DGUV, Haftungsschutz

DGUV betont Haftungsschutz und startet Transparenz-Offensive

21.02.2026 - 13:30:12 | boerse-global.de

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) hat in dieser Woche zwei wichtige Weichen gestellt: Sie bekräftigte den zentralen Haftungsschutz für sicherheitskonforme Unternehmen und veröffentlichte erstmals interne Prüfrichtlinien für Arztrechnungen. Diese Doppelstrategie unterstreicht den Wert des Sozialpakts Arbeitsschutz und öffnet gleichzeitig die Bücher der Verwaltung.

Am 19. Februar 2026, dem Welttag der sozialen Gerechtigkeit, stellte die DGUV den rechtlichen Kern des gesetzlichen Unfallversicherungssystems heraus. Im Zentrum steht die Haftungsablösung. Dieser einzigartige Mechanismus des deutschen Rechts schützt Unternehmen, die ihre Beiträge zahlen und die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) einhalten, vor zivilrechtlichen Schadensersatzklagen nach Arbeitsunfällen.

„Dieser Schutzschild ist mehr als eine Versicherung. Er ist ein Garant für den sozialen Frieden im Betrieb“, betonte DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Stephan Fasshauer. Das System entzieht möglichen Streitigkeiten nach einem Unfall den Boden. Beschäftigte erhalten Rehabilitation, Heilbehandlung und Entschädigung – ohne einen langwierigen Prozess gegen ihren Arbeitgeber führen zu müssen. Im Gegenzug verpflichten sich die Unternehmen zur strikten Einhaltung der Vorschriften. Diese Compliance ist die operative Grundlage für den gesamten Schutzmechanismus.

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Transparenz bei der Kostenprüfung

Bereits am 18. Februar hatte die DGUV einen bemerkenswerten Schritt zur Verwaltungstransparenz unternommen. Sie veröffentlichte erstmals ihre Arbeitshinweise zur Prüfung von Arztrechnungen online. Bisher waren diese Richtlinien interne Dokumente der Berufsgenossenschaften, mit denen die Kosten von Krankenhäusern und Durchgangsärzten geprüft wurden.

Diese Offenlegung hat Signalwirkung für das gesamte Ökosystem des Arbeitsschutzes. Ärztliche Leistungserbringer und – indirekt – die versicherten Unternehmen können nun nachvollziehen, nach welchen Kriterien Behandlungskosten bewertet werden. Die aktualisierten Hinweise berücksichtigen neuere Vertragsänderungen mit Ärzten und Anpassungen der Gebührenordnung (UV-GOÄ), etwa für ambulante Operationen. Für Unternehmen wird so die Kalkulationsgrundlage für ihre Beiträge transparenter, die sich aus Risikoklassen und Unfallkosten speisen.

Modernisierung im Hintergrund: Die neue DGUV Vorschrift 2

Diese Ankündigungen fallen in die Umsetzungsphase der überarbeiteten DGUV Vorschrift 2. Seit dem 1. Januar 2026 gilt die modernisierte Kernregelung zur Bestellung von Betriebsärzten und Fachkräften für Arbeitssicherheit in ersten Branchen wie der BG Verkehr vollumfänglich.

Die Reform bringt entscheidende Flexibilitäten: Bis zu 50 Prozent der sicherheitstechnischen Betreuung dürfen nun digital erfolgen. Zudem öffnet sie den Kreis der qualifizierten Fachkräfte. Künftig können auch Arbeitspsychologen oder Ergonomie-Experten diese Rolle übernehmen – ein großer Schritt für die interdisziplinäre Gefahrenprävention. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) soll die Compliance so einfacher werden.

Strategische Signale für die Wirtschaft

Marktbeobachter deuten die parallelen Botschaften zu „sozialer Gerechtigkeit“ und „Transparenz“ als strategisches Manöver. Angesichts steigender Gesundheitskosten und komplexerer Arbeitswelten muss das System der Berufsgenossenschaften seine Effizienz und Fairness unter Beweis stellen.

Rechtsexperten sehen in der expliziten Verknüpfung von UVV-Compliance und Haftungsschutz eine wichtige Mahnung an die Unternehmensführung. Wo neue Lieferkettengesetze und strengere ESG-Berichtspflichten gelten, rückt der Arbeitsschutz vom Betriebs- ins Vorstandsthema auf. Die Haftungsablösung ist ein wertvolles Unternehmensgut, das aktives Sicherheitsmanagement erfordert.

Die Veröffentlichung der Prüfrichtlinien soll zudem Reibungen zwischen Ärzten und Unfallversicherungsträgern reduzieren. Klare Regeln für die Abrechnung beschleunigen die administrative Abwicklung nach einem Unfall. Das kommt letztlich den verletzten Beschäftigten zugute und unterstützt die „Vision Zero“ der DGUV.

Ausblick: Digitalisierung und psychische Gesundheit

Für das Jahr 2026 kündigt die DGUV weitere Digitalisierungsschritte im UVV-Umfeld an. Die mit den Prüfhinweisen gestartete Transparenzoffensive könnte auf andere Verwaltungsbereiche ausgeweitet werden.

Unternehmen müssen sich auf weitere praktische Leitfäden zur Anwendung der neuen DGUV Vorschrift 2 einstellen, besonders mit Blick auf die ersten Prüfzyklen. Ein Schwerpunkt der DGUV für das restliche Jahr 2026 wird das Thema Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz sein. Künftige UVV-Interpretationen dürften psychologische Gefährdungsbeurteilungen stärker in den Fokus rücken.

Die Botschaft dieser Woche ist eindeutig: Das System bietet robusten Schutz, verlangt aber aktive Teilnahme, Transparenz und strikte Befolgung sich ständig weiterentwickelnder Sicherheitsregeln.

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