Deutschland, Frist

Deutschland droht Frist für gerechtere Löhne zu verpassen

24.02.2026 - 09:48:19 | boerse-global.de

Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern stagniert bei 16 Prozent. Die Bundesregierung gerät wegen stockender EU-Gesetzesumsetzung und einer Arbeitszeitreform, die Frauen benachteiligen könnte, unter Druck.

Nur Tage vor dem Equal Pay Day steht die Bundesregierung wegen ausbleibender Reformen in der Kritik. Kommunen und Parlamentarier werfen ihr vor, die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern nicht ernsthaft zu schließen.

Der unbereinigte Gender Pay Gap stagniert bei 16 Prozent. Während die EU-Frist für mehr Lohntransparenz im Juni 2026 näher rückt, fehlt in Berlin weiter ein konkreter Gesetzentwurf. Gleichzeitig warnen Abgeordnete, dass geplante Arbeitszeitreformen die Ungleichheit sogar verschärfen könnten.

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EU-Vorgabe droht zu scheitern

Der akuteste Kritikpunkt ist die schleppende Umsetzung der EU-Lohntransparenzrichtlinie. Gleichstellungsbeauftragte aus Berlin-Spandau und Pankow starteten am 23. Februar eine öffentliche Initiative. Sie monieren einen eklatanten Mangel an politischem Willen auf Bundesebene.

Die EU-Richtlinie verlangt von Mitgliedsstaaten verbindliche Transparenzmaßnahmen bis zum 7. Juni 2026. Doch in Deutschland stockt der Prozess. Das bestehende Entgelttransparenzgesetz gilt als zahnlos: Es lastet die Initiative ganz auf den Arbeitnehmern und sieht kaum Sanktionen vor.

„Während Länder wie Schweden oder Frankreich seit Jahren verpflichtende Gehaltsanalysen nutzen, hinkt Deutschland hinterher“, so die Berliner Vertreter. Die Bundesregierung verpasse die Chance, ein wirksames Gesetz zu schaffen.

Arbeitszeitreform könnte Frauen benachteiligen

Doch nicht nur bei der Transparenz gibt es Ärger. Eine parlamentarische Anfrage vom 20. Februar stellt die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes infrage. Kern ist der Wechsel von einer täglichen zu einer flexiblen wöchentlichen Höchstarbeitszeit.

Die Abgeordneten fürchten, dass längere tägliche Arbeitszeiten mit den starren Öffnungszeiten von Kitas und Schulen kollidieren. Die Last dieser Organisation würde überproportional Frauen treffen, die den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit leisten.

Die Anfrage warnt: Die Reform könnte die Erwerbsbeteiligung von Frauen senken, ihre Rückkehr in Vollzeitjobs erschweren und Aufstiege behindern. Damit würde sie nicht nur die Lohnlücke, sondern später auch die Rentenlücke vergrößern – ein klarer Widerspruch zu den eigenen Gleichstellungszielen der Regierung.

Statistik zeigt: Lücke bleibt bei 16 Prozent

Die Debatte wird von harten Zahlen untermauert. Das Statistische Bundesamt bestätigte im Dezember 2025 einen unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent. Frauen verdienten mit 22,81 Euro brutto pro Stunde durchschnittlich 4,24 Euro weniger als Männer.

Die regionale Spanne ist groß: In Westdeutschland beträgt die Lücke 17 Prozent, im Osten nur 5 Prozent. Rund 60 Prozent des Unterschieds führen die Statistiker auf strukturelle Faktoren zurück. Dazu zählen mehr Teilzeitbeschäftigungen bei Frauen, ihre Konzentration in schlechter bezahlten Branchen wie dem Sozialwesen und ihre Unterrepräsentanz in Führungspositionen.

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Neben der Entlohnung rücken durch neue Gesetze auch die Arbeitszeiten und deren lückenlose Dokumentation verstärkt in den Fokus der Betriebsprüfer. Sichern Sie sich diesen kostenlosen Leitfaden, um die gesetzliche Arbeitszeiterfassungspflicht ab 2025 mit praktischen Vorlagen sofort rechtssicher umzusetzen. Arbeitszeiterfassung in 10 Minuten rechtssicher umsetzen

Doch selbst bei gleicher Qualifikation, Berufserfahrung und Tätigkeit bleibt eine unerklärte, bereinigte Lücke von 6 Prozent. Die Bundesregierung will die Gesamtlücke bis 2030 auf 10 Prozent drücken. Aktuelle Prognosen zeigen: Ohne massive gesetzliche Eingriffe ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Unternehmen im Rechtslimbo

Die stockende Gesetzgebung versetzt Personalabteilungen in Alarmbereitschaft. Die EU-Richtlinie wird für Unternehmen ab 100 Mitarbeitern regelmäßige Berichte zum Gender Pay Gap vorschreiben. Wird eine unerklärte Lücke von über 5 Prozent festgestellt, muss eine gemeinsame Gehaltsprüfung mit den Arbeitnehmervertretern folgen.

Arbeitsrechtsexperten betonen: Die Vorbereitung erfordert umfangreiche interne Prüfungen, Neubewertungen von Stellen und Anpassungen der Gehaltssoftware. Doch ohne finalen nationalen Gesetzestext können Unternehmen keine rechtsicheren Systeme aufbauen.

Gewerkschaften wie der DGB fordern deshalb weit mehr als nur Transparenz. Sie verlangen eine Neubewertung frauendominierter Berufe, höhere Mindestlöhne und stärkere Tarifbindung, um die strukturellen Ursachen der Lücke anzugehen.

Countdown zum Equal Pay Day und zur EU-Frist

Am Equal Pay Day am 27. Februar 2026 stehen Demonstrationen und Kampagnen unter dem Motto für gleiche Bezahlung jeden Tag. Im Fokus steht die lebenslange finanzielle Benachteiligung von Frauen – von der Berufswahl bis zum erhöhten Altersarmutsrisiko.

Für die Bundesregierung tickt die Uhr. Bis zum 7. Juni 2026 bleiben nur wenige Monate, um ein komplexes Gesetz zu erarbeiten und zu verabschieden. Verpasst Deutschland die Frist, drohen Vertragsverletzungsverfahren der EU-Kommission und erheblicher Reputationsschaden.

Rechtsberater raten Unternehmen bereits jetzt, ihre Gehaltsstrukturen zu überprüfen und ungerechtfertigte Unterschiede zu beseitigen. Das Warten auf das finale Gesetz könnte sich als riskante Strategie erweisen.

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