DGUV, Vorschrift

DGUV Vorschrift 2: Neue Regeln für Arbeitssicherheit in Kraft

03.01.2026 - 23:43:12

Die überarbeitete Arbeitssicherheitsvorschrift erlaubt digitale Beratungen und erweitert die eigenverantwortliche Betreuung auf Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern.

Ab sofort gelten verschärfte Regeln für die betriebliche Arbeitssicherheit in Deutschland. Die überarbeitete DGUV Vorschrift 2 trat zum Jahreswechsel in Kraft und verändert die Organisation der Sicherheitsbetreuung grundlegend – besonders für risikoreiche Branchen wie die Chemie- und Rohstoffindustrie. Unternehmen, die mit Schüttgütern arbeiten, müssen ihre Sicherheitsunterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen nun dringend überprüfen.

Modernisierter Rahmen für Sicherheitsmanagement

Die von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI) Ende 2025 angekündigte Überarbeitung ist die umfangreichste Aktualisierung der deutschen Sicherheitsvorschriften seit über einem Jahrzehnt. Ziel ist ein flexibleres, digitaleres und praxisnäheres Sicherheitsmanagement.

Die wichtigste Neuerung betrifft die Schwelle für die Alternative Bedarfsorientierte Betreuung. Statt wie bisher nur für Betriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern steht diese Option nun Unternehmen mit bis zu 20 Beschäftigten offen. Mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können ihre Sicherheitsbetreuung damit eigenverantwortlicher organisieren – vorausgesetzt, sie absolvieren spezielle Schulungen der BG RCI.

Zudem wird digitale Beratung nun ausdrücklich erlaubt und standardisiert. Fachkräfte für Arbeitssicherheit und Betriebsärzte dürfen Teile ihrer Beratungstätigkeit über Videokonferenzen und digitale Tools abwickeln, was bisher in einer rechtlichen Grauzone lag. Diese Modernisierung soll den Beratungsprozess bei spezifischen technischen Gefahren, wie etwa Risiken durch elektrostatische Aufladungen, deutlich beschleunigen.

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Statische Elektrizität: Die unsichtbare Zündquelle

Während sich der organisatorische Rahmen ändert, bleiben die physikalischen Gefahren unverändert. Für die Schüttgutbranche gilt statische Elektrizität als eine der tückischsten Zündquellen. Laut der Technischen Regel für Gefahrstoffe (TRGS 727) können der pneumatische Transport, das Abfüllen und Sieben von isolierenden Schüttgütern hohe elektrostatische Aufladungen erzeugen. Entladen sich diese in einer Staubwolke, kann die Folge eine verheerende Staubexplosion sein.

Experten betonen: Das Inkrafttreten der neuen Vorschrift ist ein kritischer Auslöser. Unternehmen, die die neuen Flexibilitäten oder digitalen Beratungsoptionen nutzen, müssen ihre Gefährdungsbeurteilungen grundlegend überprüfen, um konform zu bleiben.

Die zentrale technische Referenz bleibt dabei TRGS 727 (“Vermeidung von Zündgefahren infolge elektrostatischer Aufladungen”). Die Methode, wie diese komplexen Informationen an die Mitarbeiter vermittelt werden – die verpflichtende Sicherheitsunterweisung – muss jedoch nun den aktualisierten Aufsichtsanforderungen entsprechen. Die Dokumentation dieser Unterweisungen ist im neuen “eigenverantwortlichen” Modell für kleinere Firmen wichtiger denn je.

Praxishilfe: DGUV Information 213-117 nutzen

Als zentrale Unterstützung für die Umstellung verweisen Sicherheitsexperten auf die DGUV Information 213-117 (“Elektrostatik – Antworten auf häufig gestellte Fragen”). Dieses Dokument ist ein essenzielles Werkzeug, um abstrakte Vorschriften in verständliche Anweisungen für die Mitarbeiterschulung zu übersetzen.

Eine konforme Sicherheitsunterweisung für Schüttgüter sollte nach dem neuen Regelwerk von 2026 folgende Punkte abdecken:

  1. Aufladung: Erklären, wie einfache Reibung zwischen Granulat und Rohren gefährliche Spannungen erzeugen.
  2. Entladungsarten: Unterscheidung zwischen Funkenentladung, Büschelentladung und der besonders energiereichen und gefährlichen schlagenden Büschelentladung in Schüttgutsilos.
  3. Schutzmaßnahmen: Die korrekte Erdung aller leitfähigen Anlagenteile (Schläuche, Silos, Behälter) und der Einsatz ableitfähiger Materialien (Typ-C-Big Bags).
  4. Verhalten der Mitarbeiter: Das Verbot isolierender Schuhe und die Notwendigkeit ableitfähiger Kleidung in Ex-Bereichen.

Die BG RCI unterstreicht: Unter der überarbeiteten Vorschrift ist die Qualität der Unterweisung entscheidend. Durch die eigenverantwortlichere Organisation bei KMU liegt die Verantwortung, dass Mitarbeiter diese technischen Risiken wirklich verstehen, stärker bei der internen Führung.

Ausblick: Mehr Flexibilität, mehr Eigenverantwortung

Die Modernisierung der DGUV Vorschrift 2 wird als notwendige Anpassung an eine digitalisierte Industrielandschaft gesehen. Durch digitale Beratungen können Spezialisten für Elektrostatik nun virtuell “vor Ort” sein, um spezifische Erdungsprobleme oder Silokonfigurationen zu beurteilen. Das macht hochspezialisiertes Wissen auch für kleinere Firmen leichter zugänglich.

Sicherheitsanalysten warnen jedoch: Die größere Flexibilität geht mit einer gesteigerten Sorgfaltspflicht einher. Die Ausweitung des “alternativen Betreuungsmodells” auf Betriebe mit 20 Mitarbeitern bedeutet, dass mehr Unternehmer persönlich für die Identifizierung komplexer Gefahren wie schlagender Büschelentladungen verantwortlich sind – ohne ständige Vor-Ort-Betreuung durch einen externen Sicherheitsingenieur.

Für das Jahr 2026 plant die BG RCI, aktualisierte Qualifizierungsmodule anzubieten, um Unternehmer bei diesen neuen Aufgaben zu unterstützen. Unternehmen der Schüttgutbranche wird geraten, umgehend zu prüfen, ob ihre aktuellen Sicherheitsunterweisungen den organisatorischen Veränderungen Rechnung tragen und ihre Dokumentation den neuen Standards ab dem 1. Januar gewachsen ist.

Überblick der wichtigsten Neuerungen (Stand Januar 2026)

Vorschrift Status Erforderliche Maßnahme
DGUV Vorschrift 2 Inkraft seit 1.1.2026 Sicherheitsbetreuungsmodell prüfen; Berechtigung für alternative Betreuung (<20 MA) klären.
Gefährdungsbeurteilung Aktualisierung erforderlich Elektrostatik-Risiken (TRGS 727) im Licht neuer Betriebsabläufe neu bewerten.
Digitale Beratung Jetzt erlaubt Ferngespräche mit Sicherheitsexperten für schnellere Klärung technischer Fragen nutzen.
Sicherheitsunterweisung Laufende Pflicht Mitarbeiter mit DGUV Info 213-117 zu Elektrostatik schulen; Unterweisung lückenlos dokumentieren.

Hinweis: Dieser Artikel fasst aktuelle regulatorische Änderungen und Sicherheitsrichtlinien zusammen. Er stellt keine Rechtsberatung dar. Unternehmen sollten für vollständige Compliance-Details den offiziellen Text der DGUV Vorschrift 2 und der TRGS 727 konsultieren.

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