DGUV-Leitfaden 205-022: Neue Haftungsrisiken für Betriebe ab Februar 2026
08.02.2026 - 11:31:12Die Anforderungen an die betriebliche Sicherheit in Deutschland haben sich mit dem neuen Jahr deutlich verschärft. Grund ist die kürzlich veröffentlichte, vollständig überarbeitete DGUV Information 205-022 der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung. Sie setzt insbesondere für den Umgang mit Hochvoltsystemen neue Maßstäbe und stellt Unternehmen vor die dringende Aufgabe, die Qualifikation ihrer befähigten Personen sofort zu überprüfen. Bei Verstößen drohen schwere Haftungsfolgen.
Neue Standards für Hochvoltsysteme als Weckruf
Am 5. Februar 2026 veröffentlichte die DGUV die aktualisierte Richtlinie 205-022 zu Sicherheitsmaßnahmen an Hochvoltfahrzeugen. Dieses Dokument löst eine zehn Jahre alte Fassung ab und spiegelt den rasanten Fortschritt in Batterietechnik und Spannungsarchitekturen wider. Die Botschaft an Arbeitgeber ist eindeutig: Die geforderte „zeitnahe berufliche Tätigkeit“ ist kein statischer Punkt auf einer Checkliste, sondern ein sich ständig bewegendes Ziel.
Während der Leitfaden primär Rettungs- und Feuerwehreinsätze adressiert, ziehen Juristen eine direkte Verbindung zu Werkstätten, Flottenmanagement und industrieller Instandhaltung. Laut der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) muss jede Person, die solche Systeme prüft oder wartet, eine „befähigte Person“ sein. Der neue DGUV-Standard erhöht die Latte für das, was als „aktuelle Kenntnisse“ gilt. Ein Techniker, der 2020 für 400-Volt-Systeme geschult wurde, verfügt möglicherweise nicht über die spezifische Kompetenz für die in der Leitlinie von 2026 behandelten 800-Volt-Architekturen.
Viele Unternehmen unterschätzen, wie detailliert Gefährdungsbeurteilungen nach der neuen DGUV 205-022 sein müssen. Aufsichtsbehörden prüfen heute punktgenau – fehlende oder veraltete GBU können Bußgelder und Haftungsrisiken nach sich ziehen. Dieser kostenlose Download liefert praxiserprobte Gefährdungsbeurteilungs‑Vorlagen, Risikomatrix und Checklisten, die Sie sofort an Ihre Fahrzeug‑ und Hochvolt‑Prozesse anpassen können. Gefährdungsbeurteilung-Vorlagen & Checklisten herunterladen
Die drei Säulen der TRBS 1203 und die Haftungsfalle
Die Definition der befähigten Person bleibt in den Technischen Regeln für Betriebssicherheit (TRBS 1203) verankert. Drei Säulen sind entscheidend: eine abgeschlossene Berufsausbildung, praktische Erfahrung und – als häufigster Stolperstein – die zeitnahe berufliche Tätigkeit. Diese setzt mehrere Prüfungen pro Jahr und vor allem kontinuierliche Weiterbildung voraus, um mit dem technischen Fortschritt Schritt zu halten.
Die jüngste Änderung des §1 BetrSichV vom 23. Dezember 2025 unterstreicht den dynamischen Charakter der Vorschrift. Sie zeigt den Willen des Gesetzgebers, die Verordnung eng mit der sich wandelnden Energielandschaft zu verzahnen. Kommt es zu einem Unfall und kann die befähigte Person keine Vertrautheit mit den neuen Standards nachweisen, haftet der Arbeitgeber für die fahrlässige Auswahl des Personals. Der Fachkräftemangel verschärft das Problem noch, da die Versuchung wächst, internes Personal zu benennen, dem es an der nötigen zeitnahen Erfahrung mangelt.
Digitale Compliance und der Aktionsplan für Betriebe
Ein einfacher Papierschein von einem Seminar reicht 2026 nicht mehr aus. Im Trend liegen digitale RegTech-Lösungen (Regulatory Technology). Diese Plattformen dokumentieren nicht nur die Erstzertifizierung, sondern auch laufende Praxiserfahrung und aktuelle Trainingsmodule. Diese digitale Nachweisführung wird für die Verteidigung in Haftungsfällen immer essenzieller.
Experten empfehlen Unternehmen ein dreistufiges Vorgehen:
1. Qualifikationen auditieren: Überprüfen Sie umgehend die Schulungsnachweise aller befähigten Personen. Gleichen Sie das letzte Training mit der Veröffentlichung neuer Regeln wie der DGUV 205-022 ab.
2. Lücken schließen: Ist eine Qualifikation älter als drei Jahre – in dynamischen Feldern wie der Elektromobilität älter als 18 Monate – muss umgehend eine Auffrischung geplant werden.
3. Gefährdungsbeurteilung aktualisieren: Dieses Dokument muss lebendig sein. Integrieren Sie die Erkenntnisse aus der neuen DGUV-Information in die Risikobewertungen für Fahrzeugwartung und -handling.
Ausblick: Noch strengere Regeln und mehr Prüfdruck
Der regulatorische Druck wird voraussichtlich weiter zunehmen. Die DGUV hat weitere Aktualisierungen ihres Vorschriften- und Regelwerks für 2026 angekündigt, um deutsche Standards mit EU-Richtlinien zur Maschinensicherheit und KI in Einklang zu bringen.
Zudem deuten Diskussionen in Fachkreisen an, dass Behörden künftig genauer auf die Unabhängigkeit der befähigten Person achten könnten. Es wird geprüft, ob interne Prüfer bei Sicherheitsentscheidungen wirklich frei von betrieblichem Druck sind. Die Priorität für Unternehmen ist jetzt klar: Sie müssen sicherstellen, dass ihre Experten so modern sind wie die Technik, die sie prüfen.
PS: Digitale Nachweisführung und regelmäßige Unterweisungen sind jetzt Pflichtbestandteil jeder zeitnahen beruflichen Tätigkeit. Diese kostenlose Sicherheitsunterweisungs‑Vorlage enthält eine editierbare PowerPoint, einen Unterweisungsnachweis und ein kurzes Quiz – so bereiten Sie Auffrischungen und die lückenlose Dokumentation in Minuten statt Stunden vor und sind für Prüfungen rechtssicher aufgestellt. Sicherheitsunterweisung-Vorlage downloaden


