Deutschland, CO2-Speicherung

Deutschland ebnet Weg für unterirdische CO2-Speicherung

14.01.2026 - 22:01:12

Das novellierte Kohlendioxid-Speicherungsgesetz ermöglicht den kommerziellen Einsatz von CCS, um prozessbedingte Emissionen in Schlüsselindustrien zu reduzieren und die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen.

Deutschland hat die unterirdische Speicherung von Kohlendioxid (CCS) für die Industrie freigegeben. Das novellierte Kohlendioxid-Speicherungsgesetz trat Ende November 2025 in Kraft und schafft die rechtliche Grundlage für den kommerziellen Einsatz der Technologie. Die Bundesregierung sieht darin einen notwendigen Schritt, um die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen und energieintensiven Branchen Planungssicherheit zu geben.

Besonders für Industriezweige mit prozessbedingten Emissionen – wie die Zement-, Kalk- oder Abfallwirtschaft – wird CCS zur Schlüsseloption. Hier lassen sich CO2-Emissionen kaum vermeiden. Das neue Gesetz erlaubt nun nicht mehr nur Forschungsprojekte, sondern den großflächigen, kommerziellen Einsatz.

Neue Regeln: Pipelines und Fokus auf Nordsee

Das Gesetz schafft erstmals ein einheitliches Zulassungsverfahren für den Transport von CO2 durch Pipelines. Die Speicherung selbst soll vor allem offshore, also unter dem Meeresboden in der Nordsee, stattfinden. Meeresschutzgebiete sind davon ausgenommen.

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Ein zentraler Punkt ist die Feststellung des überragenden öffentlichen Interesses am Bau der CO2-Infrastruktur. Das soll Genehmigungsverfahren beschleunigen. Während die Speicherung an Land nicht bundesweit vorgesehen ist, können Bundesländer eine “Opt-in-Klausel” nutzen. Bisher hat jedoch noch kein Land davon Gebrauch gemacht.

Wirtschaft jubelt, Umweltschützer warnen

Wirtschaftsverbände begrüßen die Entscheidung als überfällig. Sie argumentieren, dass ohne CCS die Abwanderung ganzer Schlüsselindustrien drohe. Nur mit der Technologie ließen sich in manchen Sektoren die Klimaziele erreichen. Die nun geschaffene Rechtsklarheit sei die Basis für notwendige Milliardeninvestitionen.

Umweltorganisationen sehen das kritisch. Mehr als 70 von ihnen hatten in einem offenen Brief zum Stopp des Gesetzes aufgerufen. Ihre Sorge: CCS lenke von der eigentlichen Aufgabe ab, Emissionen zu vermeiden, und zementiere die Abhängigkeit von fossilen Energien. Sie verweisen auf hohe Kosten und potenzielle Risiken für die Meeresumwelt.

Deutschland folgt europäischem Trend

Mit der Entscheidung schließt Deutschland zu Vorreitern wie Norwegen, Dänemark und den Niederlanden auf. Norwegen treibt das Projekt “Northern Lights” voran und will CO2 auch für andere europäische Staaten einlagern. Die deutsche Gesetzesnovelle ermöglicht nun auch den Export von CO2 zur Speicherung im Ausland.

Analysten werten den Schritt als pragmatische Anerkennung der Realität. Eine Evaluierung hatte ergeben, dass die Klimaziele ohne Technologien wie CCS und CCU (Nutzung von CO2 als Rohstoff) nicht zu erreichen sind. Die Technologie gilt als Brücke für schwer zu dekarbonisierende Industrien.

Was kommt jetzt? Suche nach Speicherstätten

Der rechtliche Rahmen steht – jetzt beginnt die praktische Umsetzung. Die nächsten Schritte sind die Identifizierung und Untersuchung geeigneter Gesteinsformationen in der Nordsee. Experten sehen die größten Potenziale in:
* Salzwasserführenden Aquiferen
* Ausgeförderten Erdgasfeldern

Die betroffenen Industrieunternehmen müssen nun Investitionsentscheidungen für Abscheidungsanlagen treffen. Der Aufbau der Pipeline-Infrastruktur könnte sieben bis zehn Jahre dauern. Erste Anlagen sollen Anfang der 2030er Jahre betriebsbereit sein. Offen ist weiterhin die Frage, wie der Staat die hohen Kosten der Technologie fördern wird.

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