösung bleibt eine Herkulesaufgabe – mit Herausforderungen bei Sicherheit, Datenschutz und Benutzerfreundlichkeit. Die Frist für die Einführung läuft im November 2026 ab. Die erfolgreiche Verschmelzung von GesundheitsID und EU-Wallet wird zum Lackmustest für Deutschlands digitale Ambitionen.


