Deutsche Industrie verliert doppelt so viele Jobs
17.02.2026 - 15:51:12 | boerse-global.deDie deutsche Industrie hat 2025 fast doppelt so viele Arbeitsplätze abgebaut wie im Vorjahr. Eine neue Analyse der Beratungsfirma EY zeigt: 124.000 Stellen wurden gestrichen, die Branche beschäftigt jetzt nur noch rund 5,38 Millionen Menschen. Die Zahlen belegen eine Vertiefung der Krise in der größten Volkswirtschaft Europas.
Automobilbranche unter massivem Druck
Besonders hart trifft es den traditionellen Rückgrat der deutschen Wirtschaft: die Automobilindustrie. Allein 2025 büßte sie etwa 50.000 Jobs ein – ein überproportional großer Anteil am Gesamtverlust. Seit 2019 schrumpfte die Belegschaft in diesem Sektor um fast 13 Prozent, das sind 111.000 Positionen.
Verantwortlich sind der schwierige Übergang zur Elektromobilität, hohe Energiekosten und scharfer internationaler Wettbewerb. Großumbauten bei Volkswagen, ZF Friedrichshafen und Continental, die Ende 2025 angekündigt wurden, schlagen hier voll zu Buche. Ein klarer Kontrast dazu: Die chemisch-pharmazeutische Industrie erwies sich als widerstandsfähiger und verzeichnete seit 2019 sogar ein leichtes Plus.
Zehn Quartale sinkender Umsätze
Die Entlassungswelle hat einen handfesten Grund: Die Umsätze brechen seit Jahren ein. Der Industrieverkaufserlös sank 2025 um 1,1 Prozent. Alarmierend ist die Dauer des Abschwungs – das vierte Quartal 2025 markierte bereits das zehnte Quartal in Folge mit rückläufigen Erlösen.
„Vor dem Hintergrund schrumpfender Geschäftsvolumina sind die bisherigen Stellenstreichungen sogar noch moderat zu nennen“, kommentiert EY-Partner Jan Brorhilker. Seiner Analyse zufolge haben die Unternehmen ihr Personal so lange wie möglich gehalten, bevor sie handeln mussten. Seit 2023 sind die Umsätze insgesamt um fast fünf Prozent gefallen.
2026: Die Krise könnte sich verschärfen
Was bedeutet das für das laufende Jahr? Die Prognose ist düster. Experten warnen: Ohne eine echte, kräftige Konjunkturwende wird der Abbau des Industriestandorts weitergehen. Brorhilker hält weitere Jobverluste für wahrscheinlich, sobald die Reserven der Firmen aufgebraucht sind.
Gleichzeitig wachsen die Risiken. Die Analyse verweist auf eine zunehmende Gefahr von Insolvenzen und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland, wo die Rahmenbedingungen oft günstiger sind. Zwar prognostizieren einige Ökonomen für 2026 ein leichtes BIP-Wachstum von rund einem Prozent für Deutschland. Ob dies jedoch schnell spürbare Entlastung für den industriellen Arbeitsmarkt bringt, ist mehr als ungewiss.
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Die oft politisch diskutierte „Deindustrialisierung“ findet in der Statistik immer mehr Belege. Seit dem Vorkrisenjahr 2019 hat die deutsche Industrie insgesamt etwa 266.500 Jobs verloren – ein Minus von rund fünf Prozent in sechs Jahren. Die Bewahrung der verbliebenen Industriearbeitsplätze erfordert nun nicht nur Stabilisierung, sondern eine Trendwende bei den Umsätzen. Die dauern bereits zweieinhalb Jahre an.
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