New York: Trumps Fed-Nominierung bringt Verluste mit sich
30.01.2026 - 16:43:07Während der von US-Präsident Donald Trump vorgeschlagene Nachfolger für den Chef der Notenbank Fed die Risikofreude der Anleger dämpfte, konnten eigentlich starke Quartalszahlen von Apple US0378331005 das Stimmungsbild nicht aufhellen. Der iPhone-Hersteller kämpft nach einem Rekordquartal mit Chip-Engpässen.
Der Leitindex Dow Jones Industrial US2605661048 lag nach einer Handelsstunde 0,4 Prozent tiefer bei 48.890 Punkten. Für die Woche zeichnet sich damit ein ähnlich hohes Minus ab, doch für den Januar verbleibt er mit 1,7 Prozent im Plus. Der marktbreite S&P 500 US78378X1072 fiel am Freitag auch um 0,4 Prozent auf 6.943 Zähler, während der Nasdaq 100 US6311011026 0,7 Prozent auf 25.716 Punkte verlor. Seine Wochenbilanz bleibt damit positiv und für den Januar weist der Tech-Index noch einen Anstieg um 1,8 Prozent auf.
Einem Marktbeobachter zufolge sind die Kursrückgänge am Freitag eine Folge davon, dass der von Trump vorgeschlagene Kevin Warsh von Anlegern nicht so stark als Verfechter tiefgreifender Zinssenkungen empfunden wird. Dieser gilt eigentlich als Vertreter einer eher restriktiven Geldpolitik, soll sich allerdings zuletzt Medienberichten zufolge offen für niedrigere Zinsen gezeigt haben.
Ob Warsh tatsächlich den Wünschen von Trump nach niedrigeren Zinsen folge, bleibe abzuwarten, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der Liechtensteiner VP Bank. Dieser verstehe aber, dass die Fed und deren guter Ruf essenziell für das Wohlergehen der Vereinigten Staaten sei. Es gehe dabei auch um die Stabilität des US-Finanzsystems. "Die schlimmsten Befürchtungen, dass die Fed ihren guten Ruf als verlässliche Notenbank verliert, dürften sich nicht bewahrheiten."
Neben der Geldpolitik blieb vor dem Wochenende die Berichtssaison der Unternehmen im Fokus. Bei Apple US0378331005 reichte ein überraschend starkes iPhone-Rekordquartal nicht für eine positive Kursreaktion, wie der Abschlag von zuletzt 1,4 Prozent zeigt. Der Technologieriese verpasste seinen Anlegern einen Stimmungsdämpfer, indem er von Lieferengpässen für Chips gesprochen hatte. Tim Long vom Analysehaus Barclays setzte hinter die Nachhaltigkeit des Aufschwungs ein Fragezeichen.
Gute Reaktionen gab es im Telekomsektor, angeführt vom Mobilfunker Verizon US92343V1044. Nachdem dieser im vierten Quartal deutlich mehr neue Mobilfunkkunden gewonnen hat als erwartet, ergab sich ein Kursanstieg um acht Prozent. Im Schlepptau zogen die Aktien von T-Mobile US US8725901040 um 3,4 Prozent an. Auch Charter Communications US16119P1084 hatte Gutes zu berichten, wie der Anstieg um zehn Prozent zeigt.
Weniger gut war das Bild im Kreditkartensektor, der am Vortag noch von Mastercard US57636Q1040 gestützt worden war. Visa US92826C8394 und American Express US0258161092 rutschten im Dow mit Abschlägen größer zwei Prozent an den unteren Indexrand. Die Resultate der beiden Unternehmen waren durchwachsen, sie blieben aber auch belastet davon, dass die US-Kreditkartenbranche derzeit unter Beschuss von US-Präsident Donald Trump steht.
Durchwachsen war auch das Feedback der Anleger auf die Zahlen zweier großer Ölkonzerne: Während Chevron US1667641005 um Dow mit 1,2 Prozent der zweitgrößte Gewinner nach Verizon waren, kamen die Titel von Exxonmobil US30231G1022 im S&P 500 mit einem Prozent unter Druck. Dem Ölriesen Chevron attestierte Expertin Betty Jiang von Barclays ein "solides Quartal nebst Ausblick".
Im Tech-Sektor litt der Halbleiterzulieferer KLA Corp US4824801009 nach der jüngsten Rekordjagd mit minus 7,9 Prozent unter Gewinnmitnahmen. Dass mehrere Analysten die Geschäftsentwicklung im vergangenen Quartal lobten, konnte dem Kurs nicht weiter nach oben verhelfen. 2026 hatten sie ihre Rally zuletzt nochmals verschärft, indem sie ihren Wert bis zum Vortag um 40 Prozent gesteigert hatten.
Begehrt waren ansonsten noch die Aktien des Konsumgüterkonzerns Colgate-Palmolive US1941621039, dessen überraschend gute Zahlen für einen Kursanstieg um 3,3 Prozent sorgten.

