Verwaltungscloud, Bund

Deutsche Verwaltungscloud: Bund setzt 2026 auf Souveränität und Skalierung

05.01.2026 - 16:01:12

Unter neuer Bundesführung setzt der IT-Planungsrat 2026 auf verbindliche Umsetzung der Digitalstrategie. Schwerpunkte sind die flächendeckende Nutzung der Deutschen Verwaltungscloud, souveräne KI und strenge Nachhaltigkeitskriterien.

Der Bund übernimmt die Führung im IT-Planungsrat und stellt die Weichen für eine zentralisierte, souveräne und nachhaltige Digitalverwaltung. Der Fokus liegt nun auf der verbindlichen Umsetzung.

Ab sofort führt Prof. Dr. Luise Hölscher, Staatssekretärin im Bundesfinanzministerium, den Vorsitz im IT-Planungsrat. Diese personelle Besetzung signalisiert einen strategischen Kurswechsel: Weg von der reinen Konsensfindung zwischen Bund und Ländern, hin zur operativen Durchsetzung der Digitalstrategie des Bundes. Das erklärte Ziel für 2026 ist es, Digitalisierung und Staatsmodernisierung untrennbar zu verknüpfen. Technologie soll kein Selbstzweck mehr sein, sondern muss sich an den Bedürfnissen der Menschen und der Verwaltung selbst messen lassen.

DVC-Ökosystem: Vom Pilotbetrieb zur flächendeckenden Nutzung

Im Zentrum dieser neuen Phase steht die Deutsche Verwaltungscloud (DVC), die seit April 2025 im produktiven Betrieb ist. Die „Cloud der Clouds“ vernetzt die Rechenzentren von Bund, Ländern und Kommunen. Die entscheidende Aufgabe für 2026 ist es nun, diese Infrastruktur mit Leben zu füllen. Öffentliche Auftraggeber sind angehalten, bei neuen Ausschreibungen priorisiert DVC-kompatible Lösungen zu wählen.

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Ein Treiber dieser Entwicklung ist die Integration souveräner KI-Kapazitäten. Die Kooperation von SAP und OpenAI, generative KI-Dienste auf der souveränen Delos Cloud für den öffentlichen Sektor anzubieten, zeigt die Richtung. Behörden können so fortschrittliche Modelle nutzen, während die Datenhoheit in Deutschland und der EU gewahrt bleibt. Für IT-Dienstleister bedeutet das eine schnelle Anpassung ihrer Portfolios. Isolierte Insellösungen haben ausgedient; gefragt sind nun interoperable Dienste im DVC-Ökosystem.

Nachhaltigkeit wird zum harten Vergabekriterium

Ein weiterer mächtiger Treiber des Wandels sind verschärfte Nachhaltigkeitsvorgaben. Die europäische Energieeffizienzrichtlinie (EED) wirkt sich seit diesem Jahr voll auf die öffentliche Beschaffung aus. Was 2025 noch als „bemühen“ galt, ist 2026 zum Standard geworden. Bieter für IT-Aufträge müssen detailliert Nachweise über Energieeffizienz, Abwärmenutzung und Klimaneutralität ihrer Rechenzentren erbringen.

Marktbeobachter sehen darin einen Konsolidierungsdruck. Kleinere kommunale Rechenzentren, die die hohen Effizienzstandards nicht erfüllen können, werden ihre Lasten zunehmend zu größeren, konformen Anbietern migrieren. Davon profitieren spezialisierte souveräne Cloud-Plattformen wie die AWS European Sovereign Cloud in Brandenburg.

Zeitgewinn für die E-Akte: Qualität vor Geschwindigkeit

Der strategische Fokus auf Cloud-Governance fällt mit revidierten Zeitplänen für die E-Akte zusammen. Da die verpflichtende flächendeckende Einführung in den Bundesländern auf 2027 verschoben wurde, entsteht paradoxerweise Spielraum für eine durchdachtere Architektur.

Experten sehen in der Verzögerung eine Chance. Statt Papierakten hastig in veraltete Systeme zu digitalisieren, können Verwaltungen die gewonnene Zeit nutzen, um direkt in cloud-native Dokumentenmanagementsysteme auf der DVC zu migrieren. Diese „Überspring-Strategie“ soll verhindern, dass neuer technischer Schuldenberg entsteht.

Die ersten Monate des Jahres werden von der „Cloud-First“-Umsetzung unter der neuen Bundesführung geprägt sein. Vor der Frühjahrssitzung des IT-Planungsrats werden aktualisierte Architekturvorgaben erwartet, die die Interoperabilitätsstandards für die DVC weiter verschärfen dürften. Für den gesamten öffentlichen IT-Sektor gilt: Die Experimentierphase ist vorbei. Der Erfolg 2026 hängt an standardisierten, souveränen und nachhaltigen Cloud-Diensten.

@ boerse-global.de