DGUV-Regeln neu: Digitale Gesundheitschecks gegen Müdigkeit am Arbeitsplatz
05.01.2026 - 17:32:12Die aktualisierte DGUV Vorschrift 2 erlaubt digitale Gesundheitschecks und adressiert Übermüdung als zentrales Sicherheitsrisiko für Unternehmen ab sofort.
Ab heute gelten verschärfte Regeln für den Arbeitsschutz in Deutschland – mit einem klaren Fokus auf digitale Vorsorge und ein lange unterschätztes Risiko: chronische Müdigkeit.
Seit dem 1. Januar 2026 ist die aktualisierte DGUV Vorschrift 2 in Kraft. Mit dem Start der ersten vollen Arbeitswoche des Jahres bekommt die Neuregelung nun praktische Relevanz. Der zentrale Punkt: Sie ebnet den Weg für eine moderne, digitale betriebsärztliche Betreuung. Experten sehen darin die große Chance, endlich das Sicherheitsrisiko Erschöpfung systematisch anzugehen. Denn Schlafmangel kostet die deutsche Volkswirtschaft Schätzungen zufolge bis zu 60 Milliarden Euro pro Jahr.
Flexiblere Betreuung für mehr Unternehmen
Die von der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) vorgeschriebene Neufassung bringt entscheidende Erleichterungen, vor allem für den Mittelstand. Die Schwelle für das vereinfachte Kleinbetriebsmodell wurde von 10 auf 20 Beschäftigte angehoben. Somit können deutlich mehr Firmen von flexibleren, bedarfsorientierten Betreuungsmodellen profitieren.
Der vielleicht wichtigste Fortschritt ist die explizite Integration digitaler Gesundheitsdienste. Die neuen Richtlinien erlauben es, bis zu einem Drittel der betriebsärztlichen Leistungen über digitale Kanäle zu erbringen. Dazu zählen Videosprechstunden und Tools zur Fernüberwachung des Gesundheitszustands.
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Für Sicherheitsexperten ist diese Digitalisierung ein Wendepunkt. Sie ermöglicht es, endlich auch „weiche“ Risikofaktoren wie Schlafqualität effektiv zu adressieren. Starrer Vor-Ort-Rhythmus ließ bisher oft wenig Raum für vertrauliche Gespräche über Schlaflosigkeit oder Schichtarbeit. Digitale Angebote senken die Hemmschwelle für Mitarbeiter, sich zu solchen Themen beraten zu lassen – und Ärzte können eingreifen, bevor Übermüdung zu einem Unfall führt.
Müdigkeit als Sicherheitsrisiko: Daten geben Rückenwind
Die Gesetzesänderung folgt auf ein Jahr mit eindrücklichen Belegen für den Zusammenhang zwischen Erholung und Sicherheit. Ende 2025 veröffentlichte Ergebnisse des deutschen Vier-Tage-Woche-Pilotprojekts lieferten handfeste Daten. Beschäftigte mit reduzierter Arbeitszeit gewannen durchschnittlich 38 Minuten Schlaf pro Woche. Dies führte direkt zu weniger Burnout-Gefühl bei stabiler Produktivität.
Berufsgenossenschaften stützen sich nun auf solche Erkenntnisse. Sie argumentieren, dass Schlafqualität keine Privatsache, sondern ein kritischer Sicherheitsfaktor ist. Initiativen wie der „Schlafometer“ der VBG und IFA erfahren neuen Zuspruch, denn Unternehmen suchen konforme Wege, um Müdigkeitsrisiken zu messen.
Die Zahlen unterstreichen die Dringlichkeit: Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) ist Übermüdung bei etwa 20 % der Verkehrsunfälle im gewerblichen Transport ein Mitverursacher.
Logistik und Industrie im Fokus
Die neuen Regelungen haben unmittelbare Auswirkungen auf Schichtbetriebe. In Logistik und Produktion können Nachtschaffer nun digitale Gesundheitschecks nutzen, ohne ihren Schlafrhythmus für einen Klinikbesuch am Tag zu unterbrechen.
Beobachter sehen in den Vorschriften eine Modernisierung des Präventionsgedankens. Einfacherer Zugang zu Betriebsärzten fördert die „Verhaltensprävention“. Der Fokus liegt also vermehrt auf individuellen Gesundheitsentscheidungen wie Schlafhygiene, die untrennbar mit Maschinensicherheit verbunden sind.
Die Umstellung birgt aber auch Herausforderungen. Kleine Unternehmen, die nun in die Kategorie „bis 20 Mitarbeiter“ fallen, müssen sich in „Alternative Betreuung“ einarbeiten. Verbände wie die BGN starteten bereits Ende 2025 Aufklärungskampagnen, um Inhaber über ihre neuen Pflichten zu informieren.
Ausblick: Schlaf im Mittelpunkt der Sicherheitsagenda 2026
Das Thema Müdigkeit und Wohlbefinden wird die Sicherheitsagenda 2026 dominieren. Die DGUV und internationale Partner bereiten bereits die 13. Internationale Konferenz „Working on Safety“ (WOS 2026) im September auf Zypern vor. Das Motto „Die Zukunft von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gestalten: Innovation, Resilienz und Wohlbefinden“ passt perfekt zur deutschen Regulierung.
Für deutsche Arbeitgeber ist die oberste Priorität im ersten Quartal 2026, die digitalen Möglichkeiten in ihre Sicherheitskonzepte zu integrieren. Experten prognostizieren einen Boom bei „Sleep-Coaching“-Plattformen und Müdigkeits-Monitoring-Systemen. Diese Tools können nun offiziell Teil der vorgeschriebenen betriebsärztlichen Versorgung sein.
Die Botschaft der Regulierer zum Start ins neue Arbeitsjahr ist klar: Arbeitssicherheit bedeutet heute nicht mehr nur Helm und Sicherheitsschuhe. Sie bedeutet ebenso, eine ausgeruhte, aufmerksame und mental fitte Belegschaft zu gewährleisten.
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