Deutlicher Dax-Rückgang: Leitindex verliert 1,6 Prozent auf 25.304 Punkte
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 17:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Dax hat zum Wochenausklang deutlich nachgelassen und ist mit 25.304 Punkten aus dem Xetra-Handel gegangen, ein Minus von 1,6 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss. Nach einem schwachen Start baute der deutsche Leitindex seine Verluste im Tagesverlauf kontinuierlich aus.
Autobauer und Schwergewichte belasten den Index
"Kurz vor dem Wochenende ist den Anlegern am deutschen Aktienmarkt die Puste ausgegangen", kommentierte Andreas Lipkow, Chef-Marktanalyst von CMC Markets. Vor allem die Autobauer sowie die Indexschwergewichte SAP und Deutsche Telekom zogen den Dax nach unten. Bis kurz vor Handelsschluss notierten lediglich die Papiere von Infineon, Hochtief und Rheinmetall im Plus, während Mercedes Benz, Deutsche Telekom und Volkswagen am Ende der Kursliste standen.
Erzeugerpreise schüren Inflationssorgen
Am Morgen veröffentlichte Erzeugerpreisdaten aus Deutschland lieferten nach Einschätzung Lipkows wenig Argumente für neue Aktienkäufe. Der stärker als erwartet ausgefallene Preisauftrieb zeige, dass die lange Phase hoher Energiepreise ihre Spuren in der deutschen Wirtschaft hinterlasse. Sinkende Ölpreise sorgten zwar grundsätzlich für Entlastung, ihre positive Wirkung komme jedoch mit Verzögerung an, sodass die aktuellen Erzeugerpreise noch eine Rechnung für die hohen Energiepreise der vergangenen Monate darstellten.
Inflationsangst dominiert das Handelsgeschehen
Inflationsangst bestimmte damit weiter das Handelsgeschehen. Nach Ansicht des Analysten haben die Notenbanken die Inflation zwar zu ihrem gemeinsamen Gegner erklärt, können die Ursachen steigender Energiekosten jedoch nicht beeinflussen. Je länger die Ölpreise auf hohem Niveau verharren, desto schwieriger werde der Spagat zwischen Inflationsbekämpfung und konjunktureller Stabilität, was die Börsen zusätzlich verunsichert.
Gas, Öl, Euro und Gold im Blick
Unterdessen stieg der Gaspreis spürbar: Eine Megawattstunde Gas zur Lieferung im Oktober kostete 80 Euro, rund fünf Prozent mehr als am Vortag. Daraus ergibt sich bei dauerhaftem Preisniveau ein geschätzter Verbraucherpreis von mindestens etwa 13 bis 15 Cent pro Kilowattstunde inklusive Nebenkosten und Steuern. Der Ölpreis sank dagegen leicht, ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostete am Freitagnachmittag gegen 17 Uhr deutscher Zeit 104,60 US-Dollar und lag damit 19 Cent beziehungsweise 0,2 Prozent unter dem Schlusskurs des vorherigen Handelstags.
Die europäische Gemeinschaftswährung zeigte sich am Freitagnachmittag etwas schwächer und wurde mit 1,1465 US-Dollar gehandelt, entsprechend kostete ein Dollar 0,8722 Euro. Der Goldpreis profitierte von der Unsicherheit an den Aktienmärkten: Für eine Feinunze wurden am Nachmittag 4.355 US-Dollar gezahlt, ein Plus von 0,4 Prozent, was einem Preis von 122,11 Euro pro Gramm entspricht.
Der deutliche Rückgang des Dax zum Wochenausklang spiegelt die Nervosität vieler Anleger gegenüber der hartnäckigen Inflation und ihren Ursachen wider. Steigende Erzeugerpreise gelten als ein Frühindikator dafür, dass Unternehmen höhere Kosten entlang der Wertschöpfungskette weitergeben könnten, was später auch Verbraucherpreise treiben kann. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen wie die Autobauer und Teile der Industrie, die im Index zu den Schwergewichten zählen.
Preisauftrieb, Energiekosten und Geldpolitik
Die Kombination aus höheren Erzeugerpreisen und einem wieder steigenden Gaspreis verschärft den Druck auf Unternehmen. Wenn der Gaspreis zur Lieferung im Oktober deutlich über früheren Niveaus liegt, schlagen diese Kosten mit Verzögerung in Produktions- und Transportkosten durch. Gleichzeitig wirkt der nur leicht nachlassende Ölpreis wie eine begrenzte Entlastung: Die Unternehmen sehen zwar sinkende Notierungen, müssen aber mit zeitlicher Verzögerung auf niedrigere Einkaufskonditionen hoffen.
Für die Geldpolitik entsteht damit ein schwieriger Zielkonflikt. Zentralbanken können über Zinsschritte die Nachfrage dämpfen, haben aber keinen direkten Einfluss auf globale Energiepreise. Bleiben Öl- und Gaspreise über längere Zeit erhöht, steigt das Risiko, dass weitere Zinserhöhungen zwar die Konjunktur bremsen, die Inflationsraten aber wegen externer Kostenschocks nur langsam sinken. Der Dax-Rückgang zeigt, dass Investoren diese Spannung zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstumsrisiken aufmerksam einpreisen.
Bedeutung für Anleger
Für Aktienanleger erhöht sich in einem solchen Umfeld die Bedeutung von Sektor- und Titelauswahl. Unternehmen mit hoher Energiekostenquote und geringerer Preissetzungsmacht geraten stärker unter Druck als Konzerne, die Kosten zügig weitergeben oder durch Effizienzmaßnahmen abfedern können. Gleichzeitig gewinnen klassische „Sicherheitsanlagen“ wie Gold an Attraktivität, weil sie als Schutz vor Kaufkraftverlust und Marktschwankungen gelten. Der Blick auf Inflationsdaten und Energiepreise bleibt damit auch in den kommenden Wochen entscheidend für die Einschätzung des deutschen Aktienmarkts.
