Deutsche Telekom Aktie: Comeback auf dem Prüfstand
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 15:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Deutsche Telekom-Aktie springt am Dienstag um 2,19 Prozent auf 27,51 Euro. Damit überwindet das Papier seinen 50-Tage-Durchschnitt von 27,12 Euro. Das ist ein charttechnisch wichtiger Schritt, denn die Aktie war zuvor wochenlang unter dieser Marke gefangen.
Auf Monatssicht steht bereits ein Plus von 10,53 Prozent zu Buche. Auf Jahressicht bleibt dennoch ein Minus von 11,69 Prozent. Die aktuelle Erholung gleicht also erst einen Teil der vorangegangenen Verluste aus.
Die entscheidende Marke
Der Sprung über die 50-Tage-Linie allein reicht nicht. Der 100-Tage-Durchschnitt liegt bei 28,56 Euro, der 200-Tage-Durchschnitt bei 28,64 Euro. Beide Marken liegen noch spürbar über dem aktuellen Kurs.
Erst ein nachhaltiges Überwinden dieser höheren Linien würde den Abwärtstrend der vergangenen Monate technisch brechen. Die Aktie hatte zuvor binnen drei Monaten fast ein Drittel ihres Werts verloren und war bis unter 24 Euro gefallen. Wie belastbar die jetzige Stabilisierung ist, entscheidet darüber, ob der Ausbruch hält oder scheitert.
Bullisches Szenario: Fundament stützt Erholung
Für eine Fortsetzung der Erholung spricht zunächst der Konzernausblick. Für 2026 rechnet die Deutsche Telekom mit weiter steigendem Umsatz. Das bereinigte EBITDA nach Leasingkosten soll auf rund 47,5 Milliarden Euro klettern, nach 44,7 Milliarden Euro im Vorjahr auf Pro-forma-Basis.
Auch beim freien Cashflow peilt der Konzern mehr an: rund 19,8 Milliarden Euro nach Leasingkosten, verglichen mit 19,3 Milliarden Euro im Jahr 2025.
Rückenwind liefert außerdem die US-Tochter T-Mobile US. Sie legte im zweiten Quartal starke Zahlen vor. Der Gewinn je Aktie lag mit 2,99 US-Dollar deutlich über den Erwartungen.
Der Markt honoriert zusätzlich eine angehobene Prognose. T-Mobile erwartet für 2026 nun einen bereinigten freien Cashflow zwischen 18,4 und 18,8 Milliarden US-Dollar. Zuvor lag die Spanne bei 18,1 bis 18,7 Milliarden US-Dollar.
Charttechnisch bleibt außerdem Luft nach oben. Das RSI von 57,7 signalisiert noch keine überkaufte Situation.
Bärisches Szenario: Fragile Stimmung
Der jüngste Kursrückgang zeigt, wie instabil die Erholung noch ist. T-Mobile US verfehlte trotz höherem Gewinn die Umsatzerwartungen. Auch beim Kundenwachstum blieb die US-Tochter hinter den Erwartungen zurück, die Aktie verlor vorbörslich rund vier Prozent und zog die Deutsche Telekom mit nach unten.
Der Vorfall legt ein strukturelles Risiko offen. Das US-Geschäft macht einen wesentlichen Teil der Konzernstory aus. Eine schwache Börsenreaktion bei T-Mobile US belastet deshalb auch die Stimmung gegenüber der Muttergesellschaft.
Hinzu kommt eine Warnung für das laufende Quartal. T-Mobile US rechnet im dritten Quartal mit vorübergehend schwächerem Kundenzuwachs. Grund ist die Umstellung vieler Kunden auf neue, teurere Tarife – ein Effekt, der kurzfristig zu Kündigungen führen kann.
Die Aktie bleibt zudem volatil. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 33,70 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 34,35 Euro beträgt weiterhin knapp 20 Prozent. Das zeigt: Die Erholung hat bislang nur einen Teil der Verluste wettgemacht.
Ausblick: Nächster Test am 6. August
Solange die Aktie über 27,12 Euro notiert, spricht die kurzfristige Charttechnik für eine Fortsetzung der Stabilisierung. Rutscht der Kurs wieder darunter, dürfte die Marke von 26 Euro erneut als Unterstützung getestet werden.
Der nächste konkrete Termin steht bereits fest. Am 6. August 2026 legt die Deutsche Telekom ihren Quartalsbericht vor. Dieser Bericht dürfte zeigen, ob sich die operative Stärke von T-Mobile US im Konzernzahlenwerk niederschlägt – und ob der Kurs den Sprung über die Marken bei 28,56 und 28,64 Euro schafft oder daran zunächst erneut scheitert.
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