Dax-Vorstände verdienen 42 Mal so viel wie die Beschäftigten
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 12:23 Uhr | dpa.deGut 3,9 Millionen Euro erhielt ein Top-Manager der 40 Konzerne im Deutschen Aktienindex. Das ergab die jährliche Auswertung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen Universität München. Demnach stiegen die Bezüge zum Vorjahr um vier Prozent. Ein Großteil sind erfolgsabhängige Boni, die mit Zeitverzug ausgezahlt werden.
Im Durchschnitt aller Dax DE0008469008-Konzerne erhielten die Vorstände 42 Mal höhere Bezüge als die normalen Beschäftigten ihrer Unternehmen. Am stärksten war das Gehaltsgefälle beim Sportartikelhersteller Adidas DE000A1EWWW0: Dort verdiente die Vorstandsriege das 106-fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters. Auch bei Volkswagen DE0007664039 (75-fach) und Fresenius DE000FRE5EN2 (70-fach) überstieg die Gesamtvergütung für den Vorstand bei Weitem die durchschnittlichen Personalaufwendungen je Mitarbeiter.
"Schallmauer" von zehn Millionen Euro in zwei Fällen durchbrochen
Die Bezüge der Dax-Chefs für 2025 summierten sich der Analyse zufolge im Schnitt auf rund 6,14 Millionen Euro. Die "magischen Schallmauer von 10 Millionen Euro", die aus Sicht der Aktionärsschützer "gesellschaftlich und auch innerhalb der Unternehmen noch vertretbar ist" sei in zwei Fällen durchbrochen worden, führte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler aus.
SAP DE0007164600-Chef Christian Klein kam auf eine Gesamtvergütung von rund 10,9 Millionen Euro, wobei fast 86 Prozent auf variable Bestandteile entfallen. Bei Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing waren es 10,5 Millionen Euro mit rund 64 Prozent kurz- und langfristigen Boni, die abhängig vom Geschäftserfolg sind.
Managergehälter zum Beispiel in den USA teils weitaus höher
Im internationalen Vergleich sind solche Vergütungen für Top-Manager aber immer noch gering. Die Vorstandsvorsitzenden (CEO) der Unternehmen im Euro Stoxx 50 kassierten der Auflistung zufolge für das Geschäftsjahr 2025 ohne die dort gelisteten deutschen Konzerne durchschnittlich 9,5 Millionen Euro. Bei den CEOs der 30 Unternehmen im Dow Jones Industrial Average (DJIA) US2605661048 waren es im Schnitt sogar 30,5 Millionen Euro.
An der Spitze des DJIA-Rankings steht David M. Solomon (Goldman Sachs US38141G1040) mit einer Gesamtvergütung von umgerechnet 105,3 Millionen Euro - davon 93,3 Millionen Euro langfristig variabel. Es folgen Satya Nadella (Microsoft US5949181045 / 85,5 Millionen Euro) und Tim Cook (Apple US0378331005 / 65,8 Millionen Euro).
28 der 30 DJIA-CEOs verdienten im vergangenen Jahr mehr als der bestverdienende Dax-Vorstandsvorsitzende, SAP-Chef Klein. Im Euro Stoxx 50, der die 50 größten börsennotierten Unternehmen des Euro-Währungsgebiets abbildet, liegt Klein auf Rang sechs. Spitzenverdiener in diesem Index ist Michel Doukeris vom Brauriesen AB Inbev BE0974293251 mit 63,9 Millionen Euro Gesamtvergütung.
Aktionärsschützer: Langfristigen Unternehmenserfolg belohnen
Angesichts dieses internationalen Umfelds bewege sich Deutschland nicht auf einer Insel, stellte DSW-Hauptgeschäftsführer Tüngler fest. Die Konzerne müssten sich auch bei der Vergütung einem internationalen Wettbewerb stellen.
"Eine hohe Vergütung kann angemessen sein - wenn sie Ausdruck außergewöhnlicher Wertschaffung ist", brachte Tüngler mit Blick auf den Dax zum Ausdruck. Aus Sicht der DSW sei es positiv, dass langfristige variable Bestandteile bei der Vergütung im Deutschen Aktienindex an Bedeutung gewinnen. "Vorstandsvergütung sollte nachhaltigen Unternehmenserfolg belohnen und nicht kurzfristige Quartalsergebnisse", sagte Tüngler.
