Nachahmer-Präparate drücken zum Jahresstart auf Geschäft bei Novartis
28.04.2026 - 11:23:25 | dpa.deIn den drei Monaten bis Ende März mussten die Schweizer einen leichten Umsatzrückgang verkraften. Damit verfehlte der Konzern die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten, und auch das operative Ergebnis fiel schlechter aus als gedacht. Konzernchef Vasant Narasimhan ist aber zuversichtlich, dass Novartis im zweiten Halbjahr wieder wächst und bestätigte daher zur Zahlenvorlage am Dienstag die Jahresziele. Die Aktie sank aber deutlich.
An der Schweizer Börse verlor das Papier im frühen Handel bis zu fünf Prozent und war auch mit zuletzt mehr als zwei Prozent Abschlag noch das Schlusslicht im Schweizer Leitindex SMI CH0009980894. Damit setzt sich der etwa zur Monatsmitte begonnene Kursabschwung weiter fort. Seit dem Jahreswechsel steht nur noch ein Plus von weniger als zwei Prozent zu Buche.
Novartis habe die Schätzungen auf allen Ebenen zum Teil deutlich verfehlt, hieß es von Analysten. Besonders die unerwartet starke Generika-Konkurrenz beim Herzkreislaufmittel Entresto, aber auch beim Hepatitis-Medikament Promacta und der Krebsarznei Tasigna in den USA erkläre einen wesentlichen Teil der Umsatzabweichung, stellten die Experten der Bank Vontobel fest. Die wichtigsten anderen Produkte hätten aber größtenteils besser als erwartet abgeschnitten, urteilte Experte Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan.
Wie Novartis in Basel mitteilte, ging der Erlös im ersten Quartal um ein Prozent auf 13,1 Milliarden US-Dollar (ca 11,2 Mrd Euro) zurück. Zu konstanten Wechselkursen ergab sich ein Minus von 5 Prozent. Dabei hätten einem Umsatzrückgang in den USA Zuwächse in Europa, China und den sogenannten Wachstumsmärkten gegenüber gestanden. In den beiden Vorquartalen waren die Einnahmen von Novartis konzernweit noch gestiegen.
Beim operativen Gewinn verbuchten die Basler in dem Quartal nominal einen Rückgang um 9 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar. Dabei belasteten auch höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Der von Analysten stark beachtete Kern-Betriebsgewinn sank mit 4,9 Milliarden Franken um 12 Prozent, Experten hatten im Schnitt mit 5,2 Milliarden gerechnet. Unter dem Strich ergab sich ein Konzerngewinn von knapp 3,2 Milliarden Dollar, ein Jahr zuvor waren es noch 3,6 Milliarden gewesen.
Der Pharmakonzern steht vor der größten sogenannten Patentklippe seiner Geschichte, weil die milliardenschweren Umsatzbringer wie Entresto, Promacta und Tasigna ihren Patentschutz verloren haben. Der Erlös mit den drei Mitteln brach im ersten Quartal jeweils um einen hohen zweistelligen Prozentsatz ein, bei Promacta gar um 66 Prozent.
Konzern-Chef Narasimhan hatte die gesamte Umsatzbelastung durch Generika Anfang Februar auf etwa 4 Milliarden Dollar geschätzt. Dabei dürften die Auswirkungen laut dem Novartis-Lenker in der ersten Jahreshälfte aber deutlich stärker ausfallen als in der zweiten. Die Umsatzeinbußen durch Nachahmer verliefen "in etwa wie erwartet", erläuterte er nun.
Vor diesem Hintergrund hält Narasimhan an seinen Jahreszielen fest. Zu konstanten Wechselkursen peilt er weiterhin ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich an. Für den operativen Kerngewinn wird ein Rückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich erwartet.
Zuversichtlich zeigte sich der Novartis-Chef ferner für die Mittelfristziele und schloss dabei im weiteren Jahresverlauf eine Anpassung nicht aus: "Ab dem dritten Quartal können wir uns unsere bisherige Guidance nochmals genauer ansehen, weil ab dann Daten zu wichtigen Pipeline-Kandidaten erwartet werden", sagte er.
Ein weiteres wichtiges Thema bleibt die Preissetzung in den USA und Europa. "Wir suchen weiter nach Wegen, unsere innovativen Medikamente möglichst auf allen Märkten zur Verfügung zu stellen", betonte der Novartis-Chef. Dabei zielte er einmal mehr auf die Regierungen der Europäischen Union ab. Sie müssten nach "Lösungen in der Vergütung" suchen, die eine "ausreichende Wertschätzung" der Innovationen sicherstellten. Auch weil die USA nicht mehr bezahlen wollten als andere Länder, müssten sich die Regierungen in Europa "zügig" bewegen. Enttäuscht zeigte sich Narasimhan vor diesem Hintergrund von den Sparplänen der deutschen Regierung. "Das ist das falsche Signal."
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