Deutschland, Rechenzentren-Kapazität

Deutschland verdoppelt Rechenzentren-Kapazität für KI-Wettlauf

23.03.2026 - 04:40:20 | boerse-global.de

Die Bundesregierung will mit einer neuen Strategie die KI-Rechenleistung vervierfachen und Genehmigungszeiten verkürzen, um digitale Souveränität zu stärken und Abhängigkeiten zu reduzieren.

Deutschland verdoppelt Rechenzentren-Kapazität für KI-Wettlauf - Foto: über boerse-global.de
Deutschland verdoppelt Rechenzentren-Kapazität für KI-Wettlauf - Foto: über boerse-global.de

Die Bundesregierung startet eine Offensive im globalen KI-Rennen. Mit einer neuen Nationalen Rechenzentren-Strategie will Deutschland bis 2030 seine Kapazitäten verdoppeln und die KI-Rechenleistung vervierfachen. Das Kabinett beschloss den Plan am 18. März.

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Steuerreform soll lokale Blockaden lösen

Kern der Strategie ist eine Reform der Gewerbesteuer. Künftig fließen Steuereinnahmen aus Rechenzentren direkt an die Gemeinde, die die Anlage beherbergt – nicht an den Firmensitz des Betreibers. „Das schafft endlich Anreize vor Ort“, erklärt Digitalminister Karsten Wildberger. Kommunen sollen so aktiv um Investitionen konkurrieren.

Bisher dauerten Genehmigungen für große Campus teils Jahre. Künftig gilt das Prinzip „Wer zuerst fertig ist, wird zuerst angeschlossen“. Die Regierung peilt Genehmigungszeiten unter zwölf Monaten an. Besonders im überlasteten Raum Frankfurt soll das den Stau lösen.

Digitale Souveränität gegen US-Konzerne

Doch es geht um mehr als Geschwindigkeit. Die Regierung sorgt sich um digitale Abhängigkeiten. Über 60 Prozent der aktuellen 530 Megawatt KI-Kapazität werden von nicht-europäischen Anbietern betrieben – vor allem von US-Hyperscalern wie Microsoft, Google und AWS.

Die Strategie setzt daher auf heimische Champions. Als Vorzeigeprojekt gilt der deutsche Startup Polaris AI Data Centers. Das Unternehmen baut in Amberg ein 30-Megawatt-Rechenzentrum speziell für KI, das später auf 120 Megawatt wachsen soll. „Solche Projekte unterliegen vollständig europaischer Datenschutz-Gesetzgebung“, betont das Digitalministerium.

100 Prozent Ökostrom – aber woher?

Alle neuen Rechenzentren müssen ab sofort mit grünem Strom betrieben werden. Zudem schreibt das Energieeffizienzgesetz vor, Abwärme in lokale Wärmenetze einzuspeisen. Google macht es in Dietzenbach vor: Die Abwärme versorgt über 2.000 Haushalte.

Doch die grüne Vorgabe ist umstritten. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) und Teile der Grünen kritisieren: Die Strategie sage nicht, wo der zusätzliche Ökostrom herkommen soll. Bis 2037 könnten Rechenzentren zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs ausmachen. Ohne massiven Ausbau von Wind- und Solarkraft drohe eine Belastung für die Energiewende.

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Neue Zentren entstehen im Rheinland und Berlin

Frankfurt bleibt mit 745 Megawatt IT-Leistung zwar Europas zweitgrößter Hub. Doch wegen Netzengpässen und Flächenmangel verlagert sich das Wachstum. Das Rheinland um Köln profitiert: Microsoft investiert 3,2 Milliarden Euro in Standorte in Bergheim, Bedburg und Elsdorf.

Berlin entwickelt sich zum Zentrum für souveräne Cloud-Lösungen. Die Kapazität soll sich bis 2028 verdreifachen, wenn Projekte von Google und Equinix ans Netz gehen. Finanziert wird der Boom durch innovative Modelle – wie die 640-Millionen-Euro-Briefkastenfirma von Vantage Data Centers für Standorte in Berlin und Offenbach.

Wettlauf gegen die Zeit beginnt

Die Branche begrüßt die Ziele, mahnt aber niedrigere Strompreise an. „Der Erfolg Deutschlands als Standort hängt von der Umsetzungsgeschwindigkeit ab“, sagt Dr. Béla Waldhauser vom Bündnis zur Stärkung digitaler Infrastrukturen.

Milliardeninvestitionen stehen bereit. Die kommenden vier Jahre entscheiden, ob Deutschland bis 2030 Kapazität verdoppeln kann – und gleichzeitig Klimaziele und digitale Souveränität wahrt. Der Ausbau des digitalen Rückgrats hat begonnen.

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