Firmenpleiten, Zehnjahreshoch

Deutsche Firmenpleiten erreichen Zehnjahreshoch

16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.de

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreicht 2025 einen Höchststand und wird 2026 weiter steigen. Experten sehen eine strukturelle Krise, die zunehmend auch größere Betriebe erfasst.

Deutsche Firmenpleiten erreichen Zehnjahreshoch - Foto: über boerse-global.de
Deutsche Firmenpleiten erreichen Zehnjahreshoch - Foto: über boerse-global.de

Die deutsche Wirtschaft steuert auf einen Rekord an Unternehmensinsolvenzen zu. Strukturelle Probleme, hohe Kosten und internationaler Druck treiben die Zahlen in die Höhe.

Laut aktuellen Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) wurden 2025 über 24.000 Firmenpleiten registriert – der höchste Stand seit 2014. Die Prognose für 2026 sieht keine Entspannung vor. Experten warnen vor einer systemischen Krise, die nicht nur kleine Betriebe, sondern zunehmend auch Großunternehmen erfasst.

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Rekordzahlen mit weiter steigender Tendenz

Die Dimension der Krise wird in den nackten Zahlen deutlich. Im vergangenen Jahr meldeten deutsche Amtsgerichte 24.064 Unternehmensinsolvenzen, ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber 2024. Besonders alarmierend: Der Negativtrend beschleunigte sich zum Jahresende. Allein im Dezember stiegen die Verfahren um 14 Prozent im Jahresvergleich.

Für das laufende Jahr zeichnet sich keine Wende ab. Der Informationsdienstleister CRIF prognostiziert für 2026 rund 24.800 Firmenpleiten, eine weitere Steigerung von etwa drei Prozent. Die Krise erreicht eine neue Qualität. Eine Analyse der Anwaltskanzlei Taylor Wessing rechnet 2026 mit einem Anstieg großer Insolvenzen – bei Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über zehn Millionen Euro – um 15 bis 20 Prozent. 2025 gab es hier bereits einen Rekord von 471 fällen.

Traditionsbetriebe und Zukunftsbranchen betroffen

Besonders hart trifft es die produzierende Industrie und die Lebensmittelherstellung. Unternehmen am Anfang der Lieferkette können steigende Kosten kaum weitergeben und stehen gleichzeitig unter massivem Preisdruck des Handels.

Ein Sinnbild dieser Entwicklung ist die Insolvenz der Bäckerei Rudolf Neff. Der 122 Jahre alte Familienbetrieb aus Karlsruhe mit 19 Filialen und 200 Mitarbeitern stellte Ende Februar 2026 einen Antrag auf Eigenverwaltung. Als Gründe nannte das Management explodierende Energie- und Rohstoffkosten. Während die Insolvenzzahlen im Einzelhandel sich stabilisieren, steigen sie bei Herstellern von Lebensmitteln und Konsumgütern stark an.

Auch der industrielle Maschinenbau ächzt unter den Bedingungen. Die Baumann Maschinenbau Solms, ein Hersteller für Schneidautomation mit 300 Beschäftigten, wurde im Februar unter vorläufige Insolvenzverwaltung gestellt. Das Unternehmen sucht nun einen Investor. Selbst Zukunftsbranchen sind nicht immun: Der Münchner Wasserstoffbus-Startup Arthur Bus meldete Anfang Februar 2026 Insolvenz an.

Strukturkrise statt Konjunkturdelle

Experten betonen, dass es sich nicht um ein vorübergehendes Konjunkturtief handelt. Vielmehr offenbaren die Pleitezahlen tiefgreifende strukturelle Schwächen der deutschen Wirtschaft. Taylor Wessing-Analysten nennen schwaches Wachstum, harte internationale Konkurrenz sowie dauerhaft hohe Energie- und Lohnkosten als Haupttreiber.

Die Bürokratie bleibt eine schwere Last für die notwendige Agilität. Geopolitische Unsicherheiten und Handelshemmnisse verschärfen die Lage für exportorientierte Branchen zusätzlich. Das Halle-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) warnt vor den sozialen Folgen: Die Schließung großer Arbeitgeber führe zu erheblichen und dauerhaften Einkommensverlusten für die Beschäftigten. Besonders betroffen sind laut Destatis die Branchen Transport/Lagerlogistik, Gastgewerbe und Baugewerbe.

Die Kettenreaktionen innerhalb von Liefernetzwerken werden zur Gefahr. Fällt ein großer Zulieferer aus, geraten zahlreiche gesunde Partnerunternehmen in Zahlungsschwierigkeiten. Juristen des Netzwerks Unyer weisen auf ein wachsendes Risiko hin: Insolvenzverwalter prüfen zunehmend Zahlungen, die vor der Pleite getätigt wurden, und fordern diese von Gläubigern zurück – eine existenzielle Gefahr für solvente Firmen.

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Was kommt auf die Wirtschaft zu?

Für das restliche Jahr 2026 erwarten Sanierungsexperten eine weiterhin hohe Volatilität. Nachhaltige Turnarounds werden durch strukturelle Bremsen wie den Fachkräftemangel und zögerliche Investitionen immer schwieriger.

Während einzelne Segmente wie der Wohnungsbau von staatlichen Förderprogrammen profitieren könnten, brauchen weite Teile der Industrie und des Dienstleistungssektors grundlegendere Entlastung. Verbände wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordern von der Politik spürbare Maßnahmen: Steuersenkungen, günstigere Energiepreise und weniger Bürokratie sollen die Wettbewerbsfähigkeit zurückbringen und Liquidität schaffen.

Für Unternehmer bedeutet die aktuelle Lage höchste Wachsamkeit. Finanzanalysten raten zu proaktivem Risikomanagement: Lieferketten überwachen, Kreditlimits strikt handhaben und die Kundenbasis diversifizieren. Frühzeitige Sanierungsgespräche und die Prüfung eines Eigenverwaltungsverfahrens können Wege sein, um Betrieb und Jobs zu retten. Bis wirksame Reformen greifen, bleiben Anpassungsfähigkeit und finanzielle Vorsicht die wichtigsten Überlebenswerkzeuge.

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