Deutschland, Neu-Delhi

Deutschland wirbt in Neu-Delhi um digitale Partnerschaft mit Indien

18.02.2026 - 09:22:12 | boerse-global.de

Deutschland strebt mit Indien eine digitale Partnerschaft an, um gemeinsame Standards für vertrauenswürdige KI zu setzen und Kooperationen in Forschung und Fachkräften zu stärken.

Deutschland positioniert sich als Schlüsselpartner Indiens im globalen KI-Wettlauf. Auf dem India AI Impact Summit in Neu-Delhi verhandelt Digitalminister Dr. Karsten Wildberger über eine umfassende digitale Allianz. Im Gepäck hat er deutsche KI-Lösungen und ein klares Ziel: gemeinsame Standards für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz zu setzen.

Strategische Annäherung an einen KI-Giganten

Vom 16. bis 20. Februar tagt in der indischen Hauptstadt der erste große KI-Gipfel des Globalen Südens. Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron persönlich anreist, setzt Deutschland auf seinen obersten Digitalbeamten. Wildberger, seit Mai 2025 Minister unter Kanzler Friedrich Merz, soll eine digitale Partnerschaft nach dem Vorbild der Abkommen mit Kanada aushandeln.

Der Entwurf sieht eine engere Zusammenarbeit bei digitaler Infrastruktur, regulatorischer Angleichung und der Entwicklung sogenannter „Trusted AI“ vor. Diese Systeme sollen sowohl EU-Standards als auch Indiens Entwicklungsziele erfüllen. Im Fokus stehen auch Korridore für Fachkräfte und gemeinsame Forschungsprojekte, besonders in industrieller KI und grünen Technologien.

Deutschland erkennt Indien damit nicht länger nur als Absatzmarkt, sondern als Mitgestalter globaler KI-Rahmenwerke an. Eine bemerkenswerte strategische Neuausrichtung.

SAP und deutsche KI-Champions im Gepäck

Auf der parallel stattfindenden Messe präsentiert Deutschland eine Mischung aus Industriegiganten und Tech-Startups. Neben Mercedes-Benz sind der Übersetzungs-KI-Spezialist DeepL und die Enterprise-Plattform Langdock vertreten. Sie unterstreichen Deutschlands Stärke in gewerblicher und industrieller Generative AI.

Eine zentrale Rolle spielt der Walldorfer Software-Riese SAP. Das Unternehmen nutzt den Gipfel, um eine bereits angekündigte Bildungsinitiative zu unterstreichen: Bis 2030 will SAP weltweit 12 Millionen Menschen mit KI-Kompetenzen ausstatten. Über ein Viertel dieser Lernenden kommt aus Indien – ein „strategischer Impact-Markt“ für das Unternehmen.

„Das Programm zielt darauf ab, die Qualifikationslücke zu schließen“, so ein SAP-Vertreter vor Ort. Indische Unternehmen adoptieren KI-Tools derzeit in rasantem Tempo. Der Bedarf an zertifizierten Fachkräften ist entsprechend hoch.

Die Suche nach gemeinsamen ethischen Standards

Jenseits kommerzieller Interessen wirbt die deutsche Delegation für einen „menschenzentrierten“ KI-Ansatz. Raphael Leuner, KI-Experte im Auswärtigen Amt, zeigte sich beeindruckt von der indischen Talenttiefe und sprachlichen Diversität. „Indien entwickelt sich rasant zu einem unglaublichen Standort für KI-Entwicklung“, so Leuner.

Deutschland promotet zudem die „EU AI Champions Initiative“ und die Arbeit des KI-Bundesverbands. Die Diskussionen kreisen darum, wie deutsche Ingenieursstandards auf KI-Sicherheit und -Zuverlässigkeit übertragen werden können – eine Frage, die Branchen von der Automobilindustrie bis zur Gesundheitsversorgung umtreibt.

Kann das deutsche Regulierungsmodell, geprägt vom EU AI Act, mit Indiens „Digital Public Infrastructure“-Ansatz gemeinsamen Boden finden? Der Gipfel könnte hier erste Antworten liefern.

Anzeige

Die EU-KI-Verordnung stellt Unternehmen vor neue Pflichten – von Risikoklassen über Kennzeichnung bis zu ausführlicher Dokumentation. Wer KI-Systeme entwickelt, einsetzt oder vertreibt, sollte jetzt wissen, welche Anforderungen gelten und welche Fristen wichtig sind. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt die wichtigsten Pflichten kompakt und praxisnah. Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Weichenstellung für die digitale Zukunft

Der Zeitpunkt der Gespräche ist entscheidend. Die internationale Gemeinschaft ringt um eine „Erklärung für inklusive und nachhaltige Künstliche Intelligenz“. Deutschland ist darauf bedacht, seine Philosophie als Teil dieser globalen Ordnung zu verankern.

Bis zum Ende des Gipfels am Freitag wird mit einer formellen Roadmap für die indisch-deutsche digitale Partnerschaft gerechnet. Analysten erwarten, dass ein Abkommen den Datenaustausch erleichtern und Joint Ventures in Indiens geplanten „KI-Datenstädten“ fördern würde.

Für Minister Wildberger ist der Gipfel eine Feuerprobe der neuen „digitalen Außenpolitik“ Berlins. Die Kombination aus hochrangigem politischem Engagement und konkreten Privatsektor-Zusagen wie dem SAP-Programm sendet ein klares Signal: Deutschland will in Indiens digitaler Zukunft nicht am Rand stehen, sondern mitgestalten.

Anzeige

Hol dir den Wissensvorsprung der Profis.

Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Trading-Empfehlungen – dreimal die Woche, direkt in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt kostenlos anmelden
Jetzt abonnieren.