Firmen, China-Partner

Deutsche Firmen in der „Hyperrisiko“-Falle durch China-Partner

15.01.2026 - 09:43:12

Nach dem EU-Snapback drohen deutschen Konzernen mit China-Joint-Ventures existenzielle Strafen, wenn Partner Technologie an den Iran weiterleiten. Compliance-Experten warnen vor Hyperrisiken.

Deutsche Exporteure geraten durch indirekte Lizenzvergabe über chinesische Partner in neue Sanktionsfallen – nach dem EU-„Snapback“ drohen existenzielle Risiken.

Eine neue Welle von Compliance-Warnungen erschüttert die deutsche Exportindustrie. Der Grund: lizenzierte Fertigung in Drittländern, die Technologie an den Iran weiterleitet. Nach der Wiedereinführung umfassender EU-Sanktionen Ende 2025 – dem sogenannten „Snapback“ – stecken Unternehmen mit Joint Ventures in China oder der Türkei in einem rechtlichen Minenfeld. Analysen zeigen: Selbst unbewusste indirekte Verbindungen stellen nun ein „Hyperrisiko“ dar. Große Konzerne könnten gezwungen sein, lukrative Partnerschaften in Asien zu kappen, um katastrophale Strafen zu vermeiden.

Was „Hyperrisiko“ für deutsche Konzerne bedeutet

Der Begriff „Hyperrisiko“ beschreibt die eskalierte Gefahr für deutsche Hersteller, die offiziell aus dem Iran ausgestiegen sind, deren Produkte aber weiter dort auftauchen. Die Rechtslage hat sich nach dem EU-„Snapback“ im Herbst 2025 dramatisch verschärft. „Indirekte Absicht“ oder Fahrlässigkeit in der Lieferkette werden nun ebenso hart bestraft wie direkte Sanktionsumgehung.

„Bereits der Bestand eines Lizenzabkommens mit einem Partner in einem Drittland wie China, der dann mit dem Iran Geschäfte macht, kann heute als Verstoß gewertet werden“, erklärt Sanktionsexperte Prof. Dr. Viktor Winkler. Compliance-Abteilungen könnten sich nicht mehr auf „Endverwender-Zertifikate“ chinesischer Partner verlassen, wenn diese bekannte Iran-Kontakte haben. Alles, was als Umgehungsversuch angesehen wird – auch bewusste Ignoranz – gilt als Verletzung.

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Der Präzedenzfall Daimler Truck und Foton

Die Dringlichkeit zeigt ein aktueller Fall aus der Automobilbranche. Obwohl Daimler Truck seit Jahren offiziell keine Geschäfte mehr mit dem Iran macht, rollt moderne Mercedes-Benz-Technologie weiter von iranischen Montagebändern. Berichte der Wirtschaftswoche nennen Iran Khodro Diesel als Beispiel für dieses „Leck“.

Daimler Truck betont, keine Geschäftsbeziehungen oder lizenzierte Produktion für Mercedes-Benz-Lkw im Iran zu haben. Doch Branchenbeobachter identifizieren im Iran produzierte Lkw, die technisch auf der Foton Auman-Serie basieren. Foton, ein chinesischer Hersteller, betreibt ein Joint Venture mit Daimler in China. Der Verdacht: Technologie aus der komplizen deutschen Partnerschaft gelangt über Fotons unabhängige Geschäfte in den Iran.

Für deutsche Unternehmen entsteht ein Paradox: Ein regelkonformer China-Joint Venture kann zur Hintertür für Technologietransfer in sanktionierte Länder werden. Experten befürchten, dass Firmen unter dem verschärften „Snapback“-Regime gezwungen sein könnten, ihre China-Partnerschaften zu beenden, um sich von der Haftung zu „reinigen“.

Der „Snapback“-Schock von Ende 2025

Hintergrund der Alarmstimmung ist der geopolitische Schwenk vom Spätjahr 2025. Nach Berichten über Nichteinhaltung nuklearer Verpflichtungen aktivierte die EU den „Snapback“-Mechanismus. Damit wurden die UN-Sanktionen von vor 2015 wieder in Kraft gesetzt. Brüssel rückte näher an die „Maximaldruck“-Kampagne Washingtons heran. Die regulatorische Lücke, die zuvor Geschäfte in Grauzonen erlaubte, schloss sich.

Die wiederhergestellten Sanktionslisten verbieten nun umfassend den Transfer von Dual-Use-Gütern, Schwermaschinen und Automobilkomponenten, die den iranischen Logistik- oder Militärsektor stützen könnten. Entscheidend: Die Definition von „Transfer“ wurde verschärft und erfasst nun indirekte Routen über Handelsdrehscheiben wie die VAE, die Türkei und China. Der direkte EU-Iran-Handel ist mit rund 6,7 Milliarden Euro jährlich vernachlässigbar. Irans Handel mit China und regionalen Zwischenhändlern bleibt jedoch robust – und wird zum Hauptrisikovektor.

Branchenweite Folgen und unmögliche Kontrolle

Die Konsequenzen reichen weit über die Automobilindustrie hinaus. Der Maschinenbau und die chemische Verfahrenstechnik sind gleichermaßen betroffen. Compliance-Warnungen fordern deutsche Exporteure dringend auf, ihre Technologietransfer-Vereinbarungen zu überprüfen – nicht nur physische Lieferungen. Die Sorge: Geistiges Eigentum für einen Lizenznehmer in Shanghai oder Istanbul könnte für die Produktion von Gütern für den Iran-Markt genutzt werden. Der deutsche Lizenzgeber wäre mitschuldig.

Verbandsvertreter warnen, die „Hyperrisiko“-Einstufung werde legitimes Geschäft in neutralen Märkten abkühlen. Die Überwachung des gesamten globalen Vertriebsnetzes eines chinesischen Partners sei praktisch unmöglich. Die vorherrschende Rechtsauffassung ist jedoch klar: Unwissenheit schützt nicht mehr. Profitiert ein deutsches Unternehmen von Lizenzgebühren aus Verkäufen, die den Iran-Markt einschließen, profitiert es potenziell von sanktionierter Aktivität.

Ausblick 2026: Die große Compliance-„Reinigung“

Rechtsexperten prognostizieren für 2026 eine Welle von Vertragsneuverhandlungen. Deutsche Firmen werden wahrscheinlich Prüfrechte für den Drittparteien-Verkauf ihrer Partner fordern. Oder sie setzen strikte territoriale Beschränkungen mit sofortigen Kündigungsklauseln bei Verstößen durch.

Für Unternehmen wie Daimler Truck mit tiefen Verbindungen zur chinesischen Schwerindustrie werden die kommenden Monate entscheidend sein. Können diplomatische Kanäle den Umfang der „indirekten Haftung“ nicht klären, könnte die Wahl stehen: Asien-Partnerschaften oder Zugang zu westlichen Finanzmärkten. Die „Hyperrisiko“-Warnung sendet ein klares Signal: Die Ära des bewussten Wegschauens in den Lieferketten ist endgültig vorbei.

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