Digid-Sensoren: Roboter bekommen menschliches Fingerspitzengefühl
06.01.2026 - 21:24:12Mainzer Sensor-Pionier Digid hat auf der CES 2026 einen Meilenstein für die Robotik verkündet: Seine nanoskopischen Temperatur- und Kraftsensoren sind jetzt serienreif. Die gedruckten Sensoren, kleiner als ein Tausendstel eines Haares, sollen humanoiden Robotern endlich echtes Tastgefühl verleihen. Damit könnte die Industrie einen jahrzehntealten Engpass überwinden.
Der Kern des Durchbruchs liegt in der Miniaturisierung. Digid produziert funktionale Kraft- und Temperatursensoren mit einer Länge von nur 1 Mikrometer – eine Größenordnung, die bisher als kommerziell nicht darstellbar galt. Mit einem patentierten Druckverfahren lassen sich die Sensoren direkt auf Silizium, Metall oder flexible Polymere aufbringen. Komplexe Mikrosysteme (MEMS) mit Hohlräumen sind nicht nötig.
Die Sensoren können in hochdichten Arrays, etwa als 16×16-Raster, angeordnet werden. So entstehen “smarte Hautschichten” für Roboter-Greifer. “Wir geben Robotern eine sensorische Eingabedichte, die den Nervenenden in menschlichen Fingerspitzen nahekommt”, erklärt CTO Dr. Konstantin Kloppstech. Die Sensoren nutzen piezoresistive Effekte für Kraftmessungen und charakterisierte Widerstandsänderungen für Temperatur. Die Ausgabe sei hochlinear, mit vernachlässigbarer Eigenerwärmung.
Seit August 2024 gelten neue Regeln für KI-Systeme – und das betrifft zunehmend auch humanoide Roboter mit hochauflösenden Taktilsensoren. Die EU‑KI‑Verordnung verlangt unter anderem Risikoklassifizierung, Kennzeichnung und umfangreiche Dokumentation von Algorithmen und Hardware-Integrationen. Unser kostenloser Leitfaden erklärt Schritt für Schritt, welche Pflichten auf Robotikhersteller und Zulieferer zukommen und wie Sie Tests sowie Markteinführung rechtssicher vorbereiten. KI-Verordnung: Umsetzungsleitfaden herunterladen
Lösung für das uralte Roboter-Problem
Die Ankündigung trifft den Nerv der Zeit. Seit Jahren behindert das sogenannte Moravec-Paradox den Fortschritt: Während Roboter mühelos Schach spielen, scheitern sie an simplen motorischen Aufgaben wie dem Greifen eines Weinglases. Die fehlende Feinmotorik und das mangelnde Tastgefühl sind die Hauptgründe.
Digids Technologie setzt genau hier an. Statt sich nur auf Kameras oder grobe Drehmomentsensoren in Gelenken zu verlassen, könnten Roboter mit den Nanosensoren direkt am Kontaktpunkt Oberflächenbeschaffenheit, Temperaturunterschiede und minimalen Druck erfassen. Das ist die Voraussetzung für anspruchsvolle Aufgaben in der Altenpflege, der chirurgischen Assistenz oder dem Umgang mit gefährlichen, zerbrechlichen Materialien.
Serienproduktion senkt die Einstiegshürde
Der entscheidende Schritt von der Messe-Show zur Realität ist die qualifizierte Massenproduktion. Digid hat den Prozess für den breiten industriellen Einsatz freigegeben. Noch vor dem Launch produzierte das Unternehmen über eine Million Sensoren im eigenen Reinraum. Geplant ist nun eine hochskalierte Jahresproduktion im Millionenbereich mit automatisierten Beschichtungsanlagen.
“Wir liefern eine Komplettlösung”, betont Produktchef Dr. Nils Könne. Dazu gehören maßgeschneiderte Sensor-Module und eine Signalverarbeitungs-Software, die die Rohdaten über eine I²C-Schnittstelle in verwertbare Informationen umwandelt. Dieser Ansatz soll Robotikherstellern den Einstieg erleichtern – sie müssen keine eigenen Fabrikationsmethoden mehr entwickeln.
Der “fehlende Link” für den Androiden-Boom
Das Timing ist perfekt. Die humanoide Robotik erlebt derzeit einen explosiven Wachstumsschub. Große Tech-Konzerne drängen mit Allzweck-Robotern in Lagerhallen und Privathaushalte. Der Bedarf an zuverlässigem, hochauflösendem Tastfeedback war nie größer.
Experten vergleichen die Entwicklung mit dem Siegeszug hochauflösender Displays: Mehr “Taktile Pixel” auf der Roboterhand werden die physische Interaktion revolutionieren. Während andere Firmen mit E-Skins experimentieren, bietet Digids Druckverfahren eine einzigartige Kombination aus extremer Miniaturisierung und Skalierbarkeit. Es könnte zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil in der Lieferkette für Androiden der nächsten Generation werden.
Blick in die Zukunft: Sensoren im Nanometer-Bereich
Die Roadmap von Digid sieht noch kleinere Sensoren vor – bis hinab zu 10 Nanometern. Bei dieser Größenordnung eröffnen sich Anwendungen jenseits der Robotik. Denkbar ist das Einbetten von Temperatursensoren direkt in Batteriezellen zur Sicherheitsüberwachung oder auf blanke Silizium-Chips für das thermische Lastenmanagement in Hochleistungsrechnern.
Zunächst steht jedoch die Integration der 1-µm-Sensoren in kommerzielle Roboterflotten im Fokus. Wenn Hersteller diese “fühlenden” Maschinen 2026 testen und einsetzen, könnte sich die Entwicklung autonomer Systeme rapide beschleunigen. Der Traum von der menschenähnlichen Geschicklichkeit rückt damit in greifbare Nähe.
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