Digital Omnibus: EU plant Aufschub für KI-Transparenzregeln
09.02.2026 - 12:44:12Die EU-Kommission will zentrale Transparenzvorgaben für KI-Systeme um ein halbes Jahr verschieben. Gleichzeitig fehlt jedoch wichtige Leitlinie für Hochrisiko-KI.
Brüssel – Die Regulierung Künstlicher Intelligenz in Europa droht ins Stocken zu geraten. Während die Kommission mit ihrem neuen „Digital Omnibus“ Erleichterungen für die Industrie plant, hat sie selbst eine gesetzliche Frist für Klarheit bei Hochrisiko-KI verpasst. Für Unternehmen bedeutet das mehr Unsicherheit in der ohnehin komplexen Umsetzungsphase.
Sechsmonatige Schonfrist für KI-Hersteller
Der entscheidende Vorschlag der Kommission betrifft die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der KI-Verordnung. Der „Digital Omnibus“, ein Paket zur Straffung digitaler EU-Gesetze, sieht vor, die Frist für bestimmte Kennzeichnungspflichten zu verschieben.
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Konkret sollen Anbieter von Allzweck-KI-Modellen (GPAI) und Systemen, die synthetische Inhalte wie Audio, Bilder oder Texte erzeugen, sechs Monate länger Zeit bekommen. Statt August 2026 würden die Regeln erst am 2. Februar 2027 voll greifen. Betroffen sind Systeme, die bereits vor August 2026 auf den Markt gebracht wurden.
Hintergrund ist der noch nicht fertiggestellte „Verhaltenskodex“ zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte. Die Verzögerung soll technische Herausforderungen bei der Implementierung von Wasserzeichen und Metadaten in bestehende Systeme abfedern. Juristen sehen darin ein Entgegenkommen an die Industrie.
Kommission verpasst eigene Deadline für Klarheit
Während sie Erleichterungen anbietet, steht die Kommission selbst in der Kritik. Sie hat eine gesetzlich bindende Frist verpasst: Bis zum 2. Februar 2026 musste sie Leitlinien vorlegen, die definieren, welche KI-Systeme als „hochriskant“ eingestuft werden.
Diese Klassifizierung nach Artikel 6 der KI-Verordnung ist entscheidend. Sie löst strenge Auflagen für Sicherheit, Risikomanagement und menschliche Aufsicht aus. Ohne offizielle Leitlinie stehen Entwickler im Ungewissen, während die Hochrisiko-Regeln im August 2026 in Kraft treten sollen.
Der Verzug soll auf umfangreiche Konsultationen Ende 2025 zurückgehen. Die erwarteten Details zu Marktüberwachungsplänen und Risikokennzahlen fehlen jedoch. Branchenverbände warnen vor einem überstürzten Compliance-Prozess, besonders bei KI in kritischer Infrastruktur oder im Personalwesen.
„Agentic AI“ beendet die Phase der Täuschung
Trotz möglicher Aufschübe für Bestandssysteme vollzieht sich im Markt bereits ein Wandel. Für neue, autonome KI-Agenten ist die Ära der Täuschung vorbei. Das sogenannte „Agentic AI“, das komplexe Aufgaben eigenständig löst, macht Transparenz zur Geschäftsgrundlage.
Die Strategie, mit menschlich nicht unterscheidbarer KI zu werben, ist unter der neuen Verordnung obsolet. Große Plattformen wie Salesforce haben bereits interne Vorgaben erlassen: Sprachbots und autonome Agenten müssen ihren Nutzern sofort mitteilen, dass sie keine Menschen sind.
Laut Branchenanalysen führt dies zu einer „Vertrauens-Abrechnung“. Unternehmen stoppen Pilotprojekte, die die neuen Standards für Daten-Governance und Transparenz nicht kosteneffizient erfüllen können. Der Fokus verschiebt sich von bloßer Technologie-Demonstration hin zu praktischem, konformen Einsatz.
Investitionslücke und globaler Wettbewerbsdruck
Die regulatorischen Diskussionen finden vor einer bedrohlichen wirtschaftlichen Lage statt. Europa braucht laut einer Analyse vom 7. Februar etwa 3 Billionen Euro Investitionen in den nächsten fünf Jahren, um seine KI-Industrie zu modernisieren.
Zwar kontrolliert Europa mit der niederländischen Firma ASML Schlüsseltechnologien wie die EUV-Lithographie. Der Druck durch US-amerikanische und chinesische Industriepolitik ist jedoch immens. Jüngste US-Handelsmaßnahmen, darunter Zölle auf Hochleistungschips, verschärfen die Situation.
In diesem Licht ist der „Digital Omnibus“ mehr als bürokratische Nachjustierung. Er wird als notwendige strategische Weichenstellung gesehen, um regulatorische Engpässe zu vermeiden, die das kapitalintensive Wachstum behindern könnten. Die Frage lautet: Schafft Europa den Spagat zwischen Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit?
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